Halbleiterversorgung, Berlin

Mehr als 50 Prozent der Unternehmen sorgen sich um die Halbleiterversorgung der nÀchsten zwei Jahre

09.01.2025 - 14:30:00 | presseportal.de

Berlin - Die neue Studie des Capgemini Research Institute ĂŒber die Zukunft der Halbleiterindustrie, " The semiconductor industry in the AI era: innovating for tomorrow's demands", zeigt, dass die zunehmende Verbreitung von KI und generativer KI (Gen AI) die Nachfrage nach fortschrittlichen Halbleiterlösungen erheblich steigert. Geopolitische Spannungen, internationale HandelsbeschrĂ€nkungen und der Fokus auf technologische SouverĂ€nitĂ€t bereiten jedoch Sorge darĂŒber, ob die Halbleiterindustrie die Nachfrage befriedigen kann.

Mehr als 50 Prozent der Unternehmen sorgen sich um die Halbleiterversorgung der nÀchsten zwei Jahre - Foto: presseportal.de

Die Nachfrage nach KI-Chips, kundenspezifischen integrierten Schaltkreisen und speicherintensiven Bauelementen wird in den kommenden zwölf Monaten deutlich zunehmen. Um das Potenzial dieses Trends voll auszuschöpfen, sollte die Halbleiterindustrie gezielt in innovative DesignansÀtze, hochmoderne und nachhaltige Fertigungstechnologien sowie in eine stÀrkere lokale Beschaffung und Nearshoring investieren, um die LieferkettenstabilitÀt langfristig zu gewÀhrleisten.

Die EinfĂŒhrung von Gen AI und Technologien wie 5G, IoT, autonomes Fahren, AR/VR und Edge Computing treiben die Nachfrage nach leistungsfĂ€higeren, effizienteren und maßgeschneiderten Chips voran: Fast drei von fĂŒnf Halbleiterunternehmen geben an, dass Gen AI und Wireless-Technologien wie 5G ihre strategische Ausrichtung prĂ€gen.

Fortschritte in der Halbleitertechnologie treiben die Innovation in nachgelagerten Industrien und ermöglichen intelligentere und effiziente Produkte. Aufgrund der enormen strategischen Bedeutung von Halbleitern glauben weniger als drei von zehn Unternehmen, dass das Chipangebot ausreichend ist.

"Die Halbleiterindustrie steht vor großen Herausforderungen: Kunden verlangen personalisierte und intelligente Produkte. KI wird ein Bestandteil in nahezu allen GerĂ€ten werden. Dies erfordert auf breiter Basis leistungsfĂ€hige, effiziente und maßgeschneiderte Chips. Gleichzeitig steht die Halbleiterbranche unter hohem Innovations- und Kostendruck.", sagt Peter Fintl, Vice President Technology & Innovation bei Capgemini Engineering in Deutschland. "Die Industrie muss diesen Moment nutzen und in einem 'Chip-to-Industry'-Ansatz, welcher ein vollstĂ€ndiges, softwareorientiertes Leistungsspektrum unterstĂŒtzt, schneller und effizienter werden. Investitionen in hochmoderne Designprozesse und Fertigungsmethoden, die auf KI und Gen AI basieren, werden entscheidend sein, um die speziellen Anforderungen erfĂŒllen. Gleichzeitig ist es von essenzieller Bedeutung, Fertigungsprozesse noch nachhaltiger zu gestalten."

Gen AI treibt Nachfrage nach kundenspezifischen Chips

Der Studie zufolge gehen 39 Prozent der Halbleiterunternehmen davon aus, dass Gen AI die Nachfrage nach kundenspezifischen Chips in den nÀchsten zwei Jahren ankurbeln wird. Die meisten nachgelagerten Unternehmen (81 Prozent) erwarten, dass ihre Nachfrage allein in den nÀchsten zwölf Monaten um 21 Prozent steigen wird.

