Bauaufträge sinken im Juli deutlich – Wohnungsbau stockt erneut
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 09:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Auftragseingänge im deutschen Bauhauptgewerbe sind im Juli deutlich zurückgegangen: Kalender- und saisonbereinigt lagen sie 9,2 Prozent unter dem Vormonat.
Rückgang in Hoch- und Tiefbau
Betroffen waren sowohl der Hochbau mit einem Minus von 8,4 Prozent als auch der Tiefbau, dessen Auftragseingänge um 10 Prozent sanken. Zum Hochbau zählt vor allem der Wohnungsbau, zum Tiefbau unter anderem der Straßen- und Brückenbau.
Im weniger schwankungsanfälligen Zeitraum von Mai bis Juli ergibt sich allerdings noch ein Plus: Die Auftragseingänge lagen 2,7 Prozent über den drei Monaten zuvor.
Branche warnt vor dünneren Auftragsbüchern
„Die Auftragsbücher werden dünner“, sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Baugewerbeverbands ZDB. Die Betriebe arbeiteten derzeit noch Aufträge ab, die vor Monaten erteilt worden seien. Die Lage bleibe jedoch fragil, insbesondere im Wohnungsbau.
Förderung für Neubauten im Blick
Pakleppa warnte zum Jahreswechsel vor einem möglichen Rückschlag. Die Sonderförderung für EH-55-Neubauten laufe spätestens Ende 2026 aus; für 2027 stünden Kürzungen beim Neubau-Etat im Raum. Wie die Förderung ab Januar aussehen werde, sei weiterhin offen. Eine Förderlücke bis Sommer 2027 sei nicht auszuschließen.
Zuletzt hatte die Baubranche von staatlichen Ausgaben für die Infrastruktur profitiert. Auch bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau hatte sich eine Belebung abgezeichnet. Gestiegene Zinsen im Zuge des Iran-Kriegs und höhere Baupreise belasten die Branche jedoch weiterhin.
Umsatz und Beschäftigung legen zu
Im Juli stieg der Umsatz des Bauhauptgewerbes preisbereinigt um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Nominal erhöhten sich die Erlöse um 9,4 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Die Beschäftigung wuchs leicht.
Die Angaben beziehen sich auf Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.
Hohe Finanzierungskosten bremsen den Wohnungsbau
Der Rückgang der Bauaufträge trifft auf ein Umfeld, in dem Wohnungsbauprojekte weiterhin schwerer zu finanzieren sind. Bauzinsen für zehnjährige Darlehen liegen inzwischen über vier Prozent und damit deutlich höher als ein Jahr zuvor. Für Käufer steigen dadurch die monatlichen Belastungen; für Projektentwickler verschlechtern sich zugleich die Kalkulationen.
Staatliche Impulse wirken nicht überall gleich
Die Bauwirtschaft profitiert derzeit vor allem von öffentlichen Infrastrukturinvestitionen. Straßen- und Schienenprojekte können den Tiefbau stützen, ersetzen aber keine anhaltende Nachfrage im Wohnungsbau. Genau diese unterschiedliche Entwicklung erklärt, warum ein einzelner Monatsrückgang trotz besserer Auftragseingänge im Drei-Monats-Vergleich ein gemischtes Bild ergibt.
Wohnraummangel trifft auf Förderunsicherheit
Die Bundesregierung will Genehmigungen und Verfahren mit dem sogenannten Bau-Turbo beschleunigen. Gleichzeitig fehlen nach Schätzungen rund eine Million Wohnungen, während hohe Baukosten und teurere Kredite Investitionen erschweren. Für Mieter bedeutet die schwache Neubautätigkeit, dass sich das Angebot kurzfristig kaum ausweiten dürfte. Für Bauunternehmen bleibt entscheidend, ob Förderbedingungen für Neubauten rechtzeitig über das Jahresende hinaus geklärt werden.
