BauCode, NRW

BauCode NRW ab 1. September: 90% weniger Vorschriften, 20% Kostenersparnis

Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue FachbĂŒcher, digitale Behördenprojekte und KI-Anwendungen prĂ€gen die Justizmodernisierung, wĂ€hrend steigende Fallzahlen Gerichte zusĂ€tzlich fordern.

Digitalisierung der Justiz: Neue BĂŒcher, Projekte und KI-Lösungen
Stapel juristischer FachbĂŒcher auf einem Schreibtisch vor einem unscharfen Hintergrund moderner Gerichtsarchitektur. Illustration mit AI erstellt.

Im August und September 2026 erfÀhrt die Debatte um die Digitalisierung der Ziviljustiz und die moderne Streitbeilegung einen deutlichen Schub durch eine Reihe gewichtiger Fachpublikationen.

Mehrere Verlage bringen in diesen Wochen Werke auf den Markt, die sich intensiv mit dem digitalen Zugang zum Recht und den prozessualen Rahmenbedingungen befassen. Gleichzeitig zeigen Entwicklungen in der Gerichtspraxis und internationale Pilotprojekte die drÀngende Relevanz technischer Lösungen auf.

Umfangreiche Literaturwelle zur Justizmodernisierung

Der Nomos-Verlag veröffentlicht im August 2026 im Rahmen der Reihe „Streitbeilegung und Streitvermeidung im Zivilrecht“ des Munich Center for Dispute Resolution das Werk „Digitaler Zugang zur Ziviljustiz“.

Das Buch mit der ISBN 978-3-7560-4347-7 umfasst etwa 320 Seiten und wird zu einem Preis von circa 132 CHF angeboten. Parallel dazu erscheint in derselben Reihe als Band 33 die Untersuchung „Strategische Verhinderung von PrĂ€judizien“. Das rund 370 Seiten starke Werk (ISBN 978-3-7560-4302-6) kostet etwa 127 CHF.

Einen rechtsvergleichenden Ansatz verfolgt der Tagungsband „La justice civile: Etat des lieux et prospective“, der ebenfalls im August erscheint. In der ersten Auflage vergleichen die Autoren auf 296 Seiten die Ziviljustizsysteme in Deutschland und Frankreich. Die Publikation ist als Open Access sowie in gedruckter Form fĂŒr 127.00 CHF erhĂ€ltlich.

FĂŒr die juristische Praxis von besonderer Bedeutung ist die fĂŒr den 30. September 2026 angekĂŒndigte 18. Auflage des ZPO-Kommentars von PrĂŒtting und Gehrlein. Das 4000 Seiten umfassende Standardwerk fĂŒr 168 CHF berĂŒcksichtigt GesetzgebungsstĂ€nde bis Juli 2026. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Regelungen zu Online-Verfahren in der Zivilgerichtsbarkeit, deren stufenweises Inkrafttreten fĂŒr Dezember 2025 sowie Januar 2026 und Januar 2036 vorgesehen ist.

Praktische HĂŒrden und steigende Fallzahlen in der Sozialgerichtsbarkeit

WĂ€hrend die Theorie den Rahmen steckt, steht die Praxis vor massiven Herausforderungen. Das Hamburger Sozialgericht meldete fĂŒr das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Verfahrenszahlen auf 7.040 FĂ€lle, was einem Zuwachs von 1.900 Verfahren gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum (5.172 FĂ€lle) entspricht.

Besonders deutlich fiel das Plus bei den Eilverfahren mit 70 Prozent aus. GerichtsprĂ€sident Kuhl-Dominik wies in diesem Zusammenhang auf ein neues Problem hin: Durch KĂŒnstliche Intelligenz (KI) erstellte SchriftsĂ€tze enthielten vermehrt erfundene Urteile, was die PrĂŒfung durch das Gericht erschwere und die Verfahrensdauer unnötig verlĂ€ngere.

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Dass die Digitalisierung auch die Personalpolitik erreicht, zeigt die Bundesvereinigung der Deutschen ArbeitgeberverbĂ€nde (BDA). Die Organisation sucht derzeit fĂŒr ihren Standort in Berlin einen Referenten als Juristen fĂŒr Digitalisierung und KI in Vollzeit.

Verwaltungsreformen und internationale Digitalisierungsschritte

Auch abseits der GerichtssĂ€le schreitet die Digitalisierung voran. In Nordrhein-Westfalen tritt am 1. September 2026 der „BauCode NRW“ in Kraft. Die Reform streicht 90 Prozent der bisherigen DIN-Vorschriften und etabliert digitale BauantrĂ€ge als Standard. Durch den Wegfall der doppelten GebĂ€udeeinmessung sollen die Kosten um 20 Prozent sinken. Zudem sieht die Neuregelung eine Genehmigungsfiktion bei FristĂŒberschreitungen vor.

In Mannheim startete am 29. August 2026 das Pilotprojekt „G24 – Gemeinsam Schneller GrĂŒnden“. Über ein digitales Portal sollen Einzelunternehmer eine FirmengrĂŒndung innerhalb von 24 Stunden abschließen können. Das Projekt ist Teil einer bundesweiten Initiative mit insgesamt zehn Pilotkommunen.

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International setzt die TĂŒrkei auf digitale Justiz-Services. Zum 1. September 2026 startet die Hotline „Alo Adalet 135“ in Ankara Bat?, ?zmir und Kayseri. Der Dienst richtet sich an Beteiligte von Klageverfahren, die lĂ€nger als fĂŒnf Jahre dauern, sowie an Ermittlungsverfahren mit einer Dauer von ĂŒber drei Jahren. Das System nutzt KI-gestĂŒtzte Sprachassistenten und informiert per SMS.

Technologische Lösungen fĂŒr den Rechts- und Versicherungsmarkt

ErgĂ€nzt wird das Angebot durch spezialisierte Softwarelösungen. Das Unternehmen LOCAL PRO stellte am 30. August 2026 eine White-Label-App fĂŒr Kfz-Gutachter vor. Die Software ermöglicht eine digitale Schadenaufnahme inklusive einer ersten KI-EinschĂ€tzung und die Generierung rechtssicherer Mandate. Das SaaS-Modell wird ab 99 Euro pro Monat angeboten.

Begleitet werden diese Marktentwicklungen durch aktuelle Kommentierungen zum Wettbewerbsrecht. Am 31. August 2026 erscheint die 4. Auflage des UWG-Kommentars (Heymanns, 3184 Seiten, 287.00 CHF), die unter anderem die EU-Richtlinie 2024/825 zur StĂ€rkung der Verbraucher fĂŒr den ökologischen Wandel (EmpCo) sowie das GeschĂ€ftsgeheimnisgesetz einbezieht.

Zudem analysiert Mert Kilic in seiner im August erschienenen Untersuchung „Der algorithmische Handel“ (Mohr Siebeck, ca. 523 Seiten, ca. 138 CHF) die Regulierung hochfrequenter Handelssysteme im Vergleich zwischen Deutschland und den USA.

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