CBAM-Streit: Sechs EU-LĂ€nder fordern Stopp der CO2-ZertifikatskĂŒrzung
Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 20:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Deutsche Bundestag hat sich in einer parlamentarischen Befassung mit einem Antrag zur Aufhebung des europÀischen Emissionshandelssystems (ETS) und des CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) auseinandergesetzt. Die Debatte erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen sowohl innerhalb der EuropÀischen Union als auch im internationalen Handel, da die wirtschaftlichen Auswirkungen der Klimaschutzinstrumente zunehmend kritisch bewertet werden.
Widerstand aus osteuropĂ€ischen und sĂŒdosteuropĂ€ischen EU-Staaten
Parallel zur Diskussion im Bundestag formiert sich in BrĂŒssel deutlicher Widerstand gegen die aktuelle Ausgestaltung der EU-Klimapolitik. Sechs Mitgliedstaaten â Bulgarien, Griechenland, Polen, RumĂ€nien, die Slowakei und Tschechien â warnten vor den PlĂ€nen der EU, die kostenlosen CO2-Zertifikate im Zeitraum von 2026 bis 2030 um bis zu 50 % zu kĂŒrzen.
Nach EinschĂ€tzung dieser LĂ€nder könnten die VerschĂ€rfungen dazu fĂŒhren, dass Zement-, Stahl- und Chemiewerke in den Ruin getrieben werden. Die Gruppe fordert daher ein Einfrieren der Zuteilungen auf dem Niveau der Jahre 2021 bis 2025, um die industrielle Basis in ihren Regionen zu schĂŒtzen.
BRICS-Staaten kritisieren EU-MaĂnahmen als protektionistisch
Auf internationaler Ebene stoĂen die EU-Regelungen auf massive Ablehnung. Bei einem Treffen der Umweltminister der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und SĂŒdafrika) in Neu-Delhi wurde der Grenzausgleichsmechanismus CBAM scharf kritisiert. Die Minister bezeichneten das System als einseitig, bestrafend sowie diskriminierend und werteten es als ein protektionistisches Instrument.
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Seit Anfang Januar 2026 befindet sich der CBAM in seiner definitiven Phase. Er erhebt eine CO2-Abgabe auf Importe in den Sektoren Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, DĂŒngemittel, Wasserstoff und Strom. Die BRICS-Staaten forderten in diesem Zusammenhang eine deutliche Erhöhung der Anpassungsfinanzierung durch entwickelte LĂ€nder. Diese sollten ihre Mittel fĂŒr Klimaanpassungen bis zum Jahr 2035 verdreifachen.
Wirtschaftliche Folgen fĂŒr den Handel mit Indien
Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen fĂŒr Indien, fĂŒr das die EuropĂ€ische Union mit einem Warenhandel von 118 Milliarden Euro im Jahr 2025 der drittgröĂte Handelspartner war.
SchĂ€tzungen einer Studie von Icrier zufolge könnten die indischen Exporte von Eisen und Stahl in die EU durch den CBAM-Mechanismus um 24 % zurĂŒckgehen. Aktuelle Daten belegen bereits einen Trend: In den vier Monaten bis April verzeichneten die indischen Eisen- und Stahlexporte in die Union einen RĂŒckgang um 13 %.
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Eisen und Stahl machen rund 90 % der indischen Ausfuhren aus, die von den neuen EU-Regeln betroffen sind. Bereits im Juni hatte eine Analyse in Nature Climate Change darauf hingewiesen, dass indische Stahlunternehmen mit besonders hohen Emissionswerten ihre Exporte in die EU wÀhrend der Berichtsphase reduzierten.
Das indische Handelsministerium reagierte zuletzt mit Informationsveranstaltungen fĂŒr Exporteure, um ĂŒber die Anforderungen bei Stahl und Aluminium aufzuklĂ€ren. Ein Sprecher des Ministeriums betonte dabei die Bedeutung der Exportbereitschaft, wĂ€hrend Vertreter von Exportförderorganisationen wie der EEPC auf die notwendige Etablierung verlĂ€sslicher Verifizierungsmechanismen hinwiesen.
