EU will erstmals Sanktionen gegen israelische Siedler verhÀngen
18.03.2024 - 20:12:17 | dpa.de(Neu: Detail zu Tod von Hamas-FunktionÀr Issa)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die EU will erstmals Sanktionen gegen radikale israelische Siedler im Westjordanland verhĂ€ngen. AuĂenminister der Mitgliedstaaten verstĂ€ndigten sich am Montag bei einem Treffen in BrĂŒssel auf entsprechende PlĂ€ne, wie der EU-AuĂenbeauftragte Josep Borrell mitteilte. Sie sollen nun in den kommenden Tagen formalisiert werden. Ungarn kĂŒndigte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur an, das Vorgehen nicht weiter blockieren zu wollen.
Hintergrund der SanktionsplĂ€ne sind Gewalttaten extremistischer Siedler gegen PalĂ€stinenser - insbesondere auch nach dem Hamas-Massaker in Israel vom 7. Oktober. Die Angriffe werden wie der Siedlungsbau an sich als eines der Hindernisse fĂŒr BemĂŒhungen um eine langfristige Friedenslösung im Nahost-Konflikt gesehen. FĂŒr Deutschland sei es zentral, deutlich zu machen, dass beides nicht im Einklang mit internationalem Recht stehe, sagte AuĂenministerin Annalena Baerbock zu dem Vorhaben.
Mit den Sanktionen folgt die EU dem Beispiel der USA. Diesen haben bereits StrafmaĂnahmen verhĂ€ngt, die sich gegen extremistische israelische Siedler richten. Die USA werfen den Betroffenen unter anderem vor, sich im Westjordanland an Gewalt gegen palĂ€stinensische Zivilisten beteiligt zu haben.
Sanktionsinstrument zur Ahndung von MenschenrechtsverstöĂen
Die EU-StrafmaĂnahmen sollen mithilfe des EU-Sanktionsinstruments zur Ahndung von schweren MenschenrechtsverstöĂen verhĂ€ngt werden. Von Personen, die betroffen sind, mĂŒssen dann in der EU vorhandene Konten und andere Vermögenswerte eingefroren werden. Zudem dĂŒrfen die Personen nicht mehr in die EU einreisen und keine GeschĂ€fte mehr mit EU-BĂŒrgern machen.
Die Namen der Betroffenen sollen nach dem noch ausstehenden formellen Sanktionsbeschluss im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich im ersten Schritt um eine einstellige Zahl Personen, gegen die es Anzeigen, aber bislang keine Strafverfahren von israelischer Seite gibt. Im Idealfall sollen die EU-Sanktionen nach Angaben von Diplomaten dazu fĂŒhren, dass die israelische Justiz sich kĂŒnftig engagierter um die Verfolgung von Gewalt von israelischen Siedlern gegen palĂ€stinensische Dörfer und Olivenhaine kĂŒmmert.
Ungarn gibt Blockade auf
Die Sanktionen gegen Siedler hĂ€tten eigentlich bereits vor Wochen beschlossen werden sollen. Die ungarische Regierung, die in der EU als besonders israelfreundlich gilt, signalisierte allerdings erst am Montag auf Spitzenebene, dass sie die PlĂ€ne nicht weiter blockieren will. Teil der Einigung ist, dass es auch neue StrafmaĂnahmen gegen die Hamas gibt.
Ein Grund fĂŒr die angespannte Lage im Westjordanland ist, dass Israel dort seit der Eroberung des Gebiets im Sechstagekrieg 1967 umstrittene Siedlungen ausbaut. Die Zahl der Siedler in dem Gebiet, das zwischen dem israelischen Kernland und Jordanien liegt, ist inzwischen auf etwa eine halbe Million gestiegen. EinschlieĂlich Ost-Jerusalems sind es sogar 700 000. Die Siedler leben inmitten von rund drei Millionen PalĂ€stinensern.
Sanktionen auch gegen die Hamas
Die Vereinten Nationen haben diese Siedlungen als groĂes Hindernis fĂŒr eine Friedensregelung eingestuft, weil sie kaum noch ein zusammenhĂ€ngendes Territorium fĂŒr die PalĂ€stinenser bei einer möglichen Zweistaatenlösung zulassen. Als ein weiterer Grund fĂŒr die angespannte Lage gelten Razzien der israelischen Armee in StĂ€dten des Westjordanlands wegen AnschlĂ€gen von PalĂ€stinensern gegen Israelis.
Gegen die Hamas und ihre Vertreter wurden in der Vergangenheit bereits mehrfach EU-Sanktionen verhÀngt. Zuletzt setzte die EU etwa den Kommandeur des bewaffneten Arms, Mohammed Deif, sowie dessen mittlerweile höchstwahrscheinlich bei einem israelischen Luftangriff getöteten Stellvertreter, Marwan Issa, auf ihre Terrorliste. Beide gelten als Planer des beispiellosen Massakers in Israel vom 7. Oktober, in dessen Folge rund 1200 Israelis getötet und rund 240 Menschen in den Gazastreifen verschleppt wurden. Die Hamas selbst wurde von der EU bereits vor rund zwei Jahrzehnten als Terrororganisation eingestuft.
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