China-Datenkontrolle: Neue Verordnung ab 21. Juni verschÀrft
21.06.2026 - 21:36:49 | boerse-global.de
Eine neue Verordnung zur Datenkontrolle und die erste Verwaltungsvorschrift fĂŒr Auslandsinvestitionen markieren eine ZĂ€sur. Die EU reagiert mit eigenen PlĂ€nen zur Verringerung strategischer AbhĂ€ngigkeiten.
Neue DatenhĂŒrden fĂŒr auslĂ€ndische Firmen
Am 21. Juni veröffentlichte Peking eine Verordnung, die die Datenkontrolle fĂŒr auslĂ€ndische Unternehmen drastisch verschĂ€rft. Die Regelung fĂŒhrt zusĂ€tzliche PrĂŒf- und Dokumentationspflichten ein â sowohl fĂŒr den grenzĂŒberschreitenden Datenverkehr als auch fĂŒr die interne Datenverwaltung.
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Branchenexperten rechnen mit einer stĂ€rkeren Isolierung der China-AktivitĂ€ten internationaler Konzerne. Der Datenaustausch mit den Firmenzentralen im Ausland wird durch die neuen HĂŒrden erheblich erschwert.
SicherheitsprĂŒfung ab Juli
Flankiert wird die VerschĂ€rfung durch die erste Verwaltungsvorschrift fĂŒr Auslandsinvestitionen. Sie tritt am 1. Juli in Kraft und erfasst erstmals auch Privatpersonen.
Die Verordnung etabliert ein SicherheitsprĂŒfsystem mit besonderem Fokus auf sensible Technologien: KĂŒnstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Biotechnologie und neue Energien. Bereits 2025 stiegen Chinas Direktinvestitionen im Ausland um 3,9 Prozent auf rund 4294,2 Milliarden Yuan. Die neuen Regeln sollen diese Kapitalströme stĂ€rker steuern.
EU plant Lieferketten-Diversifizierung
Die EU-Kommission arbeitet an einem Gesetz, das Unternehmen zu einer breiteren Streuung ihrer Lieferanten verpflichten soll. Ziel ist es, die AbhĂ€ngigkeit von einzelnen LĂ€ndern â besonders von China â zu reduzieren.
Als Auslöser gelten die chinesischen ExportbeschrĂ€nkungen fĂŒr Seltene Erden im Jahr 2025. China kontrolliert weiterhin den GroĂteil der weltweiten Verarbeitung dieser kritischen Rohstoffe. EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen stellte in Aussicht, auf eine gesetzliche Regelung zu verzichten, wenn Unternehmen aus eigener Initiative ausreichend diversifizieren.
Das Handelsdefizit zwischen der EU und China liegt bei etwa einer Milliarde Euro pro Tag. 2025 ĂŒberstieg es die Marke von 360 Milliarden Euro.
Technologie-Streit um ASML
Die Spannungen im Hochtechnologiebereich halten an. Die US-Regierung Ă€uĂerte den Verdacht, dass fortschrittliche EUV-Lithografiesysteme des niederlĂ€ndischen Herstellers ASML trotz Exportverboten nach China gelangt sein könnten.
ASML wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck. Das Unternehmen habe noch nie eine EUV-Maschine nach China geliefert und verwies auf ein strenges Compliance-System mit lĂŒckenloser Maschinenverfolgung. Auch das niederlĂ€ndische AuĂenministerium betonte eine konsequente Lizenzpolitik.
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Strengere Regeln fĂŒr autonomes Fahren
Parallel zur allgemeinen Regulierung verschĂ€rft China die Regeln in der Automobilbranche. Das Ministerium fĂŒr Industrie und Informationstechnik veröffentlichte eine verbindliche Norm fĂŒr autonomes Fahren der Stufen L3 und L4.
Neufahrzeuge mĂŒssen die Anforderungen ab dem 1. Juli 2027 erfĂŒllen. Ab 2028 gilt ein Verkaufsverbot fĂŒr Fahrzeuge ohne die neue Norm. Zentraler Bestandteil ist die Pflicht zu einem Datenspeichersystem fĂŒr autonomes Fahren.
Marktbereinigung bei Autoherstellern
Peking setzt gleichzeitig eine Marktbereinigung durch. Acht Fahrzeughersteller verloren am 21. Juni ihre offizielle Lizenz â darunter Brilliance Auto, Zotye Auto und Lifan. Als GrĂŒnde nannte die Regierung fehlende Investitionen in Elektroantriebe und die allgemeine Konsolidierung der Branche.
Deutsch-chinesische Investitionen: Kein Ausverkauf
Eine aktuelle Analyse von rund 50 deutschen Unternehmen mit chinesischen Mehrheitsinvestoren zeigt: Ein systematischer Ausverkauf deutscher Technologie hat bisher nicht stattgefunden. Die UmsĂ€tze der untersuchten Firmen stiegen fĂŒnf Jahre nach der Ăbernahme im Durchschnitt um sechs Prozent, die Beamtenzahlen blieben stabil.
70 Prozent der Unternehmen berichteten von Know-how-Transfer nach China. Ăber 50 Prozent gaben jedoch an, selbst von chinesischem Wissen profitiert zu haben.
Geopolitische Risiken bleiben real: Die Insolvenz des Automobilzulieferers Kiekert 2025 zeigte, wie US-Sanktionen gegen einen chinesischen Mutterkonzern die Kreditvergabe deutscher Banken blockieren können.
Chinas Botschafter Deng Hongbo warb fĂŒr eine Fortsetzung der offenen Zusammenarbeit. Er kritisierte die europĂ€ischen DiversifizierungsplĂ€ne als protektionistisch und verwies auf den gegenseitigen Nutzen â etwa das Engagement von CATL in ThĂŒringen mit ĂŒber 2000 ArbeitsplĂ€tzen.