Viele Industrie und Tech-Player haben maßgeschneiderte Halbleiterlösungen auf ihre Entwicklungsagenda gesetzt. Dies minimiere die AbhĂ€ngigkeit von externen Anbietern und gewĂ€hrleistet die Kontrolle ĂŒber ihr geistiges Eigentum, wĂ€hrend es gleichzeitig handfeste Wettbewerbsvorteile in Sachen einzigartiger FunktionalitĂ€t, Entwicklungsgeschwindigkeit, Effizienz und KompatibilitĂ€t mit eigener Hard- und Software steigert.

Speziell leistungsintensive KI-Anwendungen verlangen nach neuartigen Chip-Technologien, um Performance, Effizienz und Kosten zu vereinen. Neuartige Chip-Architekturen, EUV-Lithografie (Extrem Ultraviolet), 3D-Packaging und die Verwendung von Chiplets[2] sind dabei die Mittel der Wahl. Der Studie zufolge rechnet die Branche mit einem Anstieg ihrer F&E-Budgets um rund 10 Prozent in den nÀchsten zwei Jahren. Fast die HÀlfte der Hersteller gibt ferner an, dass sie Prozesse mittels KI und maschinellem Lernen (ML) optimieren wollen.

Der zunehmende Einsatz von KI und Gen AI fĂŒhrt zu einem erhöhten Bedarf an spezialisierten neuronalen Recheneinheiten (NPUs) und Hochleistungs-Grafikprozessoren (GPUs), die die notwendige Rechnungsleistung stemmen und große DatensĂ€tze effizient verarbeiten können. Mehr als die HĂ€lfte der nachgelagerten Branchen (54 Prozent) glauben, dass Fortschritte bei der GPU-Berechnung und der Beschleunigung von KI/ML den grĂ¶ĂŸten Nutzen bringen können.

Unternehmen priorisieren Nachhaltigkeit, LieferkettenstabilitÀt und Sicherheit

Der Studie zufolge plant mehr als die HÀlfte der nachgelagerten Unternehmen, in den nÀchsten zwei Jahren die Nachhaltigkeit von Chips, die WiderstandsfÀhigkeit der Lieferkette und die Cybersicherheitsfunktionen zu priorisieren.

Nur zwei von fĂŒnf Halbleiterunternehmen sind von der StabilitĂ€t ihrer Lieferketten ĂŒberzeugt. Die Halbleiterindustrie erwartet, dass sie in den nĂ€chsten zwei Jahren ihren Inlandsbezug von derzeit 40 Prozent auf 47 Prozent erhöhen wird, um die mit der internationalen Logistik verbundenen Risiken zu mindern. Um die StabilitĂ€t zu erhöhen, rechnet die Branche außerdem mit einem Anstieg des Nearshorings um 4 Prozent. 74 Prozent der Halbleiterunternehmen erwarten eine Steigerung ihrer Investitionen in den USA, wĂ€hrend 59 Prozent ihre Investitionen in Europa erhöhen wollen.

Die Sicherheit von Chips bleibt ein kritischer Bereich in einer komplexen Lieferkette. Fast drei von fĂŒnf Halbleiterentwicklungsunternehmen betonen, dass sie sich auf den kryptografischen Schutz der Bauelemente konzentrieren.

Schließlich geben fast 60 Prozent der nachgelagerten Unternehmen an, dass die Nachhaltigkeit von Chips bei der Bauteilauswahl eine entscheidende Rolle spielen wird. Die Branche setzt daher auf umweltfreundliche Kerninitiativen: Energieeinsparung, Implementierung von Wasserrecycling- und Wiederverwendungssystemen, Verwendung umweltfreundlicherer Chemikalien und Minimierung von AbfĂ€llen.

