Ausgleichstaxfonds: Rechnungshof warnt vor 100 Millionen Euro Fehlbetrag
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der österreichische Rechnungshof kritisiert in einem Prüfbericht die finanzielle Gebarung sowie die unzureichende Zielerreichung des Ausgleichstaxfonds. Trotz eines deutlichen Anstiegs der eingesetzten Fördermittel hat sich die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt nicht wie erhofft verbessert. Neben der mangelnden Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen warnt das Kontrollorgan vor wachsenden finanziellen Defiziten.
Verfehlte Zielvorgaben trotz steigender Fördermittel
Die Bilanz des Prüfberichts verdeutlicht eine wachsende Kluft auf dem Arbeitsmarkt. Die Lücke bei den Beschäftigungsquoten zwischen Menschen mit und ohne Behinderung vergrößerte sich von 3,3 Prozentpunkten im Jahr 2010 auf 15 Prozentpunkte im Jahr 2024. Diese Entwicklung vollzog sich, obwohl die inflationsbereinigten Förderausgaben seit 2010 um 42,4 % gestiegen sind.
Zudem zeigte sich im Prüfzeitraum von 2022 bis 2024, dass 75 % der beschäftigungspflichtigen Betriebe ihrer Pflicht zur Einstellung von Menschen mit Behinderung nicht nachkamen. Gleichzeitig verzeichnete das Kontrollorgan ein starkes quantitatives Ungleichgewicht: Rund 40.600 offenen Pflichtstellen standen lediglich rund 4.300 arbeitslos gemeldete begünstigte Menschen mit Behinderung gegenüber.
Wachsender Fehlbetrag und Forderung nach Ausgabensenkungen
Auch die finanzielle Lage des Ausgleichstaxfonds gibt Anlass zu deutlicher Kritik. Für das Jahr 2025 wird ein Fondsabgang in Höhe von rund 100 Mio. Euro erwartet, während sich die Gesamtausgaben im selben Jahr auf rund 447 Mio. Euro belaufen. Um die Stabilität des Systems zu gewährleisten, fordert der Rechnungshof ab 2026 erhebliche Ausgabensenkungen.
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Für den Zeitraum bis 2029 sind bereits rund 150 Mio. Euro an Sondermitteln des Bundes vorgesehen. Das zuständige Ministerium verwies in diesem Zusammenhang auf eine bereits bestehende mehrjährige Budgetplanung sowie zusätzlich bereitgestellte Bundesmittel.
Geteilte Reaktionen der Sozialpartner und Interessengruppen
Am 9. Oktober 2026 begrüßte der Österreichische Behindertenrat die Veröffentlichung des Prüfberichts. Die Organisation forderte eine langfristig gesicherte Finanzierung, spürbarere Anreize für Unternehmen sowie präzisere Zielindikatoren und Wirkungsanalysen.
Angesichts der vielen Kleinbetriebe seien derzeit nur 2,9 % der österreichischen Betriebe überhaupt beschäftigungspflichtig. Mittelfristig brauche es daher ein solidarisches Modell, das den Fonds dauerhaft stabilisiere und inklusives Engagement gezielt belohne.
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Die Grünen drängten auf eine umfassende Reform des Systems und bemängelten, dass drei von vier betroffenen Unternehmen lieber die Ausgleichstaxe entrichten, statt Arbeitsplätze bereitzustellen. Neben einer verlässlichen Finanzierung forderten sie eine wirksamere Beschäftigungspflicht, Einstufungen anhand von Fähigkeiten sowie regulären Lohn statt Taschengeld.
Ähnlich äußerte sich der ÖGB, der neben klaren Indikatoren und mehrjähriger Planung einen strukturierten Reformprozess anmahnte. Das ÖGB Chancen Nutzen Büro verlangte zudem eine deutliche Erhöhung der Ausgleichstaxe auf ein betriebswirtschaftlich relevantes Niveau, damit die Ersatzzahlung für Unternehmen nicht länger günstiger ausfalle als eine reguläre Einstellung.
Die Wirtschaftskammer sprach sich hingegen gegen zusätzliche finanzielle Belastungen der Unternehmen aus. Da die Zahl der arbeitslos gemeldeten Begünstigten nur einen Bruchteil der offenen Pflichtstellen ausmache, liege das eigentliche Problem bei der passgenauen Vermittlung sowie bei wenig zielgerichteten Förderstrukturen. Sie verwies auf Empfehlungen des Rechnungshofs, die Ausgleichstaxe treffsicherer zu gestalten, Förderungen besser mit den Bundesländern zu koordinieren und die Verwaltung des Fonds zu vereinfachen.

