CBAM-Ausweitung: EU plant Grenzausgleich für 180 Produkte ab 2028
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 20:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das sind 0,08 Euro weniger als im Vorquartal. Gleichzeitig treibt die EU die Ausweitung des Instruments massiv voran.
Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) stimmte für eine deutliche Verschärfung. Ab 2028 soll der Grenzausgleich auf rund 180 nachgelagerte Stahl- und Aluminiumprodukte ausgeweitet werden. Betroffen sind unter anderem Verbindungselemente, Drähte, Federn und bestimmte Haushaltswaren.
Die Abgeordneten sprachen sich zudem für einen temporären Dekarbonisierungsfonds aus. Dieser soll von 2027 bis 2029 zur Verfügung stehen. Eine geplante Notbremsfunktion wurde gestrichen, ebenso wie die Möglichkeit, internationale CO2-Gutschriften anzurechnen. Die finale Verabschiedung durch das Parlamentsplenum ist für September vorgesehen.
EU-Kommission plant Reform des Emissionshandels
Parallel zu den CBAM-Neuerungen arbeitet die EU-Kommission an einer umfassenden Reform des Emissionshandels (EU-ETS). Ein entsprechender Vorschlag wird für Ende der kommenden Woche erwartet.
Kernpunkt: Die Kommission will den jährlichen Reduktionsfaktor für Emissionen von 4,4 Prozent auf etwa 3,4 Prozent senken. Die Änderung soll ab 2031 oder 2036 wirksam werden. Um die Preisvolatilität abzufedern, ist ein dynamischer Preisdeckel geplant – gesteuert über eine angepasste Marktstabilitätsreserve.
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Industrieunternehmen sollen unter bestimmten Bedingungen wieder mehr kostenlose Zertifikate erhalten. Im Gegenzug plant die Kommission, die Mitgliedstaaten stärker in die Pflicht zu nehmen. Ein deutlich höherer Anteil der Einnahmen aus dem Emissionshandel soll zweckgebunden in die Dekarbonisierung fließen. Bisher liegt dieser Anteil in vielen Staaten bei geschätzten fünf Prozent.
Industrie warnt vor Wettbewerbsnachteilen
Die Reformpläne stoßen auf geteiltes Echo. Industrieverbände aus Deutschland, Italien und Frankreich forderten in gemeinsamen Stellungnahmen eine grundlegende Überarbeitung des Kohlenstoffmarktes. Sie warnten vor einer künstlichen Verknappung von Zertifikaten und drohender Preisinstabilität. Auch landwirtschaftliche Organisationen wie Copa-Cogeca kritisierten die jüngsten ENVI-Entscheidungen.
In Deutschland zeigt die Emissionsbilanz für 2025 einen Rückgang der Treibhausgase um rund 3,2 Prozent auf 649 Millionen Tonnen. Besonders deutlich sanken die Emissionen in der Industrie mit einem Minus von 5,5 Prozent. Experten führen dies jedoch primär auf Produktionsrückgänge und die schwache wirtschaftliche Entwicklung zurück.
Milliarden für die Strompreiskompensation
Um energieintensive Unternehmen zu stützen, genehmigte die EU-Kommission eine massive Ausweitung der deutschen Strompreiskompensation. Rückwirkend ab 2025 profitieren 20 zusätzliche Branchen von den Beihilfen – darunter die organische Chemie und die Glasindustrie. Insgesamt sind nun 31 Sektoren förderfähig.
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Bis 2029 belaufen sich die veranschlagten Kosten auf rund 4,5 Milliarden Euro. Für das Jahr 2025 sind etwa eine Milliarde Euro eingeplant.
Marktakteure bereiten sich vor
Während die Politik die Rahmenbedingungen neu ordnet, rüsten sich private Akteure für den Handel. Das Unternehmen Karbon-X erhielt die Genehmigung zur Eröffnung eines Kontos im spanischen EU-ETS-Register. Damit kann der Dienstleister EU-Emissionsberechtigungen direkt im Unionsregister halten und verwalten. Das Unternehmen betonte die Bedeutung einer robusten regulatorischen Infrastruktur für die europäische Wachstumsstrategie.
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