Baurecht, NRW

Baurecht NRW: 92% der Vergaben ohne Ausschreibung möglich

05.06.2026 - 01:39:57 | boerse-global.de

Die VOB feiert 100-jähriges Bestehen. Bauverbände fordern Preisgleitklauseln und kritisieren das neue NRW-Vergaberecht.

100 Jahre VOB: Jubiläum und neue Herausforderungen für die Baubranche
Baurecht - Eine detaillierte Nahaufnahme eines Bauplans oder einer architektonischen Zeichnung mit einem alten FĂĽllfederhalter darauf. 05.06.2026 - Bild: ĂĽber boerse-global.de

Mai 2026 ihren 100. Geburtstag. Seit 1926 regelt sie die Vergabe und AusfĂĽhrung von Bauleistungen in Deutschland.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), nannte das Regelwerk anlässlich des Jubiläums das „Grundgesetz der Baubranche“. Die VOB schaffe seit einem Jahrhundert einheitliche Standards und sichere faire Chancen – besonders für mittelständische Betriebe.

Kooperation als Erfolgsrezept

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Die VOB entsteht nicht im stillen Kämmerlein. Vertreter der öffentlichen Hand – Bund, Länder und Kommunen – erarbeiten sie gemeinsam mit der Bauwirtschaft. Dieser kooperative Ansatz zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern zielt auf einen fairen Interessenausgleich ab.

In der Branche gilt die VOB zudem als Bollwerk gegen Korruption. Transparente Vergabeverfahren schaffen einen verlässlichen Wettbewerbsrahmen. Die Bauverbände betonten: Dieses bewährte System müsse auch künftig sorgfältig weiterentwickelt werden.

Neue Regeln für Verträge und Vergaben

Parallel zum Jubiläum gab es konkrete Anpassungen. In einer aktualisierten Fassung des ZDB-Nachunternehmervertrages BAU vom April 2026 wurden wichtige Änderungen vorgenommen. Die Berechnungsgrundlage für Vertragsstrafen wurde von der Auftragssumme auf die Abrechnungssumme umgestellt, der Satz sank von 0,3 Prozent.

Gleichzeitig stellt das neue Vergaberecht in Nordrhein-Westfalen die Branche vor Herausforderungen. Seit Anfang 2026 können Kommunen dort Bauaufträge bis 5,4 Millionen Euro per Direktauftrag vergeben – das betrifft rund 92 Prozent aller Vergaben im Bundesland. Handwerksorganisationen warnen: Der Wegfall der verpflichtenden Vergabe in Fach- und Teillosen benachteilige kleine Betriebe.

Bauverbände fordern Preisstabilität

Angesichts volatiler Märkte drängen die Verbände auf zusätzliche Absicherungen. In einem Schreiben an die Bundespolitik forderten ZDB und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) die rückwirkende Einführung von Preisgleitklauseln für Diesel und Bitumen zum 1. März 2026. Die Schwankungen bei Energie- und Materialpreisen gefährden die Planungssicherheit. Zudem regten die Verbände an, bitumenfähiges Rohöl als kritischen Rohstoff einzustufen.

Das Baugewerbe begrüßte außerdem die Eckpunkte zum sogenannten Gebäudetyp E. Dieser soll kostengünstigeres Bauen ermöglichen – durch Abweichungen von technisch anspruchsvollen, aber rechtlich nicht zwingenden Standards. Pakleppa betonte: Eine zivilrechtliche Verankerung des Modells schaffe dringend nötige Rechtssicherheit.

Mängel bei der Gebäudesicherheit

Trotz der stabilen Basis durch die VOB zeigt der TÜV-Baurechtsreport 2026 eine besorgniserregende Entwicklung. 35,9 Prozent der geprüften sicherheits- und brandschutzrelevanten Anlagen wiesen wesentliche Mängel auf – ein Anstieg um 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders betroffen sind Lüftungs- und Feuerlöschanlagen. Der TÜV-Verband führt die Verschlechterung auf Kostendruck, Fachkräftemangel und zunehmende technische Komplexität zurück.

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Kreislaufwirtschaft: 260 Millionen Euro bis 2029

Die Bundesregierung setzt neue Impulse im Bereich Nachhaltigkeit. Ein Aktionsprogramm zur Kreislaufwirtschaft sieht bis 2029 Mittel in Höhe von 260 Millionen Euro vor. Ziele sind die Stärkung von Reparatur und Recycling sowie eine Nachbesserung der Ersatzbaustoffverordnung.

Bundesbauministerin Verena Hubertz betonte: Gebäude müssten künftig verstärkt als Rohstofflager betrachtet werden. Aus dem Baugewerbe kam jedoch Kritik: Sekundärbaustoffe blieben rechtlich oft bis zum Zeitpunkt ihres Einbaus als Abfall eingestuft – das erschwere deren Einsatz erheblich.

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