Vonovia, Berliner Wohnungskrise

Berliner Wohnungskrise: Vonovia-Chef Mucic lehnt Enteignung ab und setzt auf Neubau

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Wohnungskonzern Vonovia sieht sich im von hoher Nachfrage und steigenden Mieten geprägten Berliner Wohnungsmarkt als Teil der Lösung und verweist auf Neubau und energetische Modernisierung. Kurz vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus lehnt Vorstandschef Luka Mucic Forderungen nach Enteignung großer Wohnungsbestände klar ab und setzt auf bessere Rahmenbedingungen für Neubau.

  • In der Berliner Mietwohnungskrise sieht sich Vonovia laut Vorstandschef Mucic als Teil der Lösung.  - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    In der Berliner Mietwohnungskrise sieht sich Vonovia laut Vorstandschef Mucic als Teil der Lösung. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Vonovia hat in Berlin derzeit rund 1.000 neue Wohnungen in Bau. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Vonovia hat in Berlin derzeit rund 1.000 neue Wohnungen in Bau. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • Mucic geht davon aus, dass es eines Tages ein gesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände geben wird. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
    Mucic geht davon aus, dass es eines Tages ein gesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände geben wird. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
In der Berliner Mietwohnungskrise sieht sich Vonovia laut Vorstandschef Mucic als Teil der Lösung.  - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Vonovia hat in Berlin derzeit rund 1.000 neue Wohnungen in Bau. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa Mucic geht davon aus, dass es eines Tages ein gesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände geben wird. - Bild: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Der Wohnungskonzern Vonovia sieht sich bei der Bekämpfung der Wohnungsnot in Berlin in einer zentralen Rolle und will nach eigenen Angaben zur Entspannung des angespannten Marktes beitragen.

Vonovia verweist auf Neubau in der Hauptstadt

Vorstandschef Luka Mucic sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, das Unternehmen müsse und sei „Teil der Lösung“ im Ringen um bezahlbaren Wohnraum. Vonovia habe den Neubau deutlich ausgeweitet. Derzeit seien in Berlin rund 1.000 neue Wohneinheiten im Bau, seit 2013 seien 6.000 Wohnungen entstanden. Mucic räumte ein, dies sei in einer Stadt mit großer Nachfrage nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, betonte aber, es handle sich dennoch um einen relevanten Beitrag.

Wohnungsmarkt dominiert Berliner Wahlkampf

Am Sonntag wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus gewählt, der Wohnungsmarkt gehört zu den zentralen Themen des Wahlkampfs. Viele Menschen in der Hauptstadt kämpfen mit hohen Mieten und knappen Wohnungsangeboten. Vor diesem Hintergrund hebt Vonovia seine Bestandsmieten hervor. Ende Juni lag die Durchschnittsmiete im Bestand nach Unternehmensangaben bei 8,26 Euro je Quadratmeter, bei Neuvermietungen lag der Durchschnitt bei 10,80 Euro.

Vonovia sieht Grenzen des eigenen Einflusses

Mucic wies zugleich darauf hin, dass die Vonovia-Wohnungen in Berlin weniger als acht Prozent des gesamten Wohnungsbestands ausmachen. Damit könne der Konzern die Probleme nicht allein lösen. Zugleich gebe es die Notwendigkeit, Bestände fortzuentwickeln und insbesondere energetisch zu modernisieren. Eine bessere Wärmedämmung und ähnliche Maßnahmen sollen laut Vonovia dazu beitragen, Nebenkosten zu dämpfen.

Energetische Modernisierung als Unternehmensstrategie

Vonovia investiert nach Angaben des Vorstandschefs umfassend in die energetische Sanierung seiner Bestände. Serienhafte Verfahren und innovative Methoden sollen es ermöglichen, große Wohnungsbestände effizient zu modernisieren. Die Unternehmensgröße werde dabei zum Vorteil, weil sich technische und organisatorische Standards leichter auf viele Gebäude übertragen lassen. Das Unternehmen besitzt in Berlin gemeinsam mit der Tochtergesellschaft Deutsche Wohnen rund 130.000 Wohnungen und ist damit ein besonders gewichtiger Akteur am Berliner Wohnungsmarkt.

