BASF-Angebot über 24 Euro: Evonik hält an Eigenständigkeit fest
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEvoniks Eigenständigkeit und Übernahmepläne
- BASF bietet 24 Euro je Evonik-Aktie und bewertet den Konzern damit mit mehr als elf Milliarden Euro.
- Interimschef Claus Rettig übernahm Anfang September zusätzlich die Aufgaben des erkrankten CEO Christian Kullmann.
- Evonik erklärt, für eigene Übernahmen über finanzielle Feuerkraft zu verfügen, verfolgt solche Vorhaben aber bisher nicht proaktiv.
Evonik hält an Eigenständigkeit trotz BASF-Angebot fest
Evonik lehnt das Übernahmeangebot von BASF ab und hält trotz einer Offerte von 24 Euro je Aktie an seiner Eigenständigkeit fest. Interimschef Claus Rettig sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Größe allein sei kein entscheidender Vorteil für einen Chemiekonzern.
Rettig sieht Evonik strategisch gut aufgestellt
BASF bewertet Evonik mit dem Angebot mit mehr als elf Milliarden Euro. Rettig sagte, was BASF geboten habe, könne Evonik selbst liefern und werde in der eigenen Planung sicher darüber hinauskommen.
Der 66-Jährige hatte Anfang September zusätzlich zu seiner Funktion als Leiter des Asiengeschäfts die Aufgaben des erkrankten Evonik-Vorstandsvorsitzenden Christian Kullmann übernommen. Evonik hatte bereits zuvor erklärt, nicht mit BASF über eine Übernahme zu verhandeln.
Eigene Übernahmen bleiben möglich
Rettig sagte, Evonik wolle bei der Konsolidierung der Industrie selbst aktiv werden. Der Konzern habe etliche Ideen und sei vorbereitet, wenn sich eine Option für wertschaffendes Wachstum biete.
Für mögliche Zukäufe verfüge Evonik über finanzielle Feuerkraft, sagte der Interimschef. Übernahmen würden derzeit jedoch nicht proaktiv verfolgt.
Kein Gegenangebot in Sicht
Rettig wies Sorgen zurück, Evonik könne nach einem Rückzug von BASF zum Ziel anderer Interessenten werden. Ein Gegenangebot gebe es nicht.
Auch Finanzvorstand Michael Rauch bekräftigte die Eigenständigkeit. Evonik sei groß genug und werde durch die laufenden Maßnahmen im Portfolio noch attraktiver.
Vertraulicher Austausch mit BASF möglich
Evonik hatte in der vergangenen Woche erklärt, der Vorstand bleibe auf die strategische Weiterentwicklung als eigenständiges Unternehmen fokussiert. Zugleich signalisierte das Unternehmen Bereitschaft zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch mit BASF über die Positionen beider Konzerne.
Die Auseinandersetzung zwischen BASF und Evonik steht vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden Umbruchs in der deutschen Chemieindustrie. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage und internationale Konkurrenz setzen viele Unternehmen unter Druck. BASF argumentiert mit den möglichen Vorteilen größerer Strukturen, während Evonik seine Spezialisierung und die eigene strategische Planung als ausreichende Grundlage für weiteres Wachstum betrachtet.
Das BASF-Angebot bewertet Evonik mit mehr als elf Milliarden Euro. Ein Zusammenschluss würde einen Chemiekonzern mit einem Jahresumsatz von rund 74 Milliarden Euro schaffen. Für BASF könnten sich Einsparungen durch zusammengelegte Geschäftsbereiche ergeben. Gleichzeitig könnte eine Fusion in einzelnen Produktmärkten den Wettbewerb verringern und mittelständischen Kunden weniger Auswahl lassen.
Standorte und Kunden im Blick
Die Folgen gingen über die beiden Konzernzentralen in Ludwigshafen und Essen hinaus. Evonik beschäftigt weltweit rund 32.000 Menschen und plant zugleich weitere Kostensenkungen. Eine mögliche Neuordnung könnte daher Arbeitsplätze, Produktionsstandorte, Zulieferer und industrielle Lieferketten betreffen.
Besonders relevant ist die Rolle der RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Evonik-Aktien hält und mit ihren Erträgen dauerhafte Folgekosten des Steinkohlebergbaus finanziert. Für Kunden und Beschäftigte bleibt entscheidend, ob Evonik eigenständig investieren und wachsen kann oder ob BASF seine Offerte weiter verfolgt. Derzeit hält Evonik an seiner Eigenständigkeit fest; ein Gegenangebot gibt es nicht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „BASF will Evonik. Was will der Mittelstand?“ (05.11.2026)
Der Artikel ordne das Übernahmeangebot mit Blick auf Lieferketten, Preise und mittelständische Industriekunden ein. Er bestätige die Ablehnung durch Evonik und stelle stärker die möglichen Folgen eines Zusammenschlusses für Wettbewerb und Abnehmer in den Mittelpunkt.
tagesschau: „Evonik wehrt sich gegen Chemieriese BASF“ (03.11.2026)
Der Beitrag berichte über das auf 24 Euro je Aktie erhöhte Angebot und Evoniks Festhalten an der Eigenständigkeit. Zusätzlich beleuchte er Quartalszahlen, geplante Kostensenkungen sowie mögliche Auswirkungen auf Standorte und Arbeitsplätze.
Beide Beiträge stellten die Ablehnung des BASF-Angebots und die strategische Eigenständigkeit Evoniks heraus. Unterschiede lägen vor allem im Schwerpunkt: Während die Frankfurter Rundschau die Folgen für Kunden und Mittelstand betone, rücke die tagesschau stärker Geschäftszahlen, Standorte und politische Interessen in den Vordergrund.
