Ausbildungsstart 2026: Fraport und Bahn nehmen 5.282 Nachwuchskräfte auf
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres berichten zahlreiche deutsche Unternehmen und Verbände von einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Ausbildungs- und dualen Studienplätzen. Trotz einer allgemeinen konjunkturellen Schwäche verzeichnen insbesondere Großkonzerne und Teile des Handwerks ein wachsendes Interesse junger Talente an einer beruflichen Qualifikation.
Hohe Bewerberzahlen bei Verkehrs- und Finanzdienstleistern
Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport begrüßte zum September 2026 insgesamt 82 neue Auszubildende und dual Studierende. Diese verteilen sich auf 18 verschiedene Berufe. Das Unternehmen verzeichnete im Vorfeld rund 6.000 Bewerbungen, was einem Zuwachs von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Gleichzeitig blickt der Konzern auf langjährige Ausbildungstraditionen zurück: Die technische Ausbildung besteht seit 50 Jahren, die Ausbildung von Luftverkehrskaufleuten seit 40 Jahren und das duale Studium im Luftverkehrsmanagement seit zwei Jahrzehnten.
Auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) meldet ein massiv gestiegenes Interesse. Mit 180 neuen Nachwuchskräften startete die Bank in das aktuelle Ausbildungsjahr. Seit 2023 sei die Zahl der Bewerbungen um 185 Prozent gestiegen.
Bemerkenswert ist dabei, dass 43 Prozent der neuen Auszubildenden aus anderen Regionen nach Hamburg ziehen. Um die Attraktivität zu steigern, bietet das Institut neben Auslandsaufenthalten auch spezielle Wohnangebote in Altona an. Insgesamt beschäftigt die Haspa derzeit über 500 Auszubildende.
Die Deutsche Bahn bleibt einer der größten Ausbilder des Landes. Zum 1. September 2026 begannen 5.200 Nachwuchskräfte ihren Dienst. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf operativen Berufen: Jeweils 1.000 Personen starten in der Schieneninstandhaltung sowie in der Zugverkehrssteuerung, weitere 800 werden als Lokführer ausgebildet.
Das Angebot umfasst insgesamt 50 Ausbildungsberufe und 25 duale Studiengänge, wobei das Unternehmen eine Übernahme nach erfolgreichem Abschluss in Aussicht stellt.
Positive Signale aus Industrie und Handel
Im Bereich der Konsumgüterindustrie hieß Procter & Gamble 128 neue Auszubildende und dual Studierende an zehn Standorten im DACH-Raum willkommen. Das Spektrum umfasst 17 verschiedene Berufsbilder. Auch hier wird der Großteil der Absolventen nach der Ausbildung übernommen.
Wer die steigende Zahl an Nachwuchskräften von Beginn an strukturiert begleiten möchte, findet in diesem Leitfaden wertvolle Unterstützung für die ersten Monate. Sichern Sie sich jetzt praxisnahe Checklisten und Gesprächsvorlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Mehr Azubis halten durch die Probezeit – kostenlosen Leitfaden herunterladen
Der Automobilhersteller Opel startete mit 151 neuen Nachwuchskräften in den September. Der Großteil entfällt mit 100 Plätzen auf den Standort Rüsselsheim, gefolgt von Kaiserslautern mit 33 sowie Eisenach und Bochum mit jeweils neun Stellen. Das Unternehmen verwies auf eine Erfolgsquote von 90 Prozent und meldete allein in Rüsselsheim 114 Übernahmen.
Der Lebensmittel-Discounter NORMA stellte zum Ausbildungsjahr 2026 über 1.000 neue Auszubildende ein. Das Unternehmen setzt dabei auf eine Staffelung der Vergütung, die im ersten Jahr bei 1.350 Euro beginnt und bis auf 1.550 Euro im dritten Lehrjahr ansteigt, ergänzt um Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Aufwärtstrend im Handwerk trotz struktureller Herausforderungen
Das deutsche Handwerk verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 67.800 neue Ausbildungsverträge, was einem Plus von 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) erwartet das vierte Jahr in Folge einen Zuwachs bei den Vertragszahlen. Dennoch bleiben jährlich rund 20.000 Stellen unbesetzt. Die Mindestausbildungsvergütung liegt aktuell bei 724 Euro im ersten Jahr.
Angesichts der hohen Bewerberzahlen und der Verantwortung für neue Talente setzen erfahrene Ausbilder auf bewährte Methoden, um Abbrüche in der Anfangsphase zu vermeiden. Dieser Gratis-Report zeigt Ihnen, wie Sie die Probezeit rechtssicher und motivierend gestalten. Hier den kostenlosen Probezeit-Ratgeber für Ausbilder sichern
Ein Beispiel für die hohe Nachfrage in spezialisierten Betrieben ist der Dachdeckerbetrieb Hanebutt, der für 60 angebotene Plätze rund 700 Bewerbungen erhielt. Regional zeigen sich jedoch Unterschiede: Während das Handwerk in Baden-Württemberg ein Plus von 3 Prozent meldet, verzeichneten die dortigen Industrie- und Handelskammern einen Rückgang der Neuverträge um 9 Prozent.
Marktlage und konjunkturelle Einflüsse
Bundesweit bewertet die Bundesagentur für Arbeit die Lage für Suchende als schwieriger, da die Zahl der Lehrstellen aufgrund der Konjunkturschwäche leicht gesunken sei. Im Zeitraum von Oktober 2025 bis Juli 2026 standen laut Handelsverband Deutschland (HDE) 451.000 Ausbildungsplätze rund 433.000 Bewerbern gegenüber.
Zudem beeinflussen technologische Entwicklungen die Erwartungen: Laut Umfragen planen 35 Prozent der Personalverantwortlichen aufgrund von Künstlicher Intelligenz weniger Einstellungen, während sich 30 Prozent der Jugendlichen um einen möglichen Ersatz ihrer künftigen Tätigkeit durch KI sorgen.
