Berlin, Bestandsmieten

Berlin: Bestandsmieten steigen um 10,2 Prozent, Vergesellschaftung bleibt Thema

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 05:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Mietdaten zeigen weitere Preiszuwächse in Berlin; Kosten, Finanzierung und rechtliche Umsetzbarkeit der Vergesellschaftungspläne sind umstritten.
Fassade eines Berliner Wohnblocks an einem bewölkten Tag, die die hohe Dichte an Wohnraum verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt verschärft sich die Situation bei den Angebotsmieten weiter, während die politische Debatte über die Sozialisierung von rund 160.000 Wohnungen anhält. Mehrere aktuelle Erhebungen und Marktanalysen belegen den anhaltenden Preisauftrieb in der Bundeshauptstadt.

Nach Erhebungen des Greix durch Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft stiegen die Angebotsmieten in Berlin im dritten Quartal 2026 real um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorquarter. Bundesweit lag das Plus nominal bei 3,7 Prozent und real bei 0,7 Prozent.

Ergänzende Zahlen des Empirica-Regio-Index weisen für das dritte Quartal 2026 bei Berliner Neubaumieten einen Zuwachs von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal aus, während die Mieten für Bestandswohnungen um 10,2 Prozent anzogen.

Frühere Untersuchungen verdeutlichen den längerfristigen Trend: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) lagen die Berliner Mieten im vierten Quartal 2024 um 8,5 Prozent über dem Vorjahr, verglichen mit einem bundesweiten Zuwachs von 4,7 Prozent.

Historische Daten der Investitionsbank Berlin zeigen zudem, dass die Mieten in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg zwischen 1998 und 2006 um 25 Prozent stiegen, während die Durchschnittseinkommen lediglich um 11 Prozent zulegten.

Auch im öffentlichen Bestand zogen die Kosten zuletzt an: Bei den landeseigenen Wohnungsgesellschaften stiegen die Mieten Ende September 2026 in 90.000 Haushalten um 15 bis 30 Euro.

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Politische Pläne und Reaktionen aus Wirtschaft und Politik

Vor diesem Hintergrund sorgt das Sondierungspapier von SPD, Grünen und Linken in Berlin für Diskussionen. Es sieht die Vergesellschaftung von Beständen von Unternehmen mit mehr als 10.000 Wohnungen vor. Zugleich ist eine gesetzliche Mietobergrenze von 10 Euro pro Quadratmeter plus 10 Prozent vorgesehen, was einer Miete von 770 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung entspricht.

Zudem verspricht das Papier 100.000 neue Baugenehmigungen, die laut dem Dokument nur gemeinsam mit privaten Investoren realisierbar seien. Die im Papier kalkulierte Entschädigung für rund 160.000 Wohnungen beläuft sich auf rund 17 Milliarden Euro, wobei die rechtliche Durchsetzbarkeit offenbleibt.

Linken-Chefin Ines Schwerdtner bezifferte die Kosten für die Vergesellschaftung auf 16 Milliarden Euro beziehungsweise durchschnittlich 100.000 Euro je Wohnung. Die Finanzierung solle über Kredite erfolgen und über die Mieteinnahmen bedient werden, was bei vier Prozent Zinsen jährliche Raten von 640 Millionen Euro und bei fünf Prozent von 800 Millionen Euro bedeute.

Schwerdtner berief sich zudem auf Berechnungen der Hans-Böckler-Stiftung von Sebastian Dullien über 13,5 Milliarden Euro für 210.000 Wohnungen mit einer Tilgung über 40 Jahre, während eine Berechnung des Magazins Cicero davon ausgeht, dass die Nettokaltmiete von rund 8 auf 10,40 Euro pro Quadratmeter steigen müsste. Vonovia verlangt in Berlin nach eigenen Angaben durchschnittlich 8,20 Euro pro Quadratmeter mit einer Spanne von 7,40 bis 7,80 Euro.

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Kritik kommt aus der Wissenschaft und Verbänden. Professor Michael Voigtländer vom IW Köln warnte davor, dass die Vergesellschaftung mit einer auf maximal 16 Milliarden Euro gedeckelten Entschädigung den Markt jahrelang destabilisieren und den privaten Wohnungsbau ausbremsen könnte. Er verwies dabei auf das französische Verstaatlichungsexperiment der frühen 1980er Jahre, das mit höheren Finanzierungskosten und einer späteren Rückabwicklung endete.

Zudem gehörten die betroffenen Bestände von Vonovia nicht zu den teuersten Marktsegmenten. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) rechnete vor, dass 16 Milliarden Euro den Neubau von rund 78.000 Wohnungen finanzieren könnten. Der CDU-Wirtschaftsrat verwies darauf, dass diese Summe für etwa 51.000 konventionelle oder 68.000 vereinfacht gebaute Einheiten reiche.

Auf Bundesebene bereitet die Regierung ein Gesetz gegen Enteignungen vor, das letztlich vom Bundesverfassungsgericht geprüft werden dürfte. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Berliner Bündnis als Belastung für die Koalition im Bund, während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort sieht. DIW-Präsident Marcel Fratzscher stufte derartige Reaktionen hingegen als übertriebene Panikmache ein.

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