EU-Emissionshandel, CO2-Bepreisung

BDI verteidigt EU-Emissionshandel vor Gipfel am Donnerstag

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:09 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Vor dem EuropÀischen Rat verteidigt der BDI den europÀischen Emissionshandel gegen Forderungen nach einer zeitweisen Aussetzung. Die Industrie verlangt zugleich zusÀtzliche Instrumente, damit Unternehmen den klimaneutralen Umbau finanzieren können.

BDI bekennt sich vor EU-Gipfel zum Emissionshandel
Industrieanlage (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Industrie fordert Ausgleich beim CO2-Preis

  • BDI-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Tanja Gönner bekrĂ€ftigte vor dem EU-Gipfel das Bekenntnis der deutschen Industrie zu Klimazielen und Emissionshandel.
  • Italien und Tschechien brachten in einem gemeinsamen Brief eine zeitweise Aufhebung der CO2-Bepreisung ins Spiel.
  • Gönner warnte, eine Abschaffung des CO2-Preises wĂŒrde vor allem Unternehmen helfen, die den klimaneutralen Umbau bislang nicht vollziehen.
  • Bei der Reform sollen WettbewerbsfĂ€higkeit und weitere CO2-Reduktionen miteinander verbunden werden.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stellt sich vor dem am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel gegen eine Aussetzung der CO2-Bepreisung. HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Tanja Gönner sagte der „Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung“, die deutsche Industrie stehe zu den Klimazielen und zum europĂ€ischen Emissionshandel.

Italien und Tschechien fordern Entlastung

Italien und Tschechien haben vor dem EuropĂ€ischen Rat eine zeitweise Aufhebung der CO2-Bepreisung vorgeschlagen. In einem gemeinsamen Brief erklĂ€rten die Regierungschefs Giorgia Meloni und Andrej Babis, eine vorĂŒbergehende Aussetzung könne die europĂ€ische Industrie unmittelbar von CO2-Kosten entlasten.

Gönner wies Forderungen nach einer Abschaffung des CO2-Preises zurĂŒck. Solche Rufe bedienten ausschließlich diejenigen, die keine Transformation wollten, sagte sie.

BDI sieht Emissionshandel als zentrales Instrument

Nach EinschĂ€tzung der BDI-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin ist der Emissionshandel das wichtigste marktwirtschaftliche Instrument im Kampf gegen die ErderwĂ€rmung. Er habe bereits viele Unternehmen dazu gebracht, ihre Produktion klimaneutral umzustellen.

Der mit Abstand grĂ¶ĂŸte Teil der Unternehmen stehe hinter den Vorreitern und halte sinkende Treibhausgasemissionen fĂŒr unabdingbar. Eine kleiner werdende dritte Gruppe könne oder wolle den Umstieg auf klimaneutrale Produktion bislang nicht vollziehen und wĂŒrde von einer Aufhebung des CO2-Preises profitieren.

Reform soll Industrie unterschiedlich unterstĂŒtzen

Neben dem EU-Haushalt fĂŒr die kommenden Jahre steht eine Reform des Emissionshandels auf der Tagesordnung des Gipfels. Nach Gönners Darstellung muss sie der breiten Masse der Unternehmen die Transformation ermöglichen.

Gleichzeitig dĂŒrften Unternehmen, die bereits große Fortschritte gemacht haben, nicht benachteiligt werden. WettbewerbsfĂ€higkeit und CO2-Reduktion mĂŒssten ausbalanciert werden. Der CO2-Preis spiele dabei eine tragende Rolle, ergĂ€nzende Instrumente seien jedoch notwendig.

Konflikt zwischen Klimaschutz und WettbewerbsfÀhigkeit

Der Streit ĂŒber den europĂ€ischen Emissionshandel berĂŒhrt zwei Ziele, die in der EU-Industriepolitik eng miteinander verbunden sind: Unternehmen sollen ihre Treibhausgasemissionen senken, zugleich aber international wettbewerbsfĂ€hig bleiben. Der CO2-Preis verteuert emissionsintensive Produktion und schafft damit einen wirtschaftlichen Anreiz fĂŒr Investitionen in klimafreundliche Verfahren.

Eine zeitweise Aussetzung wĂŒrde Firmen kurzfristig entlasten, könnte jedoch den Druck auf Unternehmen verringern, in emissionsarme Technologien zu investieren. Besonders betroffen wĂ€ren Branchen mit hohem Energieverbrauch und starkem internationalem Wettbewerb. FĂŒr diese Unternehmen stehen neben dem CO2-Preis auch Strom-, Gas- und Rohstoffkosten sowie die Nachfrage nach klimafreundlichen Produkten im Mittelpunkt.

Reform vor dem EuropÀischen Rat

Die anstehende Reform muss deshalb mehrere Interessen ausgleichen. Unternehmen, die bereits in klimaneutrale Anlagen investiert haben, benötigen verlÀssliche Regeln, damit ihre Vorleistungen nicht an Wert verlieren. Andere Betriebe brauchen Zugang zu bezahlbarer Energie, Infrastruktur, Förderung und Technologien, um den Umstieg bewÀltigen zu können.

FĂŒr die politische Debatte bedeutet das: Der Emissionshandel bleibt ein zentrales Steuerungsinstrument, reicht allein aber nicht aus. Entscheidend wird sein, ob die EU zusĂ€tzliche Entlastungen und Investitionshilfen so gestaltet, dass sie den Umbau beschleunigen, ohne den CO2-Preis grundsĂ€tzlich auszuhöhlen. Das Ergebnis des Gipfels kann damit die Planungssicherheit der Industrie und die GlaubwĂŒrdigkeit der europĂ€ischen Klimapolitik beeinflussen.

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