BGM-Weiterbildung, Beschäftigten

BGM-Weiterbildung startet: 59 von 100 Beschäftigten müssen umschulen

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen investieren Milliarden in Weiterbildung, während das Ausbildungsjahr gemischte Zahlen zeigt. Großkonzerne setzen auf Qualifizierung.

Weiterbildungsoffensive: Milliardeninvestitionen in Personalentwicklung
Professionelle Büroumgebung mit Mitarbeitern in einem Workshop für betriebliches Gesundheitsmanagement. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anfang August hat die bundesweite Weiterbildung zum Multiplikator für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) begonnen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund eines massiven Umbruchs in der Arbeitswelt, der Unternehmen zunehmend dazu zwingt, in die Gesundheit und Qualifizierung ihrer Belegschaften zu investieren. Daten des World Economic Forum unterstreichen die Dringlichkeit: Bis zum Jahr 2030 müssen voraussichtlich 59 von 100 Beschäftigten weitergebildet werden, da sich 39 Prozent der Kernkompetenzen verändern. Aktuell bewerten 63 Prozent der Unternehmen fehlende Fähigkeiten als das größte Hindernis für ihre Entwicklung.

Großkonzerne intensivieren Investitionen in Personalentwicklung

Namhafte Industriekonzerne haben bereits umfangreiche Budgets mobilisiert, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Mercedes-Benz plant im Zeitraum von 2022 bis 2030 Investitionen von insgesamt über 2 Milliarden Euro in die Weiterbildung, wobei allein 1,3 Milliarden Euro auf Standorte in Deutschland entfallen. Hierfür nutzt das Unternehmen Programme wie Turn2Learn und D.SHIFT.

Auch die BMW Group setzt verstärkt auf Qualifizierung und gab im Jahr 2025 rund 377 Millionen Euro für die Weiterbildung aus, bei einer Gesamtsumme von 1 Milliarde Euro. Am Talent Campus in München werden Kapazitäten für 40.000 Beschäftigte und 900 Auszubildende bereitgehalten. In Österreich verzeichnete die FACC Academy im ersten Jahr ihres Bestehens in Reichersberg bereits 2.700 Teilnahmen in 257 Kursen bei einer Gesamtbelegschaft von 4.050 Mitarbeitern. Das Unternehmen plant zudem, bis 2030 rund 1.500 neue Stellen zu schaffen.

Gemischte Bilanz zum Start des Ausbildungsjahres

Parallel zum Start der BGM-Initiative begann am 1. August bundesweit das neue Ausbildungsjahr. Im Land Bremen meldeten sich seit Oktober 2025 insgesamt 5.115 Bewerber bei der Agentur für Arbeit, was einem Zuwachs von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Demgegenüber steht ein Rückgang der gemeldeten Stellen um 11,9 Prozent auf 4.428. Die Handelskammer Bremen registrierte 2.752 Ausbildungsverträge, ein Minus von 6,7 Prozent. Im Gegensatz dazu meldete die Handwerkskammer Bremen ein Plus von 14 Prozent bei den Verträgen, wobei 225 Plätze in 137 Betrieben unbesetzt blieben.

In Schleswig-Holstein starteten bei der IHK Kiel rund 6.400 Auszubildende. Die Zahl der Neuverträge lag hier unter anderem aufgrund der G8/G9-Umstellung um 6,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Besonders in den Bereichen Einzelhandel, Logistik sowie im Metall- und Schiffbau gebe es laut der Kammer noch zahlreiche offene Stellen. Experten der IHK Lübeck raten Suchenden zu Offenheit und Praktika, insbesondere in Zukunftsfeldern wie der IT, Elektronik oder im Bereich der erneuerbaren Energien.

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Neue Standards und Programme in der Ausbildung

In der Bauwirtschaft traten zum 1. August neue Ausbildungsordnungen in Kraft, wie der Zentralverband Deutsches Baugewerbe mitteilte. Auch die öffentliche Verwaltung bereitet sich auf den künftigen Bedarf vor: Die Finanzämter in Brandenburg planen für den Sommer 2027 insgesamt 105 Ausbildungs- und 120 Studienplätze. Finanzminister Daniel Keller betonte die Bedeutung dieser Ausbildung für die Daseinsvorsorge und wies darauf hin, dass die Finanzverwaltung vom allgemeinen Personalabbau in der Landesverwaltung ausgenommen sei.

In Nordrhein-Westfalen verwies Arbeitsminister Karl-Josef Laumann auf Unterstützungsprogramme wie Ausbildungswege NRW oder das Projekt TEP für Teilzeitberufsausbildungen. Zudem werden jährlich 2 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds für zusätzliche Plätze für Menschen mit Behinderung bereitgestellt.

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Fokus auf Qualität und spezifische Fachfortbildungen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mahnte zum Ausbildungsstart eine hohe Qualität der Lehre an. Die stellvertretende Vorsitzende Claudia Tiedge warnte davor, Auszubildende als Ersatz für fehlendes Personal einzusetzen.

Ergänzend zu den klassischen Ausbildungswegen starteten Anfang August weitere spezialisierte Fortbildungen. In Halle bietet die IHK BIZ einen Vollzeitkurs zum Geprüften Industriemeister Mechatronik an, der bis April 2027 dauert und durch Aufstiegs-BAföG gefördert werden kann. Bei alfatraining begann zudem eine achtwöchige Vollzeit-Weiterbildung im Bereich Kundenservice mit CRM und digitaler Kommunikation, die über Bildungsgutscheine finanzierbar ist. Das Pharmaunternehmen Sartorius begrüßte unterdessen 79 Berufsstarter an den Standorten Göttingen und Guxhagen, wobei die Altersspanne der neuen Mitarbeiter von 15 bis 57 Jahren reicht.

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