Behördenabbau: ver.di fordert Stopp von acht Prozent KĂŒrzungen
13.06.2026 - 10:11:47 | boerse-global.de
di hat am Freitag eine Petition gegen die geplanten KĂŒrzungen im Bundesfamilienministerium vorgelegt. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren die SparplĂ€ne der Bundesregierung, die einen Abbau von acht Prozent der Stellen in Bundesbehörden vorsehen.
Die Petition fordert einen sofortigen Stopp der Streichungen und eine langfristig gesicherte Finanzierung staatlicher Aufgaben. Nach Ansicht der Betriebsgruppe gefÀhrden die personellen Einschnitte die FunktionsfÀhigkeit der Behörden.
Die Initiative ist Teil eines breiteren Widerstands gegen die Haushaltspolitik. Auch ver.di-Chef Frank Werneke warnte nach einem Treffen mit Koalitionsvertretern im Kanzleramt vor KĂŒrzungen in den Sozialsystemen. Die GesprĂ€che seien zwar konstruktiv gewesen, Reformen dĂŒrften aber nicht zu einem sozialen Kahlschlag fĂŒhren.
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Merz verteidigt Reformkurs
Parallel zu den Protesten verteidigte Bundeskanzler Friedrich Merz am Donnerstag in einer RegierungserklĂ€rung den Reformkurs der Koalition. Er rief zu mehr VerĂ€nderungsbereitschaft auf, um geplante Pakete in den Bereichen Arbeitsmarkt, BĂŒrokratieabbau und Einkommensteuer bis zur Sommerpause Mitte Juli fertigzustellen. Ein entscheidendes Treffen der Koalitionsspitzen ist fĂŒr den 1. Juli geplant.
Aus der Opposition und von SozialverbĂ€nden kommt deutlicher Widerstand. WĂ€hrend Vertreter von GrĂŒnen, Linken und AfD der Regierung UntĂ€tigkeit oder soziale Ungerechtigkeit vorwerfen, konkretisieren sich die SparplĂ€ne in anderen Ressorts.
Gesundheitsministerin Warken stellte am Freitag das sogenannte Beitragssatzstabilisierungsgesetz im Bundestag vor. Das Ministerium prognostiziert fĂŒr 2027 ein Defizit von 19 Milliarden Euro in der gesetzlichen Krankenversicherung, das bis 2030 auf 44 Milliarden Euro anwachsen könnte. Das Gesetz sieht höhere Zuzahlungen und Einschnitte bei der beitragsfreien Mitversicherung vor.
Kommunen unter Druck
ZusĂ€tzliche Spannungen ergeben sich aus der finanziellen Lage der Kommunen. ver.di-Vize Christine Behle kritisierte das geplante LĂ€nder- und Kommunalentlastungsgesetz als unzureichend. Der Entwurf sieht jĂ€hrliche Hilfen von einer Milliarde Euro ĂŒber vier Jahre vor â bei einem Gesamtdefizit der Kommunen von 32 Milliarden Euro aus dem vergangenen Jahr. Behle fordert zur Gegenfinanzierung die WiedereinfĂŒhrung der Vermögenssteuer.
Auch bei der sozialen Teilhabe wĂ€chst der Druck. Eine Petition der Bundesvereinigung Lebenshilfe gegen drohende KĂŒrzungen bei der Eingliederungshilfe verzeichnete bis Freitag mehr als 180.000 Unterschriften. Bundesvorsitzende Ulla Schmidt bezeichnete die SparplĂ€ne bei einer Anhörung im Petitionsausschuss als Angriff auf die Grundwerte des Sozialstaats. Rund eine Million Menschen in Deutschland sind auf diese Leistungen angewiesen.
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Schweiz baut bereits Stellen ab
WĂ€hrend in Deutschland noch diskutiert wird, hat das Schweizer Staatssekretariat fĂŒr Migration bereits Fakten geschaffen. Die Behörde kĂŒndigte am 8. Juni den Abbau von 108 Stellen an â eine Reduktion um sechs Prozent auf rund 1280 Vollzeitstellen. Hintergrund sind rĂŒcklĂ€ufige Asylgesuche. Bereits Anfang 2026 waren beim SEM 83 Stellen gestrichen worden. Die KĂŒndigungen fĂŒr Festangestellte sollen Anfang 2027 wirksam werden.
In Deutschland bleibt die Lage angespannt. Neben den Behörden sind auch andere öffentliche Bereiche von Tarifauseinandersetzungen betroffen. ver.di setzte am Donnerstag die Verhandlungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk fort, weitere Termine fĂŒr NDR und BR wurden anberaumt. Streiks werden nicht ausgeschlossen, da die bisherigen Angebote laut Gewerkschaft unter den anerkannten Personalkostensteigerungen liegen.
