Bodenseekreis: 95 Prozent der Arbeitgeber leiden unter Wohnraummangel
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 14:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Mangel an bezahlbarem Wohnraum bremst die Personalbeschaffung der regionalen Wirtschaft massiv aus. Dies zeigt eine Erhebung der Wirtschaftsförderungen Friedrichshafen und Bodenseekreis unter 132 Arbeitgebern in der Region, über die wf-bodenseekreis.de am 03.11.2026 berichtete.
Demnach gaben 95 Prozent der befragten Betriebe an, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem regionalen Wohnraummangel und Problemen bei der Gewinnung sowie Bindung von Arbeitskräften bestehe.
Besonders drängend stellt sich die Lage bei Nachwuchskräften dar. Von den befragten Ausbildungsunternehmen meldeten 96 Prozent einen negativen Einfluss des knappen Wohnungsangebots auf die Rekrutierung und Bindung von Auszubildenden sowie Werk- und dual Studierenden. 60 Prozent der Ausbildungsbetriebe stuften diesen Einfluss sogar als stark negativ ein.
Auch Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung sind unmittelbar betroffen: 94 Prozent der Umfrageteilnehmer beobachten auch in diesem Segment entsprechende negative Auswirkungen.
Hohe Nachfrage nach kleinen Wohneinheiten
Die Erhebung verdeutlicht einen substanziellen Bedarf an Unterkünften für die Belegschaften. 77 Prozent der Arbeitgeber verzeichneten einen konkreten Wohnraumbedarf für Auszubildende und dual Studierende, während 92 Prozent diesen Bedarf für sonstige Mitarbeitende angaben.
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Hinsichtlich der Wohnungsgrößen suchen 70 Prozent der Befragten Ein-Zimmer-Appartements für den Nachwuchs. Für sonstige Beschäftigte fragen drei von vier Arbeitgebern Zwei-Zimmer-Wohnungen nach, während 62 Prozent Drei-Zimmer-Wohnungen benötigen. In den meisten Fällen zielt die Nachfrage auf eine Mietdauer von über sechs Monaten ab.
Um dem Problem zu begegnen, greifen Unternehmen im Bodenseekreis zunehmend auf betriebliche Lösungen zurück. Rund drei von zehn Arbeitgebern bieten laut der Umfrage bereits eigenen Wohnraum an, während weitere 23 Prozent diesen Schritt künftig erwägen. Zudem mieten 18 Prozent der Arbeitgeber Wohnungen zur Weitergabe an Mitarbeiter an, und 32 Prozent prüfen diese Option für die Zukunft.
Gesamtwirtschaftliches Standortrisiko
Die Ergebnisse aus der Bodenseeregion spiegeln eine bundesweite Problematik wider. In einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium, über das am 02.11.2026 berichtet wurde, wird der Wohnungsmangel als direktes Wachstums- und Standortrisiko eingestuft.
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Hohe Mieten minderten den finanziellen Vorteil eines berufsbedingten Umzugs und behinderten so die Mobilität von Arbeitskräften. Um dem entgegenzuwirken, empfahl das Beratungsgremium unter anderem stärkere finanzielle Anreize für Kommunen zur Ausweisung von Bauland, eine vereinfachte Nachverdichtung sowie eine Beteiligung von Grundeigentümern und Bauherren an Infrastrukturkosten.
Dass Wohnungsengpässe auch internationale Arbeitskräfte abschrecken, belegen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Laut einem IAB-Kurzbericht aus dem Jahr 2026 gaben 27 Prozent der ausgewanderten Zuwanderer den deutschen Wohnungsmarkt als einen Grund für hun Fortzug an.
Von den Abgewanderten mit Unterstützungsbedarf hätten sich 43 Prozent ausdrücklich Hilfestellung durch den Arbeitgeber gewünscht. Betriebliche Wohnangebote könnten damit für Unternehmen in wirtschaftsstarken Regionen zu einem entscheidenden Instrument werden, um Personalengpässe abzuwenden.
