Biogas, Biomethan

Biogas, Biomethan und Erdgas: Wo liegt eigentlich der Preisunterschied?

02.07.2026 - 11:00:10 | ad-hoc-news.de

Die Zeiten scheinen vorbei, in denen die Wahl des Gasanbieters eine reine Preisfrage war. Zudem haben die jüngsten Verwerfungen auf den Energiemärkten die Abhängigkeit von fossilen Importen schmerzhaft bewusst gemacht. Als Reaktion darauf fragen verständlicherweise immer mehr Haushalte nicht nur nach dem günstigsten, sondern auch nach dem klimafreundlichsten Brennstoff. Dementsprechend spielen Biogas und Biomethan eine stetig wachsende Rolle – aber was kosten die grünen Alternativen im Vergleich zum herkömmlichen Erdgas eigentlich?

Biogas, Biomethan und Erdgas: Was ist der Unterschied?

Um die Preisunterschiede verstehen zu können, müssen vorab die grundlegenden Unterschiede der einzelnen Energieträger geklärt werden. Erdgas ist ein fossiler Energieträger, der über Jahrmillionen entstanden ist. Seine Verbrennung setzt klimaschädliches CO? frei, was eine teils enorme Zusatzbelastung für die Atmosphäre darstellt. Biogas hingegen entsteht durch die Vergärung von organischen Reststoffen, Pflanzen oder Gülle. Gut zu wissen: Wird dieses Rohgas direkt vor Ort in einem Blockheizkraftwerk verstromt, spricht man von direkter Nutzung. Darüber hinaus ist Biogas nicht mit Ökogas zu verwechseln, da dieser Begriff in der Regel Tarife beschreibt, die nur zu einem kleinen Teil (meist 10 bis 20 Prozent) aus echtem Biogas oder Biomethan bestehen.

Biomethan ist die aufbereitete Form von Biogas. Durch ein spezielles Verfahren wird das Kohlendioxid abgetrennt, sodass ein Gas entsteht, das in seiner Qualität identisch mit fossilem Erdgas ist. Diese "Erdgasqualität" ermöglicht es, Biomethan problemlos in das bestehende Gasnetz einzuspeisen. Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied: Während Biogas oft an den Produktionsstandort gebunden ist, ist Biomethan über das Netz bundesweit verfügbar. Die Begriffe werden in Gastarifen leider oft synonym verwendet, obwohl sie technisch und preislich Unterschiedliches bezeichnen – ein wichtiger Punkt, denn während fossiles Erdgas stark von den Weltmärkten abhängt, unterliegt Biomethan komplett anderen Kostenmechanismen.

Warum unterscheiden sich die Preise?

Die Preisunterschiede sind erheblich und haben mehrere Ursachen. Der wichtigste Faktor sind die unterschiedlichen Herstellungs- und Aufbereitungskosten. Während fossiles Erdgas einfach gefördert werden kann, ist die Herstellung von Biogas ein relativ aufwändiger Prozess. Der Bau und Betrieb einer Anlage, die Beschaffung der Substrate und die Entsorgung der Gärreste verursachen hohe Kosten. Hinzu kommt bei Biomethan die energieintensive Aufbereitung. Diese Technologie ist also sehr kapitalintensiv, was sich direkt im Preis niederschlägt. Zwar vermelden Branchenverbände, dass die erneuerbaren Energien neue Meilensteine in der Stromerzeugung erreichen, im Gasbereich sind sie jedoch noch lange nicht im gleichen Maße kostengünstig.

Ein weiterer Kostenfaktor ist die begrenzte Verfügbarkeit von Biomethan. Die Produktionskapazitäten sind bei Weitem nicht ausreichend, um den gesamten Gasbedarf zu decken. Darüber hinaus wird diese begrenzte Menge durch ein komplexes Zertifizierungssystem gehandelt, was zusätzliche administrative Kosten verursacht. Hinzu kommen Transport, Einspeisung und Netzentgelte. Da nachhaltig nachgewiesenes Biomethan beim CO?-Preis entlastend wirken kann, während fossiles Erdgas mit einem immer höheren CO?-Preis belegt wird, kann dieser Effekt die höheren Herstellungskosten teilweise ausgleichen. Dennoch bleibt festzuhalten: Ein Preisvergleich sollte nie nur den reinen Arbeitspreis betrachten, sondern immer auch den Grundpreis. Gerade weil die Kosten für fossile Brennstoffe zuletzt stark schwankten und die Gas- und Heizölpreise rasant angestiegen sind, ist dieser Blick auf die Gesamtkosten umso wichtiger.

