Berlin, Obdachlosenhilfe

Berlin zentralisiert Obdachlosenhilfe: Neues Amt übernimmt ab sofort

29.04.2026 - 16:11:54 | boerse-global.de

Berlin bündelt Unterbringung von Flüchtlingen und Wohnungslosen im neu strukturierten LFU mit digitalem Buchungssystem.

Berlin zentralisiert Obdachlosenhilfe: Neues Amt übernimmt ab sofort - Foto: über boerse-global.de
Berlin zentralisiert Obdachlosenhilfe: Neues Amt übernimmt ab sofort - Foto: über boerse-global.de

Das umstrukturierte Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten und Unterbringung (LFU) hat heute die operative Hoheit über die Vergabe von Schlafplätzen in Berlin übernommen. Zwei Wochen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes zur gesamtstädtischen Steuerung reagiert der Senat damit auf steigende Kosten und teils unwürdige Zustände in privaten Unterkünften.

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Kern der Reform: Ein digitales Buchungssystem und einheitliche Qualitätsstandards sollen die bisherige Zersplitterung der Zuständigkeiten beenden. Bislang waren die zwölf Berliner Bezirke dezentral für die Unterbringung zuständig.

Was sich konkret ändert

Das bisherige Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) wurde umbenannt und neu ausgerichtet. Es ist nun nicht mehr nur für geflüchtete Menschen zuständig, sondern auch für wohnungslose Personen ohne Fluchthintergrund.

Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe betont die Notwendigkeit eines Systemwechsels. Das Ziel: eine effizientere Nutzung der vorhandenen Ressourcen.

Digitale Buchung statt Telefonlisten

Bisher mussten Mitarbeitende in den sozialen Wohnhilfen händisch Telefonlisten abarbeiten, um freie Plätze zu finden. Das neue IT-System ermöglicht eine Echtzeit-Abfrage von Kapazitäten im gesamten Stadtgebiet.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Reinickendorf wird die Plattform nun schrittweise auf alle Bezirke ausgeweitet. Bis Jahresende sollen alle verfügbaren Unterbringungskapazitäten erfasst sein – inklusive Zimmerzuschnitt, sanitäre Ausstattung und Eignung für bestimmte Personengruppen.

Schluss mit „Geschäftemacherei“

Die finanziellen Dimensionen sind enorm: Jährlich gibt Berlin rund 365 Millionen Euro für die Unterbringung von Menschen ohne festen Wohnsitz aus. Die Kosten pro Person und Tag liegen im Schnitt bei 35 Euro, können aber deutlich höher sein.

Staatssekretär Aziz Bozkurt erklärt, dass die bisherige dezentrale Struktur privaten Anbietern ermöglicht habe, unterschiedliche Preise mit den Bezirken auszuhandeln. Mit der Bündelung des Vertragsmanagements im LFU habe das Land nun eine deutlich stärkere Verhandlungsposition.

Die Bezirke behalten zwar die ordnungsrechtliche Verantwortung für die Zuweisung. Sie werden aber von der administrativen Last der Akquise und Vertragsgestaltung entlastet. Das soll mehr Zeit für individuelle Beratung schaffen.

Steigende Fallzahlen als Dauerproblem

Über 47.000 Menschen leben in Berlin in Notunterbringungen, Wohnheimen oder Pensionen. Die Verweildauer in diesen Provisorien verlängert sich kontinuierlich – der Übergang in bezahlbaren Wohnraum bleibt blockiert.

Die Belegungszahlen in den landeseigenen Unterkünften liegen bei über 95 Prozent. Viele Menschen, die eigentlich Anspruch auf eine eigene Wohnung hätten, müssen aufgrund der Marktsituation weiterhin in Gemeinschaftsunterkünften bleiben.

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, setzt der Senat verstärkt auf „Housing First“. Dabei werden wohnungslose Menschen direkt in eigene Mietverhältnisse vermittelt, begleitet von sozialpädagogischer Betreuung. Sechs Projekte in Berlin bieten diesen Ansatz bereits an.

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Kritik von Fachverbänden

Die Reform erfolgt vor dem Hintergrund einer ambitionierten Zielsetzung: Berlin will Obdachlosigkeit bis 2030 vollständig überwinden. Fachverbände begleiten den Prozess kritisch.

Die Zentralisierung wird grundsätzlich begrüßt. Doch Experten mahnen, dass die reine Unterbringung nicht die notwendigen persönlichen Hilfen ersetzen dürfe. Wohlfahrtsverbände betonen: Die ordnungsrechtliche Unterbringung biete keine nachhaltige Lebensperspektive.

Die personelle Situation innerhalb der neu strukturierten Behörde gilt ebenfalls als sensibel. Das LFU hat in den vergangenen Jahren mehrere Leitungswechsel erlebt. Seit April 2025 führt Peer Junge die Behörde kommissarisch.

Was als Nächstes kommt

Die nächsten Monate werden zeigen, wie belastbar das neue IT-System unter Realbedingungen ist. Besonders der Übergang in die Sommermonate, wenn die temporären Kapazitäten der Kältehilfe wegfallen, wird das LFU fordern.

Ein wichtiger Termin: die 8. Berliner Strategiekonferenz zur Wohnungsnotfallhilfe am 10. Juni 2026 im Rathaus Schöneberg. Vertreter von Senat, Bezirken, Wohlfahrtsverbänden und Betroffeneninitiativen werden dort über den Aktionsplan zur Überwindung der Obdachlosigkeit beraten.

Zudem prüft der Senat verstärkt den Umbau von leerstehenden Büroflächen zu Wohnraum. Die landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen jährlich ein festes Kontingent an Wohnungen für das sogenannte Geschützte Marktsegment bereitstellen.

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