BASF bietet Evonik rund zehn Milliarden Euro für Übernahme an
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 14:08 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBASF-Chef Markus Kamieth sieht die Chemieindustrie vor einer großen Welle an Übernahmen und Fusionen. Auf dem Deutschland-Gipfel von „Handelsblatt“ und WirtschaftsWoche in Berlin sagte er, BASF wolle als Marktführer seine Chancen nutzen.
BASF bietet rund zehn Milliarden Euro
BASF hat vor wenigen Wochen eine Kaufofferte für den Essener Konkurrenten Evonik über rund zehn Milliarden Euro abgegeben. Der Vorstand von Evonik wies das Angebot zurück.
Kamieth ging auf dem Podium nicht konkret auf das vorliegende Angebot ein. Er begründete das Übernahmeinteresse jedoch mit der industriellen Logik eines Zusammenschlusses.
„Sehr viel Sinn“ in der Spezialchemie
„Eine Kombination von BASF und einem anderen starken Spieler aus der Spezialchemie ergibt sehr viel Sinn“, sagte Kamieth. BASF könne in einer solchen Verbindung zusätzlich seine Stärke in der Basischemie einbringen.
Evonik ist nach BASF die Nummer zwei in Deutschland und konzentriert sich auf lukrative Spezialchemie-Produkte. Es waren die ersten öffentlichen Worte des BASF-Vorstandschefs nach Bekanntwerden des Vorstoßes.
Weitere Gespräche bleiben offen
BASF hatte bislang lediglich Sondierungen mit Evonik bestätigt. Wie diese Gespräche fortgesetzt werden und ob sie zu einer Transaktion führen, ist weiterhin offen.
Der Vorstoß von BASF fällt in eine Phase, in der die europäische Chemieindustrie unter hohem Anpassungsdruck steht. Energiepreise, globale Überkapazitäten, schwache Nachfrage in wichtigen Abnehmerbranchen und der zunehmende Wettbewerb aus Asien belasten insbesondere Unternehmen mit großen Produktionsverbünden. Zusammenschlüsse können in diesem Umfeld Kosten senken, Forschung bündeln und den Zugang zu Spezialprodukten verbessern.
Strategische Logik eines Zusammenschlusses
BASF argumentiert bei Übernahmen mit der Verbindung von Spezialchemie und Basischemikalien. Das Geschäftsmodell von Evonik würde dazu komplementäre Produkte und Marktpositionen beitragen. Zugleich wäre ein Geschäft dieser Größenordnung wirtschaftlich und regulatorisch anspruchsvoll: Neben der Finanzierung müssten mögliche Überschneidungen, Kartellauflagen und die Interessen der Evonik-Aktionäre berücksichtigt werden.
Für Evonik ist entscheidend, ob ein eigenständiger Kurs langfristig mehr Wert verspricht als eine Übernahme. Der Vorstand hat das Angebot zurückgewiesen, während BASF bislang Sondierungen bestätigt und die weitere Entwicklung offengelassen hat. Damit steht zunächst nicht der Vollzug einer Transaktion fest, sondern die strategische Auseinandersetzung über Größe, Fokus und industrielle Zukunft zweier großer deutscher Chemiekonzerne.
Bedeutung für den Standort
Ein Zusammenschluss könnte Produktionsstandorte, Beschäftigung und Lieferketten in Deutschland berühren. Für Kunden wären mögliche Folgen bei Preisen, Lieferfähigkeit und Produktportfolios relevant. Gleichzeitig entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit der Branche nicht allein durch Übernahmen, sondern auch durch Investitionen in energieeffiziente Anlagen, Innovationen und verlässliche Rahmenbedingungen.
