Brandschutz: Kaltziegel mit nur 21 kg CO? erhält nationale Zulassung
Veröffentlicht: 03.06.2026 um 04:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nachhaltige Materialien erhalten Zulassungen, digitale Überwachungssysteme halten Einzug – und die Gerichte verschärfen die Sicherheitsauflagen. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Frühsommer 2026.
Nachhaltige Baustoffe auf dem Vormarsch
Am 1. Juni erteilte das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) eine nationale Zulassung für den „Kaltziegel" von Leipfinger-Bader. Das Besondere: Der Ziegel wird nicht gebrannt, sondern aus Ziegelbruch und mineralischen Bindemitteln hergestellt. Mit einem Treibhauspotenzial von nur 21 Kilogramm CO?-Äquivalenten pro Quadratmeter und Feuerwiderstandsklassen von F 30-A bis F 90-A vereint das Material Ökologie und Sicherheit. Bereits 2023 wurde das Produkt mit einem Ressourceneffizienz-Preis ausgezeichnet, Anfang dieses Jahres folgte ein nationaler Preis.
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Auch bei hochbelastbaren Bauteilen gibt es Fortschritte. Die Walter Wurzer GmbH bestätigte am 2. Juni, dass ihre Transportsysteme 7020 und 7053 die Einzelfeuerwiderstandsprüfung an der MPA Braunschweig bestanden haben. Bei Temperaturen von 1.000 Grad Celsius hielten die Komponenten 90 Minuten stand – die begehrte F90-Klassifizierung. Zudem erfüllen sie die Anforderungen der Widerstandsklassen FB4 (Durchschusshemmung) und RC4 (Einbruchhemmung).
Chemischer Brandschutz: Neue Wege ohne Halogene
Ein weiterer Meilenstein betrifft den vorbeugenden Brandschutz. Melamin-behandeltes Ammoniumpolyphosphat (APP) kommt künftig als halogenfreies Flammschutzmittel zum Einsatz. Der Stoff bildet in Klebstoffen, Dichtmassen und Polyurethan-Schäumen eine schützende Verkohlungsschicht und reduziert die Rauchentwicklung deutlich. Für Brandschutzexperten ein wichtiger Schritt – halogenhaltige Mittel stehen zunehmend in der Kritik.
Digitale Brandmelder: Siemens setzt auf IoT
Die Digitalisierung erreicht den aktiven Brandschutz. Siemens Smart Infrastructure präsentierte am 2. Juni die neue Sinteso-Nova-Brandmelder-Serie. Die Geräte nutzen ASAplus-Sensorsysteme mit optischer Mehrwellenlängen-Erkennung und zweifacher Wärmemessung. Eine neue Funktion namens „Smoke Entry Supervision" (SES) überwacht die Funktionsfähigkeit in Echtzeit. Die Melder sind IoT-fähig und an die Cloud-Plattform „Building X" angebunden – das ermöglicht vorausschauende Wartung, bevor es zu Fehlalarmen oder Ausfällen kommt.
Behördliche Digitalisierung: Germersheim macht den Anfang
Auch die Verwaltung zieht nach. Der Landkreis Germersheim stellt zum 1. Juli 2026 auf rein digitale Bauanträge um. Rund 125.000 Akten müssen dafür digitalisiert werden – ein Mammutprojekt, das bis Mai 2027 abgeschlossen sein soll.
Doch nicht alle begrüßen die Digitalisierungseuphorie. Die Brandenburger Ingenieurkammer warnte am 1. Juni vor übereilten Änderungen des Baugesetzbuchs (BauGB). Zwar solle das Bauen beschleunigt werden, doch dürften Planungsqualität und Nachhaltigkeit nicht leiden. Statt bloßer Bürokratieabbau sei vor allem eine bessere digitale Infrastruktur und ausreichend Personal in den Behörden nötig.
Gerichte ziehen die ZĂĽgel an
Die Justiz macht Ernst mit dem Brandschutz. Das Verwaltungsgericht Köln wies am 29. April die Eilbeschwerde eines Hotelbetreibers ab, der wegen schwerwiegender Mängel schließen musste. Die Brandmeldeanlage funktionierte nicht, eine Rauchabzugsanlage fehlte ganz. Das Gericht urteilte: Lebensgefahr rechtfertigt die sofortige Schließung – auch ohne vorherige Anhörung.
Der Bundesgerichtshof (BGH) stellte am 24. April klar: Wohnungseigentümergemeinschaften müssen Beschlüsse für zwingende Reparaturen fassen – selbst wenn einzelne Eigentümer die Kosten tragen müssen. Konkret ging es um herabstürzende Betonteile an Balkonen.
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Gefahrenabwehr in der Praxis
Das THW Reichenbach rückte am 2. Juni nach Nitschareuth aus. Ein verfallenes Gebäude drohte nach schweren Unwettern einzustürzen. Die Einsatzkräfte sperrten das Gelände ab und sicherten die Nachbargebäude.
In Gießen öffnete das neue Gefahrenabwehrzentrum (GAZG) seine Tore. Die 42 Millionen Euro teure Anlage erstreckt sich über 23.000 Quadratmeter. Die 79 Berufsfeuerwehrleute können von dort aus innerhalb von 90 Sekunden in ihren 27 Fahrzeugen einsatzbereit sein.
Wissenstransfer für Einsatzkräfte
Der Österreichische Bundesfeuerwehrverband (ÖBFV) veranstaltete am 27. Mai ein Seminar an der Feuerwehr- und Zivilschutzschule Steiermark. Im Fokus standen die OIB-Richtlinien 2.1 und 2.2 für den Brandschutz in Industriegebäuden und Garagen. Die Schulung richtete sich gezielt an Einsatzleiter – denn im Ernstfall zählt nicht nur die Technik, sondern auch das Verständnis für die baulichen Gegebenheiten.
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