BioNTech, Stellen

BioNTech streicht 1860 Stellen und schließt Produktionsstandorte

23.05.2026 - 08:01:33 | boerse-global.de

BioNTech streicht rund 22 Prozent der Stellen und schließt Produktionsstandorte. Der Konzern konzentriert sich künftig vollständig auf die Entwicklung von Krebstherapien.

BioNTech streicht 1860 Stellen und schließt Produktionsstandorte - Foto: über boerse-global.de
BioNTech streicht 1860 Stellen und schließt Produktionsstandorte - Foto: über boerse-global.de

BioNTech baut massiv Stellen ab und schließt mehrere Produktionsstandorte in Deutschland und Singapur. Grund ist der drastische Einbruch der Nachfrage nach Corona-Impfstoffen – und die Neuausrichtung auf die Krebsforschung.

Vom Impfstoff-Hersteller zum Krebs-Spezialisten

Die Zeiten des Booms sind vorbei. BioNTech, das während der Pandemie weltweit bekannt wurde, steckt in einem tiefgreifenden Umbruch. Rund 22 Prozent der globalen Belegschaft – etwa 1860 Stellen – sollen wegfallen. Das Unternehmen konzentriert sich künftig ganz auf die Entwicklung von Krebstherapien.

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Die finanziellen Kennzahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Quartal 2026 fuhr BioNTech einen Nettoverlust von 531,9 Millionen Euro ein. Die Erlöse brachen um 35 Prozent auf 118,1 Millionen Euro ein. Der Grund: Die Nachfrage nach dem mRNA-Impfstoff Comirnaty ist eingebrochen.

Diese Standorte sind betroffen

Bis Ende 2027 will BioNTech mehrere Produktionsstätten schließen. In Deutschland sind das:

  • Das Großproduktionswerk in Marburg
  • Der Standort Idar-Oberstein
  • Die erst kürzlich übernommenen CureVac-Anlagen in Tübingen und Wiesbaden

Hinzu kommt der Rückzug aus Singapur – dort sollen die Aktivitäten bis zum ersten Quartal 2027 eingestellt werden.

Die gesamte künftige Produktion von Comirnaty wird an den langjährigen Partner Pfizer übertragen. Das Management verspricht sich davon jährliche Einsparungen von rund 500 Millionen Euro ab 2029.

Scharfe Kritik der Gewerkschaft

Die IG BCE übt heftige Kritik an der Vorgehensweise. Roland Strasser, Bezirksleiter für Rheinland-Pfalz und Saarland, wirft dem Unternehmen eine reine „Bilanzpolitik“ vor. Die Entscheidungen seien kurzfristig und gefährdeten die Zukunft des Pharmastandorts Deutschland.

Besonders verärgert sind die Arbeitnehmervertreter über die mangelnde Transparenz. Bereits im Frühjahr 2025 habe der Betriebsrat in Marburg keine ausreichenden Informationen erhalten. In Tübingen fühlten sich die Mitarbeiter regelrecht getäuscht: Erst hatte BioNTech CureVac für umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro übernommen – nur wenige Monate später folgte die Schließungsankündigung.

„Das war wohl eher ein taktischer Schachzug zur Beilegung von Patentstreitigkeiten als ein echter Expansionsplan“, vermuten Gewerkschafter.

Milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm sorgt für Empörung

Ein weiterer Punkt erhitzt die Gemüter: Parallel zum Stellenabbau kündigte BioNTech ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von einer Milliarde Euro an. Für die Gewerkschaft ist das ein Affront. „Man kann nicht einerseits Staatshilfen kassieren und dann die Aktionäre beschenken, während tausende Mitarbeiter ihre Jobs verlieren“, so der Tenor.

Der große Plan: Krebsmedikamente bis 2030

Hinter dem radikalen Umbau steckt eine klare Strategie. BioNTech will sich komplett auf die Krebsforschung konzentrieren. Die freiwerdenden Mittel fließen in die Entwicklung mRNA-basierter Krebstherapien. Mehrere Medikamentenkandidaten – darunter der Antikörper-Wirkstoff-Komplex BNT323 und der bispezifische Antikörper BNT327 – befinden sich bereits in fortgeschrittenen klinischen Studien.

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mehrere Zulassungen für Krebstherapien zu erhalten.

Führungswechsel an der Spitze

Die Neuausrichtung fällt mit einem Generationenwechsel zusammen. Die Gründer U?ur ?ahin und Özlem Türeci werden bis Ende 2026 ihre Vorstandsposten räumen. Sie planen, ein neues Forschungsinstitut für grundlegende mRNA-Technologie aufzubauen. Ein neues Führungsteam soll dann die Kommerzialisierung der Krebs-Pipeline vorantreiben.

Was bleibt vom Standort Deutschland?

Für die verbliebenen Mitarbeiter bedeutet der Umbau eine Verlagerung zum Hauptsitz nach Mainz. Dort sollen mehrere hundert neue Stellen in Forschung und Verwaltung entstehen.

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Die Zukunft der geschlossenen Werke ist ungewiss. BioNTech prüft Verkaufsoptionen – auch einen Teil- oder Komplettverkauf der Standorte Marburg und Tübingen. Lokale Politiker fordern staatliche Unterstützung, um die hochspezialisierte Biotech-Infrastruktur zu erhalten.

Experten sehen in dem Rückzug aus der Impfstoffproduktion eine Zäsur für die europäische Pharmaindustrie. Die Abhängigkeit von US-Partnern wirft Fragen zur Gesundheitsicherheit auf. BioNTech selbst verfügt noch über Finanzreserven von schätzungsweise 15 bis 16 Milliarden Euro – doch die hohen Kosten der klinischen Entwicklung und der Wettbewerb auf dem Krebsmarkt bergen erhebliche Risiken.

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