Banken-Stresstest, Bafin

Banken-Stresstest: Mehrere Dutzend deutsche Institute verfehlen Kapitalvorgaben

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 13:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Mehrheit der kleinen und mittelgroßen Banken in Deutschland würde einen schweren globalen Wirtschaftseinbruch verkraften. Mehrere Dutzend Institute verfehlten im simulierten Krisenszenario jedoch die Kapitalanforderungen der Aufsicht.

  • In Summe zeigen sich Deutschlands Banken und Sparkassen widerstandsfähig. Allerdings gibt es nicht nur Licht, sondern auch Schatten. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
    In Summe zeigen sich Deutschlands Banken und Sparkassen widerstandsfähig. Allerdings gibt es nicht nur Licht, sondern auch Schatten. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
  • Dem Krisentest von Bundesbank und Bafin mussten sich 1.113 kleine und mittelgroße Geldhäuser hierzulande stellen. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa
    Dem Krisentest von Bundesbank und Bafin mussten sich 1.113 kleine und mittelgroße Geldhäuser hierzulande stellen. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa
  • Die Finanzaufsicht Bafin betont: «Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick.» (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa/dpa-tmn
    Die Finanzaufsicht Bafin betont: «Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick.» (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa/dpa-tmn
In Summe zeigen sich Deutschlands Banken und Sparkassen widerstandsfähig. Allerdings gibt es nicht nur Licht, sondern auch Schatten. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa Dem Krisentest von Bundesbank und Bafin mussten sich 1.113 kleine und mittelgroße Geldhäuser hierzulande stellen. (Archivbild) - Bild: Hannes P Albert/dpa Die Finanzaufsicht Bafin betont: «Wir haben die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigen, besonders im Blick.» (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa/dpa-tmn

Die Mehrheit der Banken und Sparkassen in Deutschland würde nach einem gemeinsamen Krisentest von Bafin und Bundesbank auch einen drastischen globalen Wirtschaftseinbruch überstehen, mehrere Dutzend Institute könnten die Kapitalanforderungen jedoch nicht einhalten.

Deutlich weniger Auffälligkeiten als zuvor

„Die Institute bleiben insgesamt solide aufgestellt“, sagte der oberste Bankenkontrolleur der Finanzaufsicht Bafin, Nikolas Speer, in Frankfurt. Die Institute, die im Stresstest Auffälligkeiten zeigten, habe die Aufsicht besonders im Blick; falls erforderlich, werde sie rechtzeitig Maßnahmen ergreifen.

Nach Angaben Speers sind es „grob noch halb so viele“ Institute wie beim vorherigen Krisentest vor zwei Jahren. Damals waren nach Angaben der Bafin mehr als 50 Geldhäuser unter die Kapitalanforderung gesackt.

1.113 Institute geprüft

Bafin und Deutsche Bundesbank nahmen seit April 1.113 kleine und mittelgroße Geldhäuser unter die Lupe. Damit erfasste der Test fast 90 Prozent der Kreditinstitute in Deutschland. Ergänzend wurden die Institute zu ihrer aktuellen Ergebnislage, ihrer Risikosituation und ihren Erwartungen befragt.

Kapitalpuffer schrumpfen im Szenario

Simuliert wurde über drei Jahre eine Eskalation geopolitischer Spannungen mit zusätzlichen Handelsschranken, Lieferengpässen und steigenden Rohstoffpreisen. Zugleich wurden ein Rückgang des Welthandels, Folgen für Beschäftigung und Wirtschaftsleistung sowie steigende Zinsen und starke Korrekturen an Aktien- und Anleihemärkten unterstellt.

Unter diesen Bedingungen würde die harte Kernkapitalquote der Banken und Sparkassen insgesamt um rund 3,8 Prozentpunkte auf 14,6 Prozent sinken. Damit blieben die Institute zwar kapitalisiert, hätten aber weniger Puffer für weitere Rückschläge.

Aufsicht warnt vor Unsicherheit

Bundesbank-Vorstand Michael Theurer verwies auf die anhaltend hohe Unsicherheit über die geopolitische Entwicklung. Banken müssten deshalb bei ihrer Geschäfts- und Kapitalplanung vorsichtig vorgehen, um auch bei unvorhergesehenen Schocks eine solide Kapitalbasis zu bewahren und die Finanzierung der Realwirtschaft aufrechtzuerhalten.

Stresstests werden seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 regelmäßig eingesetzt. Sie sollen Risiken in Bilanzen und Schwachstellen von Geschäftsmodellen frühzeitig sichtbar machen. Die Aufsicht kann Instituten anschließend unter anderem auferlegen, mehr Kapital vorzuhalten.

Was der Test tatsächlich misst

Der Krisentest ist keine Prognose für eine unmittelbar bevorstehende Bankenkrise. Er prüft vielmehr, wie sich ein einheitlich vorgegebenes, besonders belastendes Szenario über drei Jahre auf Erträge, Risiken und Kapital der Institute auswirken würde. Die simulierten Schocks verbinden geopolitische Spannungen, gestörten Welthandel, steigende Rohstoffpreise, höhere Zinsen sowie Kursverluste an Aktien- und Anleihemärkten.

Die aggregierte harte Kernkapitalquote von 14,6 Prozent zeigt, dass die Institute im Szenario zunächst einen erheblichen Puffer behalten. Zugleich macht der Rückgang um 3,8 Prozentpunkte deutlich, dass selbst solide Ausgangslagen bei mehreren Belastungen gleichzeitig deutlich schrumpfen können. Für kleinere und mittelgroße Häuser ist dabei entscheidend, wie stark sie von einzelnen Regionen, Branchen, Immobilienfinanzierungen oder Geschäftsmodellen abhängig sind.

Bedeutung für Kreditkunden

Für Verbraucher und Unternehmen bedeutet das Ergebnis zunächst keine automatische Einschränkung von Konten oder Einlagen. Die Aufsicht kann bei auffälligen Instituten jedoch zusätzliche Kapital- oder andere Maßnahmen verlangen. Banken reagieren auf höhere Risiken typischerweise mit vorsichtigerer Kreditvergabe, strengeren Anforderungen und höheren Finanzierungskosten.

Das ist besonders relevant, wenn wirtschaftliche Schwäche, steigende Zinsen und fallende Vermögenspreise zusammenkommen. Ein Stresstest stärkt deshalb vor allem die Vorsorge: Er soll Schwachstellen sichtbar machen, bevor sie sich in realen Kreditausfällen oder einer Einschränkung der Finanzierung der Wirtschaft niederschlagen.

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