Bankenkontrolle: Sechs EU-LĂ€nder fordern schĂ€rfere Regeln fĂŒr Internalisierer
Veröffentlicht am: 19.07.2026 um 18:38 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und die Niederlande drĂ€ngen auf strengere Vorschriften fĂŒr groĂe Banken im Aktienhandel. In einem gemeinsamen Arbeitspapier fordern die Finanzminister der sechs LĂ€nder deutlich mehr Transparenz und schĂ€rfere Regeln fĂŒr sogenannte systematische Internalisierer (SI). Das sind Banken, die AuftrĂ€ge ihrer Kunden intern ausfĂŒhren, statt sie ĂŒber die Börse zu leiten.
Damit mischen sich die sechs Staaten direkt in den anhaltenden Streit zwischen klassischen BörsenplĂ€tzen und groĂen BankhĂ€usern ein.
âE6â-Staaten fordern Kursverbesserungen fĂŒr Privatkunden
Die als âE6â auftretende Staatengruppe begrĂŒĂt grundsĂ€tzlich die VorschlĂ€ge der EU-Kommission. Sie fordert jedoch einen deutlich ehrgeizigeren Ansatz zur Sicherung der MarktintegritĂ€t. Ein zentraler Punkt: Systematische Internalisierer sollen kĂŒnftig verpflichtet werden, ihren Privatkunden spĂŒrbare Kursverbesserungen im Vergleich zu den offiziellen Börsenkursen anzubieten.
Zudem plĂ€dieren die Minister fĂŒr eine erhebliche StĂ€rkung der Nachhandelstransparenz. Bestehende Ausnahmeregelungen fĂŒr sogenannte Dark Pools und bilaterale GeschĂ€fte sollen kritisch ĂŒberprĂŒft werden. Hintergrund ist der beobachtete RĂŒckgang der Handelsvolumina an öffentlichen Börsen â bei gleichzeitiger Zunahme intransparenter Handelswege.
Umfassendes Bankenpaket fĂŒr Anfang 2027 angekĂŒndigt
Der VorstoĂ erfolgt vor dem Hintergrund einer umfassenden Neuordnung der europĂ€ischen Finanzmarktregulierung. EU-Finanzkommissarin Maria Albuquerque kĂŒndigte bereits ein weitreichendes Gesetzespaket fĂŒr Anfang nĂ€chsten Jahres an. Es basiert auf einem aktuellen Bericht zur WettbewerbsfĂ€higkeit des Bankensektors.
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Zu den geplanten Ănderungen gehört eine neue aufsichtsrechtliche Behandlung von Software-Assets sowie angepasste Kapital- und LiquiditĂ€tsanforderungen fĂŒr grenzĂŒberschreitend tĂ€tige Institute. Diese sollen kĂŒnftig primĂ€r auf Ebene der Muttergesellschaften reguliert werden. Zudem sind reduzierte Kapitalpuffer und ein neues Konzept fĂŒr die europĂ€ische Einlagensicherung (EDIS) vorgesehen. BranchenverbĂ€nde signalisierten bereits Zustimmung zu den DeregulierungsplĂ€nen.
Nationale Interessen und Fusionsdynamiken
WĂ€hrend BrĂŒssel auf stĂ€rkere Integration drĂ€ngt, zeigt sich bei konkreten MarktverĂ€nderungen eine differenzierte Haltung der Nationalstaaten. Im Fall der möglichen Ăbernahme der Commerzbank durch die Unicredit deutet sich eine vorsichtige Ăffnung der Bundesregierung an. Bundeskanzler Merz erklĂ€rte, man werde eine solche Fusion nicht grundsĂ€tzlich verhindern.
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Gleichzeitig sondiert Berlin Bedingungen fĂŒr den Verkauf des staatlichen Anteils von zwölf Prozent. Im Fokus stehen die Sicherung der Mittelstandsfinanzierung, der Erhalt des Standorts Frankfurt und der Ausschluss betriebsbedingter KĂŒndigungen. Unicredit kontrolliert nach einer Tauschofferte bereits knapp die HĂ€lfte der Stimmrechte. Ein formaler Abschluss wird fĂŒr Anfang 2027 erwartet.
Die EU-Kommission mahnte in ihrem jĂŒngsten Bericht, dass nationale Eingriffe bei Bankenfusionen die WettbewerbsfĂ€higkeit des europĂ€ischen Finanzsektors beeintrĂ€chtigen könnten. Die aktuelle Initiative der sechs Finanzminister zeigt jedoch: Die Mitgliedstaaten wollen weiterhin aktiv die Marktregeln mitgestalten â und ein Gleichgewicht zwischen Bankeninteressen und der StabilitĂ€t öffentlicher BörsenplĂ€tze wahren.
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