Behindertengleichstellungsgesetz, SachverstÀndige

Behindertengleichstellungsgesetz: SachverstÀndige kritisieren schwache Regelungen

24.06.2026 - 00:48:19 | boerse-global.de

SachverstÀndige kritisieren schwache Durchsetzungsmechanismen und lange Fristen im Gesetzesentwurf zur Barrierefreiheit.

Behindertengleichstellung: Novelle löst heftige Kontroversen aus
Behindertengleichstellungsgesetz - Menschen mit Behinderungen und ihre FĂŒrsprecher demonstrieren vor dem ReichstagsgebĂ€ude in Berlin, halten Schilder. 24.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Bei einer Anhörung im Bundestag am 22. und 23. Juni 2026 ĂŒbten SachverstĂ€ndige und VerbĂ€nde deutliche Kritik am vorliegenden Entwurf. Parallel dazu verunsichern Berichte ĂŒber mögliche KĂŒrzungen in der Eingliederungshilfe und beim Wohngeld die Betroffenen.

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„Hinter den Anforderungen der UN-Konvention zurĂŒck“

Der Deutsche Behindertenrat (DBR) und der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bemĂ€ngeln, dass die geplanten Regelungen nicht ausreichen. Besonders die langen Fristen fĂŒr die Barrierefreiheit von BundesgebĂ€uden bis 2045 stoßen auf UnverstĂ€ndnis.

Kritik gibt es auch an den schwachen Durchsetzungsmechanismen. Private Anbieter sollen zwar zu „angemessenen Vorkehrungen“ verpflichtet werden, die Vorlage sieht aber Ausnahmeregelungen bei unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸiger Belastung vor. Die VerbĂ€nde befĂŒrchten, dass selbst einfache Maßnahmen wie mobile Rampen so umgangen werden könnten. Bereits bei der ersten Lesung des Entwurfs am 7. Mai hatten Opposition und Teile der Koalition auf schwammige Formulierungen hingewiesen.

Wirtschaft warnt vor zu niedrigen KostenschÀtzungen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlĂ€gt in eine andere Richtung Alarm. Die SchĂ€tzung der Bundesregierung, wonach die Kosten fĂŒr die gesamte Wirtschaft lediglich 1,35 Millionen Euro jĂ€hrlich betragen, bezeichnet der Verband als unrealistisch niedrig. In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen mit Behinderungen, fĂŒr die das Gesetz die Teilhabe verbessern soll.

Eingliederungshilfe: SoVD warnt vor KĂŒrzungen

ZusĂ€tzlich zur Debatte um die Barrierefreiheit sorgt ein möglicher Einschnitt bei der Eingliederungshilfe fĂŒr Unruhe. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) warnte am 23. Juni vor PlĂ€nen, die Leistungen fĂŒr rund eine Million betroffene Menschen einzuschrĂ€nken.

SoVD-Vorstandsvorsitzende Engelmeier betonte, Teilhabe sei ein Grundrecht. Sie fordert BĂŒrokratieabbau statt KĂŒrzungen. Der Verband unterstĂŒtzt eine Petition der Lebenshilfe vom 14. April. Das Bundesministerium fĂŒr Arbeit und Soziales (BMAS) erklĂ€rte, der Schutz der Teilhabe bleibe gewahrt. Ein Dialogprozess zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe laufe bereits seit September 2025.

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Hintergrund der Diskussionen: die finanzielle Belastung der Kommunen. Die LandschaftsverbĂ€nde Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) berichteten am 22. Juni, dass sich die Ausgaben fĂŒr die Eingliederungshilfe seit 2012 mehr als verdoppelt hĂ€tten. Einzelne Kreise verzeichneten zuletzt Kostensteigerungen von 25 Millionen Euro (2020) auf ĂŒber 40 Millionen Euro (2025).

SparplÀne treffen Kinder- und Jugendhilfe sowie Wohngeld

Die angespannte Haushaltslage fĂŒhrt auch in anderen sozialen Bereichen zu Konflikten. In Berlin protestierten FachkrĂ€fte und Betroffene am 23. Juni gegen potenzielle KĂŒrzungen in der Kinder- und Jugendhilfe. Ein bekannt gewordenes Papier enthĂ€lt ĂŒber 70 VorschlĂ€ge zur Kostensenkung, die unter anderem die Schulassistenz und Integrationshilfe betreffen. Die Ausgaben in diesem Bereich lagen 2024 bei rund 79 Milliarden Euro.

Parallel dazu werden PlĂ€ne fĂŒr massive Einsparungen beim Wohngeld diskutiert. Vorgesehen ist eine Reduzierung des Budgets um 2 Milliarden Euro auf jĂ€hrlich 3 Milliarden Euro. Die Folge: rund 400.000 Haushalte – etwa ein Drittel der bisherigen EmpfĂ€nger – könnten ihren Anspruch verlieren. Betroffen wĂ€ren ĂŒberwiegend Rentner (52 Prozent) und Familien (44 Prozent).

Förderschulverordnung im Saarland sorgt fĂŒr Ärger

Im Saarland sorgt zudem eine neue Förderschulverordnung fĂŒr Unmut, die im August 2026 in Kraft treten soll. Der Verein „Miteinander Leben Lernen“ (MLL) kritisierte die Regelung als RĂŒckschritt fĂŒr die schulische Inklusion. LehrerverbĂ€nde begrĂŒĂŸten dagegen die damit verbundene organisatorische FlexibilitĂ€t.

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