Autobahn GmbH: Fünf Milliarden Euro direkte Maut-Einnahmen ab 2028
28.05.2026 - 23:23:24 | boerse-global.deDrei Säulen statt Staatsknete
Das Bundesverkehrsministerium hat einen weitreichenden Vorschlag vorgelegt: Die Finanzierung der Autobahn GmbH soll grundlegend reformiert werden. Ein Gesetzesentwurf vom 13. Mai 2026 sieht vor, dass das staatliche Unternehmen künftig nicht mehr allein aus dem Bundeshaushalt bezahlt wird. Stattdessen tritt ein Drei-Säulen-Modell in Kraft: Bundesmittel, direkte Nutzerfinanzierung durch Maut und privates Kapital.
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Der Clou: Die Autobahn GmbH darf künftig Kredite aufnehmen und Anleihen begeben. Das soll den gewaltigen Sanierungsstau an Brücken und Straßen endlich auflösen. Allerdings ohne staatliche Garantien – das Unternehmen müsste sich am Kapitalmarkt selbst um seine Bonität kümmern.
Fünf Milliarden direkt aus der Maut
Ab Anfang 2028 soll die Autobahn GmbH die Einnahmen aus der Lkw-Maut direkt erhalten. Die Prognosen sind beeindruckend: Rund fünf Milliarden Euro jährlich fließen dann direkt in die Infrastruktur. Konkret rechnet der Entwurf mit 4,9 Milliarden Euro für 2028, 4,8 Milliarden für 2029 und 4,6 Milliarden für 2030.
Zum Vergleich: Derzeit verwaltet der Bund das gesamte Mautaufkommen von rund 13,4 Milliarden Euro. Ein Teil davon soll nun direkt an die Autobahn GmbH umgeleitet werden. Vorbild ist das österreichische Modell der Asfinag, das mit einer gewissen finanziellen Unabhängigkeit vom Staatshaushalt arbeitet. Die Umstellung kostet einmalig bis zu 21,1 Millionen Euro.
Unterstützung und Widerstand
Die Führung der Autobahn GmbH begrüßt die Pläne. Vorstandschef Michael Güntner hatte sich bereits mehrfach für eine solche Reform ausgesprochen – sie verspreche verlässlichere Planungs- und Investitionszyklen. Auch der ADAC zeigt sich zufrieden: Die Stabilisierung der Infrastrukturfinanzierung sei ein wichtiger Schritt.
Doch die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Umweltverbände schlagen Alarm. Verena Graichen vom BUND argumentiert, dass neue Finanzmittel strikt auf Erhalt und Sanierung bestehender Straßen beschränkt werden müssten – nicht auf den Neubau von Autobahnen.
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Politischer Sprengstoff im Haushalt
Der eigentliche Widerstand dürfte jedoch aus dem Finanzministerium und von den Haushaltsexperten im Bundestag kommen. Die Reform würde die parlamentarische Kontrolle über die Autobahnausgaben deutlich schwächen. Milliarden Euro verschwänden aus dem allgemeinen Bundeshaushalt.
Kritiker sehen darin einen cleveren Trick: Die neue Konstruktion könnte genutzt werden, um die Schuldenbremse zu umgehen. Indem Kredite nicht mehr vom Bund, sondern von einer Tochtergesellschaft aufgenommen werden, ließen sich Investitionen außerhalb der regulären Haushaltsgrenzen finanzieren. Ob das verfassungsrechtlich Bestand hat, dürfte die kommenden Monate prägen.
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