Befristung, Bundesregierung

Befristung: Bundesregierung plant Verdoppelung auf 48 Monate

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 19:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Bundesregierung will die sachgrundlose Befristung auf 48 Monate ausweiten. Arbeitgeber begrüßen die Pläne, Gewerkschaften und Experten üben scharfe Kritik.

Befristungsreform 2026: Regierung plant Verdopplung auf 48 Monate
Ein Personaler führt ein professionelles Gespräch mit einem jungen Bewerber in einem hellen, modernen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat am 13. August 2026 eine rasche Beseitigung von Einstellungsbremsen und deutliche Erleichterungen bei der Gestaltung befristeter Arbeitsverhältnisse angemahnt.

Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter betonte in diesem Zusammenhang, dass Befristungen kein Massenphänomen darstellten. Vielmehr handele es sich um ein wesentliches Instrument, um Menschen erfolgreich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Regierungspläne zur Ausweitung der Befristungsdauer

Die Forderungen der Arbeitgeberseite stoßen bei der Bundesregierung auf Resonanz. Wie am 13. August bekannt wurde, plant der Bund, den gesetzlichen Rahmen für die sachgrundlose Befristung erheblich zu erweitern. Demnach soll die zulässige Dauer für solche Verträge auf 48 Monate verdoppelt werden. Zudem ist vorgesehen, bis zum Ende des Jahres 2030 bis zu sechs Verlängerungen innerhalb dieses Zeitraums zu ermöglichen.

Ein zentraler Aspekt der geplanten Reform ist der Abbau bürokratischer Hürden. Die Bundesregierung strebt an, die Rückkehr zu einem früheren Arbeitgeber zu erleichtern. In diesem Zuge soll ein aus Sicht der Reformer rückständiges Beschäftigungsverbot abgeschafft werden, um die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Statistische Entwicklung befristeter Beschäftigungsverhältnisse

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) aus dem Mikrozensus 2025 verdeutlichen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Im vergangenen Jahr waren rund 2,2 Millionen Menschen befristet beschäftigt, was einer Quote von 6,0 Prozent der Kernerwerbstätigen entspricht. Damit setzte sich ein rückläufiger Trend fort; im Jahr 2015 hatte dieser Anteil noch bei 7,0 Prozent gelegen.

Besonders junge Arbeitnehmer sind von Befristungen betroffen. Laut den Statistikern waren 18,3 Prozent der 15- bis 25-Jährigen in einem zeitlich begrenzten Arbeitsverhältnis tätig.

In der Altersgruppe der 25- bis 35-Jährigen sank dieser Wert auf 10,2 Prozent. Bei der Geschlechterverteilung zeigten sich geringe Unterschiede: Während 6,2 Prozent der Frauen befristet angestellt waren, lag der Anteil bei den Männern bei 5,7 Prozent.

Die Daten offenbaren zudem, dass die Befristung in den seltensten Fällen eine bewusste Entscheidung der Arbeitnehmer ist. Nur 2,7 Prozent der Betroffenen gaben an, dieses Modell freiwillig gewählt zu haben. Mehr als die Hälfte aller Befristungen (52,4 Prozent) wies eine Laufzeit von unter einem Jahr auf.

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Branchenspezifische Unterschiede und Qualifikationsniveau

Die Wahrscheinlichkeit einer Befristung hängt stark von der Branche und der Qualifikation ab. Den höchsten Anteil verzeichnete der Bildungssektor mit 11,2 Prozent, gefolgt vom Gastgewerbe mit 8,8 Prozent. Im Baugewerbe sowie im Finanzsektor lag die Quote hingegen bei jeweils lediglich 2,5 Prozent.

In Bezug auf die Qualifikation zeigt sich, dass Erwerbstätige ohne Berufsabschluss mit 11,6 Prozent am häufigsten befristet angestellt sind. Bei Hochqualifizierten liegt der Wert bei 6,4 Prozent, während Personen mit mittlerer Qualifikation mit 4,0 Prozent die niedrigste Quote aufweisen.

Insgesamt zählten im Jahr 2025 rund 6,4 Millionen Menschen zur Gruppe der atypisch Beschäftigten (17,2 Prozent). Dieser Wert ist im Vergleich zu 2015 (20,8 Prozent) deutlich gesunken.

Zu dieser Gruppe gehören neben Befristeten auch Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Wochenstunden (10,9 Prozent), Minijobber (4,1 Prozent) sowie Leiharbeitnehmer (2,0 Prozent).

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Gewerkschaften und Experten äußern scharfe Kritik

Die Pläne der Bundesregierung stießen am 13. August auf heftigen Widerstand seitens der Arbeitnehmervertreter. Stefan Körzell, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), bezeichnete die statistischen Zahlen als alarmierend. Der DGB lehnt die geplanten Erleichterungen entschieden ab und fordert stattdessen die ersatzlose Streichung der sachgrundlosen Befristung.

Körzell argumentierte, dass solche Arbeitsverhältnisse zu massiver Unsicherheit führten und die Lebensplanung, etwa bei der Wohnungssuche oder der Familiengründung, erheblich erschwerten. Auch der Sozialverband Deutschland (SoVD) schloss sich der Forderung nach einer Abschaffung der sachgrundlosen Befristung an.

Kritik kam zudem aus der Wissenschaft. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wertete die erleichterte Befristung zwar als gezieltes Mittel für den Arbeitsmarkt, kritisierte jedoch die geplante Anzahl von sechs möglichen Verlängerungen als unnötig.

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