Brandschutz in Herzogenrather Schulen: Stadt kämpft mit maroder Infrastruktur
08.05.2026 - 10:09:16 | boerse-global.de
Während am Städtischen Gymnasium gezielte Brandschutzmaßnahmen abgeschlossen wurden, offenbaren Gutachten an anderen Schulen erhebliche Mängel.
Gezielte Nachbesserungen am Gymnasium
In der zweiten Jahreshälfte 2025 hat das städtische Gebäudemanagement am Städtischen Gymnasium Herzogenrath eine Reihe von Brandschutzverbesserungen umgesetzt. Im Fokus stand die Modernisierung der Türsysteme. Rund 96 Türscheiben erhielten eine spezielle Splitter-Schutzfolie – einige davon bis zu zwei Meter hoch. Die Folien sollen verhindern, dass Glas bei einem Brand oder Erschütterungen zersplittert und so Verletzungsrisiken entstehen.
Zudem wurden vorhandene Brandschutztüren repariert und nachgerüstet sowie Fluchtwege in der Turnhalle optimiert. Renate Wallraff, städtische Beigeordnete für Soziales, Bildung und Familie, betonte damals die Bedeutung der Zusammenarbeit mit der Schulleitung: „Unser Ziel ist eine sichere und moderne Lernumgebung für die Schülerinnen und Schüler.“
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Systematische Mängel in mehreren Schulen
Doch der Blick aufs Ganze zeigt ein düsteres Bild. Einem Statusbericht aus dem Jahr 2024 zufolge weisen gleich mehrere Schulen erhebliche Sanierungsbedarfe auf. Besonders betroffen sind die Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule, die Käthe-Kollwitz-Schule und die Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule.
Der FDP-Fraktionsvorsitzende Björn Bock kritisierte damals den Zustand der Gebäude scharf: „Die Stadt muss Instandhaltung und Ausbau endlich priorisieren, sonst leidet die Bildungsqualität.“ Der Bericht listete nicht nur Sicherheitsmängel auf, sondern auch Platzprobleme: An den Grundschulen Kämpchen und Pannesheide drohen die Schülerzahlen die vorhandenen Kapazitäten zu sprengen.
Um diese Engpässe zu lösen, treibt die Stadt den Ausbau der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule in Kohlscheid voran. Ziel ist es, den Schulbetrieb am Standort Kircheichstraße zu konzentrieren – das soll sowohl die Logistik als auch die Brandschutzaufsicht vereinfachen.
Haushaltsloch von über 20 Millionen Euro
Die Sanierungswelle trifft auf eine prekäre Haushaltslage. Bereits im August 2025 prognostizierte die Stadtverwaltung ein Defizit von über 20 Millionen Euro für das laufende Haushaltsjahr. Die Folge: heftige politische Debatten über die Priorisierung von Bauprojekten. Kritiker verweisen auf Kostensteigerungen bei anderen Vorhaben – etwa dem Bau eines Schwimmbads – die nun Mittel für die Schulen blockieren.
Trotz der Finanznot hat die Stadt weitere Großprojekte auf den Weg gebracht. Ende Februar 2026 gab der Bauausschuss grünes Licht für die umfassende Sanierung des Rathauses – ein 40-Millionen-Euro-Projekt. Das Gebäude aus den späten 1970er-Jahren sei durch ständige Reparaturen nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, so die Verwaltung. Dank Fördermitteln aus dem Programm „Rheinisches Revier“ soll der städtische Eigenanteil auf rund 13 Millionen Euro sinken. Langfristig, so die Hoffnung, spart die energetische Sanierung zwischen 2031 und 2061 Millionen ein – Geld, das dann in die Schulen fließen könnte.
Strategie der kleinen und großen Schritte
Herzogenrath steht exemplarisch für ein Problem vieler mittelgroßer Kommunen: Die Infrastruktur aus dem 20. Jahrhundert ist in die Jahre gekommen, während die Brandschutzvorschriften immer strenger werden. Rauchabzugsanlagen, Feuerschutztüren und digitale Alarmsysteme – all das musste in Gebäude nachgerüstet werden, die dafür nie ausgelegt waren.
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Die Stadt verfolgt einen Zweigleisigen Ansatz: Einerseits schnelle, kostengünstige Maßnahmen wie die Schutzfolien am Gymnasium, andererseits langfristige Konsolidierungsprojekte wie den Gesamtschul-Ausbau. So lassen sich die akutesten Risiken entschärfen, während man auf finanziell wackligen Beinen steht. Ob das Tempo reicht, hängt maßgeblich von Landes- und Bundesförderung ab – wie das Rathaus-Projekt zeigt.
Ausblick: Die nächsten Schritte
Der Stadtrat wird die Brandschutzlage der Schulen auch 2026 weiter im Blick behalten – über die jährlichen Schul- und Gebäudeberichte. Der Fokus liegt auf der Konsolidierung der Gesamtschule in Kohlscheid und der Beschaffung notwendiger Brandschutzzertifikate für ältere Gebäude.
Die entscheidende Frage bleibt: Wie schnell lassen sich die erheblichen Mängel an der Käthe-Kollwitz- und der Dietrich-Bonhoeffer-Schule beheben? Angesichts des Haushaltsdefizits und der Kosten für das Rathaus wird dies in den kommenden Ausschusssitzungen für Zündstoff sorgen. Sollte die Stadt den Spagat zwischen Sicherheit und Finanzierbarkeit nicht schaffen, drohen drastischere Schritte – von temporären Schließungen bis hin zu Steuererhöhungen.
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