Briefporto, Deutsche Post

Briefporto steigt auf 1,15 Euro – Monopolkommission kritisiert

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 17:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesnetzagentur plant eine deutliche Anhebung der Briefpreise für 2027 und 2028. Die Monopolkommission warnt vor einer übermäßigen Kostenbelastung und fordert eine strengere Prüfung der Post-Ausgaben.

Preisentscheidung für Briefe und Postkarten

  • Die Bundesnetzagentur soll der Deutschen Post eine Portoerhöhung von rund 20 Prozent ermöglichen.
  • Der Standardbrief im Inland soll zum Jahreswechsel 20 Cent mehr kosten.
  • Die endgültige Genehmigung für die Briefentgelte der Jahre 2027 und 2028 steht noch aus.
Die alte 95-Cent-Briefmarke bei einem Standardbrief bleibt gültig, die Sendung muss aber bei einer Porto-Anhebung zusätzlich frankiert werden. - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Monopolkommission kritisiert geplantes Briefporto

Die geplante Anhebung des Briefportos stößt bei der Monopolkommission auf Ablehnung. Der Standardbrief im Inland soll zum Jahreswechsel um 20 Cent auf 1,15 Euro teurer werden.

Duso fordert strengere Kostenprüfung

„Das Porto dürfe nicht so stark steigen“, erklärte Tomaso Duso, Vorsitzender des Beratungsgremiums der Bundesregierung. Die Bundesnetzagentur erkenne zu viele Kosten der Deutschen Post als sogenannte Lasten an, sagte Duso.

Dadurch könne die Deutsche Post andere Geschäftsbereiche zum Nachteil des Wettbewerbs mitfinanzieren. Duso empfahl der Bundesnetzagentur, die geltend gemachten Lasten strenger zu prüfen und sicherzustellen, dass Kundinnen und Kunden nur notwendige Kosten tragen.

Weitere Briefprodukte werden teurer

Die Bundesnetzagentur möchte der Post erlauben, ihr Briefporto um etwa ein Fünftel anzuheben. So stark war die Teuerung bislang noch nie.

Auch das Porto für die Postkarte sowie für Kompakt-, Groß- und Maxi-Briefe soll deutlich steigen. Die endgültige Genehmigung für die Jahre 2027 und 2028 steht noch aus.

Sozialverband warnt vor Belastungen

Der Sozialverband Deutschland forderte die Bundesregierung auf, die Kritik der Monopolkommission ernst zu nehmen. Verbandsvorsitzende Michaela Engelmeier erklärte, Verbraucherinnen und Verbraucher dürften nicht für fragwürdige Kostenpositionen zur Kasse gebeten werden.

Eine Erhöhung um mehr als 20 Prozent belaste besonders ältere, chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen, die häufig nicht auf digitale Angebote ausweichen könnten. Bei Behördenangelegenheiten und wichtigen persönlichen Schreiben seien viele weiterhin auf den klassischen Postweg angewiesen.

Weniger Briefe erhöhen Stückkosten

Die Briefmenge sinkt, weil private Haushalte und Unternehmen zunehmend per E-Mail oder Chatnachricht kommunizieren. Dadurch steigen die sogenannten Stückkosten: Personal, Infrastruktur und Energie verteilen sich auf weniger Sendungen.

Die Deutsche Post darf das Porto nicht eigenständig erhöhen und benötigt die Zustimmung der Bundesnetzagentur. Auf dem Briefmarkt ist sie mit großem Abstand Marktführerin, während kleinere Wettbewerber einen schweren Stand haben. Im Paketgeschäft ist der Vorsprung von DHL, zu dem die Deutsche Post gehört, geringer.

Die Portoentscheidung fällt in eine Phase, in der der klassische Briefversand strukturell an Bedeutung verliert. E-Mails, Messenger und digitale Behördenangebote ersetzen viele private und geschäftliche Schreiben; zugleich bleiben Briefe für bestimmte Vorgänge rechtlich, organisatorisch oder praktisch relevant.

Sinkende Mengen erhöhen die Kosten je Sendung, weil Personal, Zustellnetze, Filialen und Infrastruktur auf weniger Briefe verteilt werden. Die Deutsche Post begründet die geplante Anhebung zudem mit gestiegenen Energie- und Personalkosten. Die Monopolkommission setzt dem entgegen, dass nicht jede von der Post geltend gemachte Kostenposition automatisch über das Porto finanziert werden sollte.

Regulierung und soziale Folgen

Die Bundesnetzagentur muss die zulässige Preisobergrenze festlegen. Ihre Prüfung entscheidet damit nicht nur über die Einnahmen der Deutschen Post, sondern auch darüber, wie stark private Haushalte, Unternehmen und Organisationen belastet werden. Besonders empfindlich kann die Erhöhung für Menschen sein, die digitale Alternativen nicht oder nur eingeschränkt nutzen.

Für den Wettbewerb ist relevant, ob regulierte Briefentgelte Kosten der marktbeherrschenden Post abbilden oder darüber hinaus Spielräume für andere Geschäftsbereiche schaffen. Eine strengere Anerkennung sogenannter Lasten könnte den Preisanstieg begrenzen, würde aber die Finanzierung des flächendeckenden Netzes neu gewichten.

Entscheidung für 2027 und 2028

Die endgültige Genehmigung für die Jahre 2027 und 2028 steht noch aus. Mit ihr wird festgelegt, ob der geplante Standardbriefpreis von 1,15 Euro und die angekündigten Aufschläge für weitere Briefprodukte tatsächlich gelten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Briefversand Monopolkommission kritisiert Portoerhöhung der Deutschen Post“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Kritik der Monopolkommission und nennt den geplanten Anstieg des Standardbriefs von 95 Cent auf 1,15 Euro. Zusätzlich stellt er die Begründung der Deutschen Post mit sinkenden Briefmengen sowie höheren Energie- und Personalkosten heraus.

Stern: „Monopolkommission kritisiert Portoerhöhung der Deutschen Post“ (03.11.2026)

Der Artikel bestätigt den Vorwurf, die Bundesnetzagentur erkenne zu viele Kosten als Lasten an, und verweist zusätzlich auf die bereits 2025 ausgesprochene Empfehlung der Monopolkommission. Anders als der Deutschlandfunk hebt er auch die mögliche Erhöhung der Paketpreise für Privatkunden hervor.

Übereinstimmend wird die geplante Portoerhöhung als Folge sinkender Briefmengen und steigender Kosten beschrieben. Unterschiede liegen vor allem bei den ergänzten Details zu früheren Empfehlungen und weiteren Preisbereichen; offen bleibt die endgültige Entscheidung der Bundesnetzagentur.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70451719 |