Chemie-Tarifrunde: Standort schĂŒtzen in schwerer Strukturkrise
15.04.2024 - 14:41:49 | presseportal.de"Die wirtschaftliche Lage der Branche spricht eine eindeutige Sprache: Die VerlustgeschĂ€fte an den deutschen Standorten hĂ€ufen sich. Die Branche erlebt die schwerste Strukturkrise seit Jahrzehnten. Wir mĂŒssen dem Schutz des Chemie-Standorts oberste PrioritĂ€t einrĂ€umen und so BeschĂ€ftigung sichern", erklĂ€rt VerhandlungsfĂŒhrer Hendrik MĂŒller die Position der Chemie-Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz.
Arbeitgeber streben krisengerechten Tarifabschluss an
"Die Produktion am Standort Deutschland ist vielfach nicht mehr wettbewerbsfĂ€hig. Das Wachstum findet im Ausland statt. Die rheinland-pfĂ€lzische Chemie mit ihrem hohen Exportanteil von 70 Prozent ist davon besonders betroffen. Daher brauchen wir jetzt einen Krisentarifvertrag fĂŒr die Branche", betont MĂŒller. Seine Aussagen stĂŒtzen die Zahlen des statistischen Landesamtes fĂŒr das Jahr 2023: Die Chemie-Produktion ist in Rheinland-Pfalz um rund 15 Prozent geschrumpft, zudem fehlt jeder vierte Auftrag. Ein Aufschwung ist nicht in Sicht: mit einer Besserung rechnen die meisten Betriebe laut Arbeitgeber-Umfrage frĂŒhestens im Jahr 2025.
Dass die Inflation die Kaufkraft der Mitarbeitenden gefĂ€hrdet, sehen die Arbeitgeber nicht. "Die BeschĂ€ftigten in unserer Branche erhalten im Durchschnitt mehr als 70.000 Euro pro Jahr. Diesen Januar gab es wieder ein Inflationsgeld von 1.500 EUR und zusĂ€tzlich eine Tabellenerhöhung von 3,25 Prozent. Das ist deutlich mehr als die Inflationsrate", erklĂ€rt MĂŒller.
Standort sichern und BeschÀftigung erhalten
Die Chemie-Branche verhandelt in ganz besonders schwierigen Zeiten: "Wir erleben derzeit schmerzhaft, wie wir Teile der Industrie verlieren. Und wenn wir eine rasche und effektive StĂ€rkung des Industrie-Standortes Deutschland wollen, mĂŒssen wir uns auch darĂŒber unterhalten, wie unser Beitrag als Tarifpartner dazu aussehen kann", so MĂŒller.
Vor diesem Hintergrund bewerten die Arbeitgeber auch die weiteren IGBCE-Forderungen zur StĂ€rkung der Tarifbindung. Zusatzvorteile fĂŒr Gewerkschaftsmitglieder lehnen sie ab. "Dies spaltet die Belegschaften", so MĂŒller. Eine Chance hingegen bietet die Entschlackung der Chemie-TarifvertrĂ€ge. Hier wollen die Arbeitgeber eine Reihe von VorschlĂ€gen in die Verhandlungen einbringen, um die KomplexitĂ€t zu reduzieren und den Chemie-Tarif attraktiver zu machen.
Die Tarifverhandlungen sollen am 14. Mai im thĂŒringischen Teistungen auf Bundesebene fortgesetzt werden. Ansprechpartner ist der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) mit Sitz in Wiesbaden.
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