Bahngewalt, Monaten

Bahngewalt 2026: 989 Übergriffe in ersten sechs Monaten

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Gedenktafel erinnert in Mannheim an Serkan Calar. Zugleich steigen Übergriffe bei DB Regio, während strengere Strafen und Bodycams folgen sollen.

Mannheim ehrt getöteten Zugbegleiter – neue Schutzregeln geplant
Ein verlassener, düsterer Bahnsteig bei Dämmerung, der die Atmosphäre von Unsicherheit und Stille an einem Bahnhof einfängt. Illustration mit AI erstellt.

Am Hauptbahnhof Mannheim wurde auf Gleis 1 eine Gedenktafel für den getöteten Zugbegleiter Serkan Calar freigegeben. Die Einweihung erfolgte sieben Monate nach einem tödlichen Angriff auf den 36-jährigen Bahnmitarbeiter, der sich Anfang Februar 2026 in einem Regionalexpress in der Pfalz ereignete.

Calar war am 4. Februar 2026 nach einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast ohne gültigen Fahrschein an einer Hirnblutung gestorben. Der 26-jährige Täter wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt, wobei das Urteil derzeit noch nicht rechtskräftig ist.

Besorgniserregende Entwicklung der Übergriffszahlen

Der Fall hat die Debatte über die Sicherheit des Personals im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erneut verschärft. Statistiken der Deutschen Bahn verdeutlichen das Ausmaß der Gewalt: Im Jahr 2025 kam es konzernweit zu 3.264 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte. Rund 70 Prozent dieser Taten richteten sich gegen das Zugbegleitpersonal. Besonders betroffen war der Geschäftsbereich DB Regio mit 1.659 gemeldeten Fällen.

Diese Entwicklung setzte sich in den darauffolgenden Monaten fort. Für das erste Halbjahr 2026 meldete DB Regio bereits 989 Übergriffe, darunter 22 Fälle von schwerer Körperverletzung. Die Zahlen unterstreichen die anhaltende Gefährdungslage für Mitarbeiter im direkten Kundenkontakt.

Politische Vorstöße für schärfere Strafen und Kontrollen

Als Reaktion auf die Sicherheitslage hat das Justizministerium unter der Leitung von Justizministerin Stefanie Hubig einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt. Dieser sieht eine deutliche Verschärfung des Strafmaßes vor.

Für Angriffe auf Zugbegleiter, Beschäftigte des öffentlichen Personenverkehrs sowie Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten soll künftig eine Mindestfreiheitsstrafe von sechs Monaten gelten. Bisher lag die Untergrenze bei drei Monaten. In besonders schweren Fällen ist eine Anhebung der Mindeststrafe von sechs Monaten auf ein Jahr geplant.

Aufgrund dieser rechtlichen Initiative hat der EVG-Vorsitzende Martin Burkert die Drohung zurückgezogen, den öffentlichen Nahverkehr ab Januar flächendeckend zu bestreiken. Die Gewerkschaft hatte die Sicherheitsmängel zuvor massiv kritisiert.

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Die Zahl der Übergriffe auf Zugbegleiter bleibt hoch: Allein DB Regio meldete im ersten Halbjahr 2026 989 Fälle, darunter 22 schwere Körperverletzungen. Der vorliegende Gesetzentwurf sieht künftig sechs Monate Mindestfreiheitsstrafe vor, in besonders schweren Fällen ein Jahr. Unser kostenloser Praxisleitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie Bodycam-Einsatz datenschutzkonform aufsetzen, Deeskalation im Kundenkontakt verankern und Ihr Sicherheitskonzept an die geplante Rechtslage anpassen. Kostenlosen Praxisleitfaden jetzt anfordern

Zusätzlich werden neue Konzepte zur Prävention diskutiert. Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori begrüßte einen Vorstoß von Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, Zugangskontrollen an großen Bahnhöfen praktisch zu erproben.

Frankfurt am Main soll dabei als erste Modellstadt fungieren. Ein ähnlicher Vorschlag Hessens hatte bereits im März in der Verkehrsministerkonferenz vorgelegen, fand jedoch zu diesem Zeitpunkt noch keine Einigung unter den Ländern.

Ausbau technischer Schutzmaßnahmen

Neben rechtlichen Verschärfungen setzen Verkehrsunternehmen verstärkt auf technische Lösungen. Bei DB Regio sind mittlerweile mehr als 90 Prozent der Mitarbeiter im Umgang mit Bodycams geschult. Ein Testlauf für Geräte mit Tonaufzeichnung ist für Oktober bei DB Regio Mitte geplant.

Auch die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) führen derzeit freiwillige Tests mit Bodycams bei Fahrausweisprüfungen im Raum Leipzig durch. Ziel sei es, Situationen zu deeskalieren und den Schutz für Personal und Fahrgäste zu erhöhen. Die LVB betonten dabei die Einhaltung des Datenschutzes und die zweckgebundene Speicherung der Aufnahmen.

Anhaltende Spannungen im Sektor

Trotz der Fortschritte beim Arbeitsschutz bleibt die Lage im Nahverkehr angespannt. Für Montag, den 21. September 2026, hat die Gewerkschaft Verdi rund 1.800 Beschäftigte im ÖPNV in Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Hierbei geht es primär um tarifliche Forderungen.

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Verdi verlangt eine Entgelterhöhung von 6,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie einen jährlichen Bonus von 650 Euro für Mitglieder. Die Arbeitgeberseite hat bislang 4,4 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten. Die nächsten Verhandlungen sind für den 22. September angesetzt.

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