Betriebliches Gesundheitsmanagement: Pilotprojekt startet in Solingen
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Wellenpuls GmbH startet gemeinsam mit der Barmer und dem Textilspezialisten Gebrüder Jaeger ein Pilotprojekt für betriebliches Gesundheitsmanagement. Am 4. August fiel der Startschuss in Solingen. Das Ziel: innovative Strategien direkt in die Unternehmenspraxis integrieren.
Warum Unternehmen jetzt handeln müssen
Der Bedarf ist enorm. Krankenkassen in Ostwestfalen-Lippe meldeten für 2024 einen Krankenstand von 5,83 Prozent. Atemwegserkrankungen waren mit 33 Prozent der häufigste Grund für Krankschreibungen, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychischen Belastungen mit jeweils fast 20 Prozent.
Auch das Wetter spielt eine wachsende Rolle. Ende Juni 2026 führte eine Hitzewelle in Sachsen zu einem deutlichen Anstieg von Kreislaufbeschwerden – die Barmer verzeichnete an einem einzigen Hitzetag 31 Prozent mehr Krankschreibungen als im Durchschnitt des ersten Halbjahres. Ab 30 Grad Innentemperatur greift die Arbeitsstättenregel ASR A3.5: Arbeitgeber müssen dann Schutzmaßnahmen wie Getränke oder Sonnenschutz bereitstellen.
Was andere Branchen bereits leisten
Während Solingen gerade erst startet, sammeln andere Unternehmen seit Jahren Erfahrung. Die Bremer Gewoba etablierte ihr BGM bereits 2014 – im Jahr 2025 kamen dort 137 Maßnahmen mit über 2.000 Teilnehmenden zusammen. Aroundtown setzt auf eigene Fitnessstudios, Vonovia bietet Vorsorgeuntersuchungen und Familienservice, die SAGA stellt Dienstfahrräder und betriebliche Krankenzusatzversicherungen.
Angesichts steigender Fehlzeiten durch psychische Belastungen und physische Beschwerden wird eine rechtssichere Vorsorge für Betriebe immer wichtiger. Dieser kostenlose Report bietet Sicherheitsfachkräften und Arbeitgebern praxiserprobte Vorlagen und Checklisten, um Gefährdungsbeurteilungen behördenkonform zu erstellen. Rechtssichere Gefährdungsbeurteilung: Vorlagen und Checklisten jetzt kostenlos herunterladen
Doch die Breite der Belegschaft bleibt außen vor. Nur 37 Prozent der Berufstätigen haben eine betriebliche Altersvorsorge, wie eine Studie der Continentale aus 2026 zeigt. Noch dünner sieht es beim betrieblichen Unfallschutz (13 Prozent), der betrieblichen Krankenversicherung (11 Prozent) und der Berufsunfähigkeitsabsicherung (8 Prozent) aus.
Wo die rechtlichen Grenzen liegen
Neben freiwilligen Leistungen wächst auch der Druck durch gesetzliche Pflichten. Die Gefährdungsbeurteilung für psychische Belastungen ist verpflichtend – doch weniger als 20 Prozent der Unternehmen erfüllen sie vollständig.
Die Rechtsprechung zieht indes klare Grenzen. Das Sozialgericht München entschied am 22. Juli: Ein Sturz auf Massageöl auf dem Weg zu einer betrieblich organisierten Massage ist kein Arbeitsunfall. Die Massage gelte als Privatsache ohne unmittelbares Betriebsinteresse.
Beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) setzen Fachleute auf Freiwilligkeit und Vertraulichkeit. Nur in einer ergebnisoffenen Atmosphäre verbreiten sich positive Erfahrungen – und damit die Akzeptanz der Programme.
Wer sich mit dem Thema Rückkehr an den Arbeitsplatz befasst, muss rechtliche Stolperfallen im Eingliederungsprozess unbedingt vermeiden. Ein kostenloser Leitfaden unterstützt Arbeitnehmer und Verantwortliche mit einem konkreten Gesprächsleitfaden sowie einer Muster-Betriebsvereinbarung bei der rechtssicheren Vorbereitung. Kostenlose BEM-Anleitung inklusive Gesprächsleitfaden sichern
KI als nächster Schritt?
Die Zukunft könnte in der Technologie liegen. Seit April 2026 forscht die Medizinische Hochschule Hannover mit rund einer Million Euro Fördervolumen an KI-gestützter Krebsrisiko-Vorhersage. In Kooperation mit Betriebskrankenkassen analysiert das Projekt anonymisierte Versicherungsdaten – ein Ansatz, der Prävention künftig deutlich präziser machen könnte.
