BGM-Pflicht: Psychische Belastungen führen zu 119 Krankentagen
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die strategische Bedeutung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) zur Erfüllung gesetzlicher Anforderungen rückt verstärkt in den Fokus der Unternehmensführung. Insbesondere die Verknüpfung von Gesundheitsförderung mit der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung wird als notwendiger Schritt betrachtet, um rechtliche Standards zu wahren und die Leistungsfähigkeit der Belegschaft langfristig zu sichern.
Rechtlicher Rahmen und betriebliches Eingliederungsmanagement
Ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Gesundheitsmanagements ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM). Eine Fachkraft für BEM-Fallmanagement betonte in diesem Zusammenhang die Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und Ergebnisoffenheit dieses Instruments. Bei wiederkehrenden Fehlzeiten sei eine neutrale Gesprächsführung entscheidend, um vorschnelle Bewertungen zu vermeiden.
In der Praxis zeigt sich regelmäßig, dass hinter häufigen Abwesenheiten oft keine mangelnde Motivation, sondern gesundheitliche Überlastungen stehen. Ein systematisches BEM ermöglicht es, solche Ursachen zu identifizieren und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten. Damit dient es nicht nur dem individuellen Arbeitnehmerschutz, sondern ist auch ein zentraler Baustein zur Erfüllung der arbeitsschutzrechtlichen Fürsorgepflichten.
Praxisbeispiele aus der Immobilienwirtschaft
Mehrere große Unternehmen der Immobilienbranche haben bereits umfassende BGM-Strukturen etabliert, um den gesetzlichen Anforderungen und der Gesundheitsvorsorge gerecht zu werden. Das Bremer Immobilienunternehmen Gewoba führt bereits seit 2014 einen BGM-Ansatz. Im Jahr 2025 realisierte das Unternehmen insgesamt 137 Gesundheitsmaßnahmen, an denen 2.168 Personen teilnahmen. Nach Unternehmensangaben waren diese Angebote fast vollständig ausgebucht.
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Auch andere Branchenvertreter setzen auf differenzierte Programme. Die Nassauische Heimstätte hat ihr Gesundheitsmanagement bereits seit 2011 in einer Gesamtbetriebsvereinbarung fest verankert. Das Unternehmen Aroundtown bietet seiner Belegschaft unter anderem Zugang zu Fitnessstudios, einer Wellbeing-Plattform sowie die Teilnahme an Firmenläufen an. Bei Vonovia gehören jährliche Vorsorgeuntersuchungen und ein spezieller Familienservice zum Portfolio der Gesundheitsförderung. Das Unternehmen SAGA setzt wiederum auf Krankenzusatzversicherungen und das Angebot von Jobrädern, um die Mobilität und Absicherung der Mitarbeitenden zu unterstützen.
Steigender Druck durch psychische Belastungen
Die Notwendigkeit für professionelle BGM-Strukturen wird durch aktuelle Krankenkassendaten unterstrichen. Laut Erhebungen der KKH gab es im Jahr 2025 knapp 119 Krankentage je 100 Versicherte aufgrund von akuten Belastungsreaktionen oder Anpassungsstörungen. Dies entspricht einem Anstieg von 80 Prozent im Vergleich zum Jahr 2017, als der Wert noch bei 66 Tagen lag. Psychische Diagnosen dieser Art stellen mittlerweile den dritthäufigsten Grund für Krankschreibungen dar.
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Als primäre Ursachen für diesen Trend gelten die zunehmende Arbeitsverdichtung, die Ausbreitung mobiler Arbeit und eine damit verbundene Aufhebung von Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben. Dirk von der Crone, CEO von Swiss Life Deutschland, warnte vor diesem Hintergrund vor den steigenden physischen und psychischen Belastungen. Diese stellten nicht nur ein Risiko für die individuelle Arbeitskraft, sondern auch für die finanzielle Existenzsicherung der Beschäftigten dar. Ein aktives BGM wird somit zunehmend zu einem kritischen Faktor für die Risikominimierung innerhalb der Unternehmensstrategie.
