Baubranche: 148.800 Genehmigungen in sieben Monaten, aber Tiefstand bei Fertigstellungen
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 00:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und regulatorischen Vorgaben fĂŒr die Bauwirtschaft stehen bundesweit im Mittelpunkt politischer Diskussionen. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) und rund 100 weitere WirtschaftsverbĂ€nde machten im Zuge eines Aufrufs zum bundesweiten Wirtschaftswarntag auf die Belastungen der Branche aufmerksam.
ZDB-PrĂ€sident Schubert-Raab forderte vor diesem Hintergrund einen grundlegenden Neustart der Baupolitik. Zu den formulierten Kernanliegen gehören wettbewerbsfĂ€hige Steuern, ein spĂŒrbarer BĂŒrokratieabbau, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine Reform des BĂŒrgergelds.
ZuwÀchse bei Genehmigungen treffen auf schwache Fertigstellungszahlen
Trotz der politischen Kritik deuten jĂŒngste Erhebungen auf eine teilweise Belebung bei den behördlichen Zulassungen hin. Laut Berichten vom 18. September 2026 registrierte das Statistische Bundesamt fĂŒr den Monat Juli 2026 insgesamt 22.500 genehmigte Wohnungen, was einem Zuwachs von 1,9 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahresmonat Juli 2025 entspricht.
In der Gesamtbetrachtung von Januar bis Juli 2026 wurden 148.800 Wohnungen bewilligt â ein Plus von 12,9 Prozent oder rund 17.000 Einheiten mehr als im Vorjahreszeitraum.
Der Bereich der Neubauten legte in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 um 13,5 Prozent auf 121.200 Wohnungen zu. Dabei entfielen 27.900 Genehmigungen auf EinfamilienhÀuser (rund +10 Prozent), 8.900 auf ZweifamilienhÀuser (+25 Prozent) sowie 79.700 auf Wohnungen in MehrfamilienhÀusern (rund +15 Prozent).
Gleichzeitig bleibt die tatsĂ€chliche Bauleistung gedĂ€mpft: Im Gesamtjahr 2025 wurden lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt, was einem RĂŒckgang von 18 Prozent entsprach und den niedrigsten Stand seit 2012 markierte.
Wirtschaftliche Belastungen und Reformforderungen der VerbÀnde
Branchenvertreter bewerten die Entwicklung der Genehmigungen daher zurĂŒckhaltend. ZDB-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Pakleppa wies darauf hin, dass die Erholung von einem historisch niedrigen Niveau ausgehe und dem jĂ€hrlichen Neubaubedarf von rund 320.000 Wohnungen weiterhin eine zu geringe AktivitĂ€t gegenĂŒberstehe.
Wer sich mit dem Thema Immobilienbau und -verwaltung befasst, sollte auch die Wirtschaftlichkeit bestehender Objekte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie die Mietpreise in Ihrer Region korrekt einordnen und rechtssicher anpassen. Mietspiegel-Analyse 2026 jetzt gratis herunterladen
Auch IMK-Direktor Dullien rechnet mit einer DĂ€mpfung des Genehmigungsanstiegs infolge der Finanzierungskosten, nachdem die Zinsen fĂŒr zehnjĂ€hrige Immobilienkredite seit Jahresbeginn um 0,5 Prozentpunkte angezogen haben.
GdW-PrĂ€sident Gedaschko sah in den Zahlen ein ermutigendes Signal, betonte jedoch, dass keine Entwarnung fĂŒr den bezahlbaren Mietwohnungsbau gegeben werden könne.
Der GdW dringt weiterhin auf die EinfĂŒhrung des GebĂ€udetyps E, die FortfĂŒhrung der EH55-Plus-Förderung sowie die Absenkung des §7b-Effizienzhausniveaus auf EH55. Der entsprechende Gesetzentwurf zum GebĂ€udetyp E befindet sich nach Berichten vom 18. September 2026 jedoch weiterhin in der Ressortabstimmung.
WĂ€hrend die Branche ĂŒber neue Regulierungen diskutiert, können EigentĂŒmer bereits heute durch eine korrekte MietpreiseinschĂ€tzung bares Geld sparen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden, wie Sie Mieterhöhungen rechtssicher begrĂŒnden und teure Formfehler vermeiden. Kostenlosen Report fĂŒr Vermieter sichern
Die Stimmung in der Branche spiegelt die gemischte Lage wider: Das ifo-GeschÀftsklima im Wohnungsbau verbesserte sich im August 2026 auf ?22,7 Punkte, nach zuvor ?29,0 Punkten, wÀhrend die Beurteilung der aktuellen Lage unverÀndert blieb.
Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) warnte, dass die Baufertigstellungen auf einem historischen Tiefstand verharrten. Bauen bleibe zu teuer, aufwendig und langsam; verlangt werden mehr Tempo, ein investitionsfreundliches Umfeld und der Verzicht auf weitere Regulierungen.
Diskussionen ĂŒber FlĂ€chenpolitik auf Landesebene
Parallel zur Debatte auf Bundesebene werden auch in den BundeslÀndern planungsrechtliche Vorgaben verhandelt. Im Schleswig-Holsteinischen Landtag stand der Landesentwicklungsplan im Fokus. Der FDP-Abgeordnete Buchholz kritisierte das angestrebte Begrenzungsziel eines FlÀchenverbrauchs von maximal 1,3 Hektar pro Tag als zu starr.
Die beantragte Ăberweisung des FDP-Vorschlags in den Ausschuss fand im Parlament jedoch keine Mehrheit. Innenministerin Finke (CDU) verwies ihrerseits auf ein Nettopotenzial von rund 2.000 Hektar fĂŒr Gewerbe- und Industrieansiedlungen in den kommenden Jahren und kĂŒndigte an, bestehende Vorgaben lockern zu wollen.