Was kosten Biogas- und Biomethantarife im Vergleich zu Erdgas?

Aktuelle Verbraucherportale zeigen ein klares Bild: Herkömmliches Erdgas ist in der Regel deutlich günstiger als Tarife mit Biomethananteil. Der Preisunterschied kann je nach Anbieter, Region und Biomethananteil häufig zwischen etwa 0,5 und 2,5 Cent pro Kilowattstunde liegen. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von etwa 20.000 kWh macht das eine Mehrbelastung von rund 100 bis 500 Euro pro Jahr aus.

Zudem ist die Tariflandschaft leider noch immer sehr unübersichtlich. Es gibt reine Erdgastarife, Tarife mit einem geringen Beimischungsanteil (zum Beispiel 10 Prozent Biomethan) und reine 100-Prozent-Biomethan-Tarife. Je höher der Anteil erneuerbaren Gases, desto teurer der Tarif. 100-Prozent-Biomethan ist in der Regel deutlich teurer als Mischprodukte, die oft als "Ökogas" vermarktet werden. Hier ist Vorsicht geboten: Nicht jedes Ökogasprodukt enthält automatisch echtes Biogas oder Biomethan. Teilweise werden lediglich CO?-Zertifikate gekauft, ohne dass tatsächlich grünes Gas im Netz ist. Die aktuellen Entwicklungen im Energiebereich zeigen zwar, dass das Angebot an grünen Gasen steigt, dennoch bleibt der Preisunterschied zu fossilem Erdgas auch weiter spürbar.

Für wen kann sich Biogas oder Biomethan trotzdem lohnen?

Trotz des Aufpreises gibt es klare Argumente, die für den Wechsel hin zu grünem Gas sprechen. In erster Linie sind es Verbraucher mit einem starken Fokus auf Klimaschutz, die bewusst einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen. Für Haushalte, die weiterhin mit Gas heizen möchten, ist Biomethan eine der wenigen praktikablen Möglichkeiten, den eigenen CO?-Fußabdruck zu reduzieren.

Auch für Haushalte mit einer neuen oder modernisierten Heizung kann die Nutzung von Biomethan strategisch sinnvoll sein. Während reine Erdgasheizungen aufgrund der steigenden CO?-Abgabe perspektivisch teurer werden, kann Biomethan als erneuerbarer Gasanteil die Heizung zukunftssicherer machen. Zudem kann der Einsatz von Biomethan dabei helfen, gesetzliche Vorgaben für erneuerbare Energien beim Heizen zu erfüllen.

Allerdings sollte auch diese Entscheidung kritisch hinterfragt werden. Biomethan ist kein Allheilmittel, da auch bei seiner Verbrennung CO? entsteht – es ist lediglich nicht fossil. Wer sich für Biomethan entscheidet, sollte die Kosten, die Verfügbarkeit und die langfristige Heizstrategie abwägen. Und weil die erneuerbaren Energien im Stromsektor immer günstiger werden, sollte man außerdem prüfen, ob ein Umstieg auf elektrische Wärme (Stichwort Wärmepumpe) langfristig gesehen nicht vielleicht die bessere Option darstellt.

Worauf sollte man beim Tarifvergleich achten?

Abschließend bleibt zu sagen, dass man keinesfalls blind auf das Wort "Öko" vertrauen sollte, wenn man sich für einen (neuen) Gasanbieter entscheidet. Der Biomethananteil im Tarif muss genau geprüft werden. Manche Anbieter werben zwar mit besonders grünen Tarifen, bieten aber nur einen minimalen Anteil an erneuerbarem Gas. Es ist also essenziell, die Produktinformationen genau zu lesen.

Wichtig ist auch der Blick auf die Herkunftsnachweise und Labels. Zertifikate wie das "Grünes Gas"-Label geben Aufschluss über die Nachhaltigkeit der Produktion. Ebenso sollten Preisgarantie, Vertragslaufzeit und der Grundpreis verglichen werden, denn ein niedriger Arbeitspreis wird oft durch einen hohen Grundpreis oder kurze Preisgarantien ausgeglichen. Die Entscheidung sollte außerdem stets an Budget, Verbrauch und der langfristigen Heizstrategie ausgerichtet werden. Für Kunden mit einem sehr geringen Verbrauch kann ein teurerer Ökogas-Tarif kaum ins Gewicht fallen, während der Preisunterschied für die Eigentümer eines großen Hauses schnell vierstellig werden kann.

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