EU-China-Handel, Maros Sefcovic

China-Handel: EU-Kommissar Sefcovic fordert in Peking Abbau des Handelsdefizits

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 14:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic fordert bei Gesprächen in Peking einen Abbau des Handelsdefizits mit China. Im Mittelpunkt stehen außerdem der Marktzugang für europäische Unternehmen und der Streit über chinesische Hybridauto-Importe.

EU-Kommissar für Handel Maros Sefcovic möchte sich in Peking für ausgeglicheneren Handel einsetzen. (Archivbild)  - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa
EU-Kommissar für Handel Maros Sefcovic möchte sich in Peking für ausgeglicheneren Handel einsetzen. (Archivbild) - Bild: Jorge Saenz/AP/dpa

EU-Handelskommissar Maros Sefcovic hat zum Auftakt seiner bis Freitag dauernden China-Reise einen ausgeglicheneren Handel mit der Volksrepublik gefordert.

Sefcovic will Handelsdefizit abbauen

„Erster Tag in China, mit einem Ziel: damit beginnen, unser nicht tragbares Handelsdefizit abzubauen“, schrieb Sefcovic auf der Plattform X. Zuvor tauschte er sich mit Vertretern von Unternehmen aus der Europäischen Union in China aus.

Nach dem Treffen müsse der Zugang zum chinesischen Markt verbessert und zugleich die wirtschaftliche Sicherheit der EU gestärkt werden, erklärte der Handelskommissar. Die EU führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von rund 360 Milliarden Euro mehr aus China ein, als sie dorthin exportierte.

Peking setzt auf Gespräche

Das chinesische Außenministerium warb für eine Lösung der Handelsstreitigkeiten im Dialog. Offene Zusammenarbeit und ein gleichberechtigter Austausch lägen im gemeinsamen Interesse beider Seiten, sagte Sprecherin Mao Ning.

Bei den Gesprächen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao soll es neben dem Handelsungleichgewicht auch um den Streit über Hybridautos gehen. China wies Forderungen, seine stark gestiegenen Exporte von Hybridfahrzeugen freiwillig zu begrenzen, bis zuletzt zurück.

EU erwägt Schutzmaßnahme

Als mögliche Reaktion steht eine zeitlich befristete Schutzmaßnahme im Raum. Sie könnte chinesische Hybridimporte durch Einfuhrquoten und hohe Zölle für darüber hinausgehende Lieferungen begrenzen. Nach Einschätzung von Diplomaten wäre dies vermutlich nur möglich, wenn die Regelung auch für andere Handelspartner wie Japan, Südkorea und Großbritannien gelten würde.

Deutschland und Frankreich erhöhen den Druck

Deutschland und Frankreich fordern angesichts wachsender Belastungen für die europäische Industrie ein entschlosseneres Vorgehen gegen chinesische Importe, falls Peking im Handelskonflikt nicht einlenkt. Dazu gehört ein neues Instrument, mit dem der Zugang zum EU-Markt für bestimmte Produkte schnell eingeschränkt werden könnte.

Brüssel wirft China vor, mit staatlichen Subventionen unfairen Wettbewerb zu fördern. Peking warnt dagegen vor protektionistischen Maßnahmen der EU.

Ein strukturelles Ungleichgewicht

Das von der EU beklagte Defizit ist Teil einer langfristigen Verschiebung im Verhältnis zu China. Die EU importiert deutlich mehr Waren aus der Volksrepublik, als sie dorthin exportiert. Für europäische Unternehmen geht es deshalb nicht nur um einzelne Zollentscheidungen, sondern auch um Marktzugang, Subventionen und gleiche Wettbewerbsbedingungen.

Besonders sichtbar ist der Konflikt in der Autoindustrie. Chinesische Hersteller gewinnen in Europa Marktanteile, während Brüssel bereits mit Ausgleichszöllen auf bestimmte Elektroautos reagiert hat. Eine Ausweitung auf Hybridfahrzeuge würde den Streit auf ein weiteres wachsendes Segment ausdehnen und könnte Preise, Lieferketten sowie die Modellpolitik der Hersteller beeinflussen.

Dialog und Schutzmaßnahmen

Die Gespräche in Peking verbinden daher zwei unterschiedliche Ansätze: Die EU will durch Verhandlungen mehr Zugang zum chinesischen Markt und einen Abbau des Handelsungleichgewichts erreichen. Zugleich bereitet sie Schutzinstrumente vor, falls freiwillige Zugeständnisse ausbleiben. Deutschland und Frankreich drängen auf schnellere Reaktionsmöglichkeiten, ohne eine vollständige wirtschaftliche Abkopplung anzustreben.

Für Verbraucher und Unternehmen könnten die Folgen über die Autoindustrie hinausreichen. Einschränkungen bei Importen könnten europäische Anbieter schützen, aber auch Kosten erhöhen oder Gegenmaßnahmen Chinas auslösen. Entscheidend wird sein, ob beide Seiten konkrete Öffnungen vereinbaren und ob die EU ihre Handelspolitik geschlossen vertritt.

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