Um die vollstÀndige Studie zu lesen: Link

Methodik

FĂŒr die Studie befragte das Capgemini Research Institute 250 FĂŒhrungskrĂ€fte auf Director-Ebene oder höher aus der Halbleiterindustrie [einschließlich Hersteller von integrierten Bauelementen, Fabless-Design-Firmen, Foundries, sog. OSAT-Unternehmen ("Outsourced Semiconductor Assembly and Test"), Unternehmen fĂŒr elektronische Design-Automatisierung (EDA), InvestitionsgĂŒterunternehmen sowie Material- und Subsystemunternehmen] in elf LĂ€ndern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa und Nordamerika. Diese Unternehmen haben jeweils einen Jahresumsatz von 500 Millionen US-Dollar und mehr. DarĂŒber hinaus befragte das Institut 800 FĂŒhrungskrĂ€fte auf Director-Ebene oder höher aus zehn nachgelagerten Branchen in zwölf LĂ€ndern im asiatisch-pazifischen Raum, in Europa und Nordamerika, die in den Bereichen Automobil, Unterhaltungselektronik, Einzelhandel, Telekommunikation, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung, Hightech-Software, Internet, Unternehmensrechenzentren, Netzwerke, medizinische GerĂ€te/Medizinelektronik, IndustrieausrĂŒstung, Finanzdienstleistungen und Energie tĂ€tig sind. Diese Unternehmen haben jeweils einen Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar und mehr. ErgĂ€nzend zu den Umfrageergebnissen wurden ausfĂŒhrliche GesprĂ€che mit zwölf FĂŒhrungskrĂ€ften aus der Halbleiterindustrie und nachgelagerten Branchen gefĂŒhrt. Die weltweiten Umfragen fanden im November 2024 statt.

Über Capgemini

Capgemini ist ein globaler Business- und Technologie-Transformationspartner fĂŒr Organisationen. Das Unternehmen unterstĂŒtzt diese bei ihrer dualen Transformation fĂŒr eine stĂ€rker digitale und nachhaltige Welt - stets auf greifbare Fortschritte fĂŒr die Gesellschaft bedacht. Capgemini ist eine verantwortungsbewusste, diverse Unternehmensgruppe mit einer ĂŒber 55-jĂ€hrigen Geschichte und 340.000 Mitarbeitenden in mehr als 50 LĂ€ndern. Kunden vertrauen auf Capgemini, um das Potenzial von Technologie fĂŒr die ganze Breite ihrer GeschĂ€ftsanforderungen zu erschließen. Capgemini entwickelt mit seiner starken Strategie, Design- und Engineering-Expertise umfassende Services und End-to-End-Lösungen. Dabei nutzt das Unternehmen seine fĂŒhrende Kompetenz in den Bereichen KI, Cloud und Daten sowie profunde Branchenexpertise und sein Partner-Ökosystem. Die Gruppe erzielte 2023 einen Umsatz von 22,5 Milliarden Euro.

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Über das Capgemini Research Institute

Das Capgemini Research Institute ist Capgeminis hauseigener Think-Tank in digitalen Angelegenheiten. Das Institut veröffentlicht Forschungsarbeiten ĂŒber den Einfluss digitaler Technologien auf große Unternehmen. Das Team greift dabei auf das weltweite Netzwerk von Capgemini-Experten zurĂŒck und arbeitet eng mit akademischen und technologischen Partnern zusammen. Das Institut hat Forschungszentren in Indien, Singapur, Großbritannien, und den USA.

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[1] Nachgelagerte Organisationen sind die Organisationen, die von der Halbleiterversorgung abhĂ€ngig sind. Zwar sind fast alle Branchen fĂŒr ihre Produkte oder Dienstleistungen und ihren Betrieb zu einem gewissen Grad auf Halbleiter angewiesen, der Umfang dieser Untersuchung bezieht sich aber auf die Bereiche Automobil, Unterhaltungselektronik, Einzelhandel, Telekommunikation, Luft- und Raumfahrt und Verteidigung, Hightech-Software, Internet, Unternehmensrechenzentren, Netzwerke, medizinische GerĂ€te/Medizinelektronik, IndustrieausrĂŒstung, Finanzdienstleistungen und Energie.

[2] Chiplets: EigenstÀndige Chipeinheiten, welche zu einem komplexen Gesamtsystem (System-on-a-chip) kombiniert werden.

Pressekontakt:

Konrad Horsch
Tel.: +49 151 544 767 85
E-Mail: konrad.horsch@capgemini.com

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