Chemieindustrie, Warnstreiks

Chemieindustrie: Warnstreiks gegen drohende Nullrunde

01.06.2026 - 15:10:41 | boerse-global.de

Chemie-Beschäftigte protestieren mit Warnstreiks gegen geplante Nullrunde. Gewerkschaften fordern 3,5 Prozent mehr Lohn und lehnen Einmalzahlung ab.

Allwyn AG Aktie: Sonderdividende in Sicht - Bild: über boerse-global.de
Allwyn AG Aktie: Sonderdividende in Sicht - Bild: über boerse-global.de

Die Beschäftigten der chemischen Industrie haben heute mit zweistündigen Warnstreiks gegen eine drohende Nullrunde protestiert. Die Arbeitsniederlegungen folgen auf mehrere ergebnislose Verhandlungsrunden – die siebte Runde soll bereits morgen stattfinden.

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Streit um Nullrunde und Einmalzahlung

Im Zentrum des Konflikts steht der Vorschlag der Arbeitgeber, auf eine tabellenwirksame Erhöhung zu verzichten und stattdessen eine einmalige Zahlung von 250 Euro anzubieten. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA lehnen dieses Angebot entschieden ab. Hubert Bunderla, Chefverhandler der PRO-GE, stellte klar: „Eine Nullrunde werden wir niemals akzeptieren."

Die Arbeitnehmervertreter fordern eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 3,5 Prozent. Zudem verlangen sie eine über der Inflation liegende Anhebung aller Zulagen und Zuschläge. Ein weiterer Punkt ist die Einführung eines bezahlten Gesundheitstages sowie die Aufstockung des sogenannten „Gesundheitshunderter".

Die Gewerkschaften verweisen auf die positive wirtschaftliche Entwicklung der Branche. Laut Statistik Austria verzeichnet die Chemieindustrie derzeit einen starken Aufwärtstrend – ein Umstand, der sich nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter auch in den Gehältern widerspiegeln müsse.

Auch Gastgewerbe und öffentlicher Dienst betroffen

Der Arbeitskampf in der Chemieindustrie ist kein Einzelfall. In Wien sind die Verhandlungen für einen neuen Kollektivvertrag für rund 200.000 bis 240.000 Beschäftigte in der Gastronomie und Hotellerie gescheitert. Nach mehreren Gesprächsrunden konnten sich Wirtschaftskammer und Gewerkschaften nicht einigen – beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld am Stillstand.

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Auch im öffentlichen Dienst knirscht es gewaltig. Im Finanzministerium protestiert die Gewerkschaft gegen ein Sparpaket von Finanzminister Markus Marterbauer, das den Abbau von 500 Stellen vorsieht.

Widerstand gegen Sozialreformen in Deutschland

In Deutschland hat Ver.di-Chef Frank Werneke klare rote Linien für die geplanten Sozialreformen der Bundesregierung gezogen. Als inakzeptabel nannte er unter anderem Einschränkungen des Streikrechts oder des Kündigungsschutzes. Auch eine Anhebung des Renteneintrittsalters, eine Senkung des Rentenniveaus oder die Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit per Weisung des Arbeitgebers lehnt er ab.

Ein Spitzentreffen zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und dem Kanzler ist für den 10. Juni 2026 angesetzt. Werneke warnte: Sollten die geplanten Reformen lediglich ein Synonym für Sozialkürzungen sein, werde seine Organisation zu Protesten mobilisieren. Die Bundesregierung will das Reformpaket noch vor der Sommerpause verabschieden.

Weitere Streiks in Dienstleistung und Verkehr

Auch in anderen Branchen wurde bereits gestreikt oder sind Aktionen angekündigt:

  • Spielbanken: Am 30. und 31. Mai 2026 legten Beschäftigte der Casinos in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz erstmals in der Geschichte dieser Häuser die Arbeit nieder. Ver.di fordert nach der Kündigung aller Tarifverträge durch den Arbeitgeber im September 2025 eine tabellenwirksame Erhöhung von 350 Euro plus drei Prozent, rückwirkend zum 1. Januar 2026.

  • Verkehr in Italien: Mehrere italienische Gewerkschaften, darunter Filt-Cgil und Fit-Cisl, haben für den 11. Juni 2026 zu einem landesweiten achtstündigen Verkehrsstreik aufgerufen. Die Protestaktion von 9:00 bis 17:00 Uhr richtet sich gegen die Risiken der geplanten Neuausschreibung von Fernverkehrsausschreibungen und das Fehlen sozialer Klauseln für die Beschäftigten.

Ob die siebte Verhandlungsrunde für die Chemieindustrie morgen eine Lösung bringt, ist völlig offen. Die Gewerkschaften haben bereits klargemacht, dass sie ohne ein ernstzunehmendes Angebot weiter Druck machen werden.

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