Debatte um Enteignung großer Wohnungsbestände

Die Wohnungspolitik in Berlin ist auch geprägt von der Diskussion über eine Enteignung großer Immobilienunternehmen. Die Berliner Linke fordert die Vergesellschaftung umfangreicher privater Wohnungsbestände. Mucic lehnt diesen Ansatz ab. Eine Vergesellschaftung bringe nach seiner Einschätzung keine Lösung, stattdessen müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die mehr Neubau ermöglichen.

Bundesregierung plant Enteignungsverbot für Mietwohnungen

Zuversichtlich zeigte sich der Vonovia-Chef mit Blick auf ein gesetzliches Enteignungsverbot für Mietwohnungsbestände, das Anfang Juli im Koalitionsausschuss des Bundes beschlossen wurde. Spitzenvertreter von CDU, CSU und SPD hatten sich darauf verständigt, die Enteignung großer Immobilienkonzerne auf Landesebene per Bundesgesetz zu unterbinden. Mucic betonte, der politische Wille für diesen Schritt sei klar dokumentiert. Wichtig sei nun eine handwerklich saubere Umsetzung, die rechtssichere Regelungen sicherstelle.

Wohnungskrise als zentrales Konfliktthema in Berlin

Die Aussagen von Luka Mucic fallen in eine Phase, in der die Wohnungskrise zu den dominierenden politischen Streitpunkten in Berlin gehört. Hohe Mieten, Wohnungsmangel und die Sorge vor Verdrängung prägen seit Jahren die Debatten in der Hauptstadt. Dass Vonovia kurz vor der Wahl des neuen Abgeordnetenhauses seine Rolle als „Teil der Lösung“ betont, spiegelt den Druck wider, unter dem große Immobilienkonzerne stehen. Sie besitzen einen relevanten Teil des Berliner Wohnungsbestands und geraten in Diskussionen über bezahlbaren Wohnraum und soziale Verantwortung regelmäßig in den Fokus.

Spannungsfeld zwischen Neubau, Modernisierung und Bezahlbarkeit

Mit Verweis auf Neubauprojekte und energetische Modernisierung setzt Vonovia den Schwerpunkt auf investitionsgetriebene Antworten auf die Wohnungskrise. Die rund 1.000 im Bau befindlichen und 6.000 seit 2013 errichteten Wohnungen markieren in einer Millionenstadt allerdings nur einen begrenzten Anteil. Zugleich macht Mucic deutlich, dass energetische Sanierungen aus Sicht des Unternehmens längerfristig zur Dämpfung der Nebenkosten beitragen sollen. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie sich energetische Standards, Klimaschutzziele und soziale Mietbelastung ausbalancieren lassen – ein Dauerthema in der deutschen Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik.

Politische Fronten bei Enteignung und Regulierung

Besonders kontrovers ist die von der Berliner Linken verfolgte Idee, große private Wohnungsbestände zu enteignen. Während Befürworter hierin ein Instrument sehen, um mehr gemeinwohlorientierten Wohnraum zu schaffen, lehnt Vonovia diesen Ansatz klar ab und setzt statt auf Vergesellschaftung auf bessere Rahmenbedingungen für Neubau. Die Ankündigung eines bundesweiten Enteignungsverbots für Mietwohnungsbestände durch die Spitzen von CDU, CSU und SPD verschiebt die politischen Koordinaten: Landespolitische Initiativen zur Vergesellschaftung gerieten damit unter erheblichen Vorbehalt, während Großvermieter rechtliche Planungssicherheit erwarten. Für Berliner Mieterinnen und Mieter bleibt entscheidend, ob Neubau, Regulierung und Bodenpolitik künftig so zusammenspielen, dass Wohnraum nicht nur entsteht, sondern auch dauerhaft bezahlbar bleibt.

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