Bürogestaltung: Ikea führt stille Stunde für neurodivergente Mitarbeiter ein
16.06.2026 - 08:25:11 | boerse-global.de
Kreislaufsysteme, bessere Akustik und weniger Umweltreize stehen im Fokus. Große Konzerne bauen ihre Zentralen aus – und setzen dabei auf nachhaltige Materialien sowie Technik, die die Konzentration fördert.
Kreislaufwirtschaft statt Wegwerfmöbel
Nachhaltige Bürogestaltung geht heute weit über Energieeffizienz hinaus. Im Mittelpunkt stehen Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Möbeln. Der Hersteller Sedus verfolgt mit seinem Green Codex einen ganzheitlichen Ansatz. Das Unternehmen setzt auf recycelbare Komponenten und emissionsarme Produktion. Ziel: eine funktionierende Kreislaufwirtschaft im Bürosektor.
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Auch alternative Werkstoffe gewinnen an Bedeutung. Die Hamburger Firma Green Office nutzt Hanf oder recycelte OP-Tücher für Büroausstattungen. Solche Lösungen minimieren den ökologischen Fußabdruck durch Abfallprodukte oder schnell nachwachsende Rohstoffe.
Rohde & Schwarz baut aus – Open Space mit Köpfchen
Physische Präsenz bleibt trotz Digitalisierung relevant. Rohde & Schwarz plant einen massiven Ausbau seiner Konzernzentrale in München. Auf dem Gelände früherer Gebäude aus den 1920er- und 1950er-Jahren entsteht ein 65 Meter hohes Hochhaus. Der Abschluss des Bebauungsplanverfahrens wird für 2028 erwartet.
Bei der Gestaltung neuer Arbeitswelten dominieren Open-Space-Konzepte. Sie müssen jedoch strengen Erfolgskriterien folgen. Fachleute fordern eine klare Trennung in Aktivitätszonen für Fokus, Kollaboration und sozialen Austausch. Die Akustikplanung ist zentral – schließlich ist Lärm der größte Kritikpunkt an offenen Konzepten.
Ein Großprojekt in Bochum zeigt, wie es geht. Der Dienstleister Büroeinrichtung Stock stattet dort bis zu 120 Arbeitsplätze mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen und spezifischen Akustikwänden aus.
Intelligentes Licht und stille Stunde
Die Gesundheit am Arbeitsplatz wird durch smarte Technik unterstützt. Neue Stehleuchten passen ihre Lichtintensität in Echtzeit automatisch an die Höhe der Tischplatte an. Fürs Homeoffice empfehlen Experten eine Farbtemperatur von 4.000 Kelvin – das fördert die Konzentration. In Wohnbereichen sind wärmere Töne um 2.700 Kelvin ratsam. Die Kosten für professionelle Lichtkonzepte liegen bei 80 bis 150 Euro pro Quadratmeter.
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Ein neuer Trend: die Berücksichtigung neurodivergenter Bedürfnisse. Ikea Deutschland führt seit Juni 2026 landesweit eine stille Stunde ein. Immer mittwochs wird die Lichtintensität gesenkt, auf Durchsagen und Musik verzichtet. Das Konzept lässt sich auf Büros übertragen. Rückzugsräume für hochsensible Menschen oder Personen mit ADHS werden zunehmend als Standard für eine inklusive Arbeitsumgebung gefordert.
KI spart Zeit – Digital Detox schützt die mentale Gesundheit
Neben der physischen Gestaltung beeinflussen digitale Werkzeuge die Arbeitsqualität maßgeblich. Die Integration von KI-Assistenten wie Gemini in Workspace-Umgebungen spart laut aktuellen Erhebungen durchschnittlich 105 Minuten pro Woche. Drei Viertel der Nutzer berichten von einer verbesserten Arbeitsqualität durch die Unterstützung bei Routineaufgaben.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Belastungen durch ständige Erreichbarkeit. Bei einer durchschnittlichen Bildschirmzeit von 180 Minuten pro Tag gewinnen Digital-Detox-Ansätze an Bedeutung. Smartphone-Safes oder Apps, die ablenkende Anwendungen blockieren, fördern das sogenannte Monotasking. Der Trend geht klar zu einer Arbeitsumgebung, die nicht nur funktional, sondern auch reizarm und gesundheitsförndert ist.
