Betriebliche, PrÀvention

Betriebliche PrÀvention: Jeder investierte Franken bringt bis zu drei Franken

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Experten sehen betriebliches Gesundheitsmanagement als wirtschaftlichen Hebel gegen Krankheitskosten, Fehlzeiten und FachkrÀftemangel.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Industrieraum mit poliertem Betonboden und geordneten Hockern. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts steigender Krankheitskosten und eines sich verschÀrfenden ArbeitskrÀftemangels fordern Experten die Etablierung von GesundheitsprÀvention als strategisches Wirtschaftsprogramm.

Wie aus einem Gastbeitrag im Handelsblatt hervorgeht, soll dieser Schritt dazu beitragen, die WettbewerbsfĂ€higkeit der Unternehmen zu sichern und personellen EngpĂ€ssen wirksam zu begegnen. Allein Übergewicht und Adipositas verursachen in Deutschland demnach geschĂ€tzte Kosten von rund 113 Milliarden Euro pro Jahr.

Hohe finanzielle Belastungen durch chronische Erkrankungen

Die wirtschaftlichen Folgen gesundheitlicher BeeintrÀchtigungen zeigen sich quer durch das Versorgungssystem. Bei Demenzerkrankungen sind in Deutschland aktuell rund 1,8 Millionen Menschen betroffen; diese Zahl könnte bis zum Jahr 2050 auf bis zu 2,8 Millionen ansteigen.

Die gesellschaftlichen Kosten belaufen sich bereits auf etwa 83 Milliarden Euro jÀhrlich. Im Bereich von Krebserkrankungen wurden im Jahr 2023 mehr als 517.000 Neuerkrankungen registriert, was mit direkten Versorgungskosten von 47,6 Milliarden Euro einherging.

Arbeitgeber spĂŒren diese Entwicklungen unmittelbar. Neben hohen Fehlzeiten und steigenden KrankenstĂ€nden fĂŒhren FachkrĂ€fteengpĂ€sse, FrĂŒhverrentungen sowie ProduktivitĂ€tsverluste durch Absentismus und PrĂ€sentismus zu spĂŒrbaren EinschrĂ€nkungen im Betriebsablauf.

Eine Analyse zu krankheitsbedingten AusfÀllen beziffert die jÀhrlichen Kosten durch hohe Krankheits- und Absenzraten in Deutschland auf rund 85 Milliarden Euro. Diese Belastungen treiben unter anderem auch Hersteller zu einer schnelleren Automatisierung.

RentabilitĂ€t betrieblicher Gesundheitsmaßnahmen

Fachleute weisen darauf hin, dass gezielte Investitionen in die betriebliche Gesundheitsförderung messbare wirtschaftliche Vorteile bieten. Dominic Trösch, Senior Spezialist fĂŒr PrĂ€ventionsmanagement bei einer Krankenkasse, erklĂ€rte am 3. November 2026 bei einer Fachveranstaltung in Tuggen, dass laut Studien jeder in das betriebliche Gesundheitsmanagement investierte Franken einen Ertrag von zwei bis drei Franken einbringe.

Ein einzelner Absenztag koste ein Unternehmen statistisch rund 1300 Franken. Zudem hob Trösch hervor, dass Stress zu den grĂ¶ĂŸten Gesundheitsrisiken der modernen Arbeitswelt zĂ€hle und die ArbeitsunfĂ€higkeiten infolge psychischer Erkrankungen zunehmen.

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Autoren eines Beitrags zu Gesundheitsbenefits betonten in diesem Zusammenhang, dass die Gesunderhaltung der BeschĂ€ftigten vor dem Hintergrund der Demografie zwar stark an Bedeutung gewinne, die Konsequenzen fĂŒr die Arbeitswelt jedoch weithin unzureichend berĂŒcksichtigt wĂŒrden.

Auch auf der Fachmesse DKM 2026 unterstrich Andrea Brock in einer Diskussionsrunde die wachsende Rolle von Resilienz und Risikomanagement: Unternehmen mit transparenter Risikostruktur und nachgewiesener PrÀvention sicherten sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Umsetzung in der betrieblichen Praxis

In der Unternehmenspraxis existieren bereits verschiedene AnsĂ€tze, um Gesundheitsrisiken abzufedern. Die Wohnungsgesellschaft Gewoba Bremen fĂŒhrt seit 2014 ein strategisches Gesundheitsmanagement; im Jahr 2025 organisierte das Unternehmen 137 Maßnahmen mit insgesamt 2.168 Teilnahmen, bei denen Screenings teilweise auch zur AbklĂ€rung medizinischer Verdachtsbefunde fĂŒhrten.

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Nassauische HeimstĂ€tte regelt Gesundheitsthemen bereits seit 2011 ĂŒber eine verbindliche Gesamtbetriebsvereinbarung. Andere Akteure wie Aroundtown und Vonovia setzen auf Angebote wie Impfungen, firmeneigene Sportmöglichkeiten, Online-Wellbeing-Plattformen oder ergonomische ArbeitsplĂ€tze.

Zunehmend rĂŒcken auch spezifische Handlungsfelder in den Fokus. Laut Cornelia WeingĂ€rtner von der Krankenkasse BARMER leiden zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren unter starken Beschwerden, welche die ArbeitsfĂ€higkeit beeinflussen können; bundesweit sind rund neun Millionen erwerbstĂ€tige Frauen im Alter zwischen 40 und 59 Jahren potenziell betroffen.

Eine Untersuchung der Hochschule fĂŒr Wirtschaft und Recht Berlin aus dem Jahr 2024 bezifferte die daraus resultierenden wirtschaftlichen Einbußen auf rund 9,4 Millionen Euro, wĂ€hrend eine umfrage aus demselben Jahr zeigte, dass lediglich sieben Prozent der Personalverantwortlichen die Thematik aktiv im Unternehmen ansprechen.

Angebote wie das österreichische Programm fit2work verdeutlichen zudem den Bedarf an externer Beratung: Dort liegt der MĂ€nneranteil in der Erstberatung seit Jahren stabil bei rund 42 Prozent, wĂ€hrend Betriebe UnterstĂŒtzung bei der Eingliederung und BGM-Orientierung abrufen können.

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