BSI-Warnung: Internetzugriff auf industrielle Steuerungen konsequent sperren
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn hat eine Cybersicherheitsempfehlung für Steuerungsanlagen kleinerer industrieller Einrichtungen herausgegeben, wie aus einem Bericht vom 13. Oktober 2026 auf bund.de hervorgeht.
Die Warnung zielt insbesondere auf Systeme ab, die direkt über das Internet erreichbar sind, darunter Anlagen zur Kühlung von Lebensmitteln sowie zur lokalen Stromerzeugung. BSI-Präsidentin Claudia Plattner verwies in diesem Zusammenhang auf vorangegangene Sicherheitsvorfälle in Frankreich, die als ernste Warnung vor Nachahmungstätern und gezielten Sabotageakten zu verstehen seien.
Konkrete Schutzmaßnahmen gegen digitale Angriffe
Um die Ausfallsicherheit technischer Anlagen zu gewährleisten, empfiehlt die Bonner Behörde den Betreibern ein Bündel technischer und organisatorischer Sofortmaßnahmen. Im Zentrum steht die Forderung, jeglichen direkten Zugriff aus dem öffentlichen Internet auf speicherprogrammierbare Steuerungen und Prozessleitsysteme konsequent zu unterbinden.
Fernwartungszugänge und administrative Verbindungen sollten stattdessen ausschließlich über verschlüsselte virtuelle private Netzwerke (VPN) in Kombination mit einer Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) abgesichert werden.
Darüber hinaus rät das BSI den Anlagenbetreibern, die eigene Exposition im Netz fortlaufend zu überprüfen, um unbeabsichtigt freigeschaltete Schnittstellen frühzeitig zu identifizieren. Systeme müssen zudem stets auf dem aktuellen Stand gehalten werden.
Sicherheitsrelevante Softwareaktualisierungen und Patches der Komponentenhersteller sind laut der Behördenempfehlung kurzfristig einzuspielen, um bekannte Schwachstellen vor einer Ausnutzung durch Angreifer zu schließen.
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Hohe Verwundbarkeit im industriellen Betrieb
Die Dringlichkeit der behördlichen Handreichung wird durch Erhebungen zur Cybersicherheit industrieller Steuerungs- und Betriebstechnik (OT) unterstrichen.
Laut einem Bericht des IT-Sicherheitsunternehmens Palo Alto Networks zur Sicherheit kritischer Infrastrukturen für das Jahr 2026 verzeichneten 69 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einen Sicherheitsvorfall mit spürbaren Auswirkungen auf den Betrieb.
Bei 55 Prozent der Betriebe führten solche Vorfälle zu ungeplanten Ausfallzeiten, während 52 Prozent direkte finanzielle Verluste meldeten. International lag der Anteil betroffener Organisationen bei 59 Prozent.
Als zentrale Schwachstelle erweist sich mangelnde Transparenz in den industriellen Netzwerken. Dem Bericht zufolge besitzen 66 Prozent der deutschen Unternehmen keine vollständige Echtzeitsicht auf ihre OT-Infrastruktur, weltweit sind es 68 Prozent.
Zudem gelten 23 Prozent der angebundenen Betriebstechnik-Systeme als unverwaltet oder nur schwer überwachbar. Über die Hälfte der Betreiber, genau 52 Prozent, bezeichnet veraltete Bestandsanlagen als größte operative Hürde.
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Erschwerend kommt hinzu, dass deutsche Einrichtungen im Durchschnitt sieben verschiedene Sicherheitswerkzeuge parallel einsetzen. Dies führt bei 54 Prozent der Befragten zu höherer Komplexität und bei 59 Prozent zu gesteigerten Betriebskosten. Bei 74 Prozent der Unternehmen sind die Sicherheitsprozesse von Informationstechnik und Betriebstechnik noch nicht vollständig zusammengeführt.
Wachsende Gefahren durch veränderte Bedrohungslagen
Zusätzliche Risiken entstehen durch den technologischen Wandel. In der Befragung von Palo Alto Networks stuften 97 Prozent der deutschen Sicherheitsverantwortlichen künstliche Intelligenz als operatives Risiko ein; 44 Prozent bewerteten diese Bedrohung als sehr oder extrem hoch.
Weltweit äußerten 95 Prozent der Befragten Sorge vor Angriffen durch hochentwickelte KI-Modelle. Zugleich setzen 91 Prozent auf den Einsatz KI-gestützter Abwehrmechanismen, um komplexe Angriffsversuche auf vernetzte Produktionsumgebungen rechtzeitig abzuwehren.
