Brandschutz-Mängel: 35,9% aller Anlagen fehlerhaft – Anstieg um neun Punkte
04.06.2026 - 05:03:02 | boerse-global.de
35,9 Prozent aller geprüften technischen Anlagen weisen erhebliche Mängel auf – ein Anstieg um neun Prozentpunkte im Vergleich zu 2024. Nur gut jede vierte Anlage (26,9 Prozent) war komplett fehlerfrei. Besonders betroffen: Lüftungsanlagen mit einer Ausfallquote von 44,2 Prozent und Feuerlöschanlagen mit 40,6 Prozent.
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Qualifikation auf dem PrĂĽfstand
Angesichts dieser Zahlen rückt die Ausbildung von Brandschutzbeauftragten wieder in den Fokus. Die Grundqualifikation folgt bundesweit einheitlichen Standards – unter anderem nach DGUV Information 205-003 und der vfdb-Richtlinie 12-09/01. Anbieter wie die DEKRA Akademie oder private Beratungsfirmen bieten eine Grundausbildung mit 64 Unterrichtseinheiten (UE) an: 56 UE Theorie, vier UE Praxis und eine vierstündige Prüfung.
Die Basisqualifikation steht in der Regel allen mit abgeschlossener Berufsausbildung offen. Das Zertifikat gilt drei Jahre, danach ist eine Fortbildung Pflicht. Für spezialisierte Aufgaben – etwa die Prüfung von Brandschutz- und Fluchtplänen – gibt es Intensivkurse. Diese zweitägigen Programme richten sich an bereits tätige Brandschutzbeauftragte oder Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Termine sind für Ende 2026 in Leipzig, Erfurt und Karlsruhe geplant.
Die Kosten variieren stark: Während kürzere Spezialkurse bei rund 850 Euro liegen, kosten umfassende neuntägige Zertifikatslehrgänge etwa 2.700 Euro.
Digitalisierung hält Einzug
Die Rolle des Brandschutzfachmanns wandelt sich. Moderne Ausbildungen integrieren zunehmend „Connected Buildings“-Technologien – also die Vernetzung von Gebäudetechnik. Sensoren, Low-Power-WAN-Netzwerke und Drohnen zur Überwachung großer Anlagen gewinnen an Bedeutung.
Vollzeitausbildungen fĂĽr die IHK-Qualifikation zur Brandschutzfachkraft dauern zwischen 4,5 und sechs Monaten. Absolventen sollen kĂĽnftig komplexe Brand- und Explosionsschutzkonzepte in zunehmend automatisierten Industrieumgebungen managen.
Neue Regeln fĂĽr Sicherheitsbeauftragte
Auch die gesetzlichen Vorgaben ändern sich. Seit dem 29. Mai 2026 gilt eine Anhebung der Pflichtgrenze für Sicherheitsbeauftragte im SGB VII. Unternehmen müssen diese nun erst ab 50 Beschäftigten bestellen – bisher lag die Schwelle bei 20. Für Betriebe mit 21 bis 49 Mitarbeitern besteht die Pflicht nur noch bei konkreten Gefährdungen.
Ob Brandschutzbeauftragter oder Sifa – die rechtssichere Bewertung von Brandgefahren ist eine Kernaufgabe im betrieblichen Arbeitsschutz. Ein kostenloser Praxis-Report zeigt, worauf es bei der Gefährdungsbeurteilung wirklich ankommt und liefert direkt die passenden Vorlagen dazu. Kostenlose Excel-Vorlage zur Gefährdungsbeurteilung Brandschutz herunterladen
Messen als Gradmesser
Die praktische Umsetzung neuer Sicherheitskonzepte steht derzeit auf der Interschutz 2026 in Hannover (1. bis 6. Juni) im Fokus. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) präsentiert dort unter anderem CBRN-Spürfahrzeuge und mobile Notwasserversorgungen.
Ein weiteres Branchenhighlight: Die FeuerTrutz 2026 am 24. und 25. Juni in NĂĽrnberg. Schwerpunkte sind Sicherheitskonzepte fĂĽr Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaikanlagen sowie der Einsatz KĂĽnstlicher Intelligenz im Brandschutz.
Aktuelle Vorfälle mahnen zur Vorsicht
Die Dringlichkeit qualifizierter Brandschutzbeauftragter unterstreichen mehrere Zwischenfälle Anfang Juni 2026. Am 3. Juni löste eine Rauchentwicklung in einer Lüftungsanlage den Feueralarm in einem Industriebetrieb in Trier-Euren aus – exakt jener Anlagentyp, den der TÜV mit der höchsten Mängelquote führt.
Nur einen Tag zuvor kam es in Langenhahn zu einem größeren Gasaustritt aus einem unterirdischen Tank. Die Feuerwehr evakuierte Anwohner, Spezialkräfte für Gefahrgut waren im Einsatz. Zeitgleich führten Wohnungsbrände in Dresden und Schweinfurt zu Rauchvergiftungen und erheblichen Sachschäden. Jeder dieser Einsätze hätte durch bessere Prävention möglicherweise verhindert werden können.
