ROUNDUP, Chinas

Chinas Wirtschaft soll um rund fĂŒnf Prozent wachsen

05.03.2024 - 09:25:23 | dpa.de

China will in diesem Jahr trotz schwerer wirtschaftlicher Probleme ein Wirtschaftswachstum von "rund fĂŒnf" Prozent erzielen - und schraubt den MilitĂ€retat erneut deutlich nach oben.

Diese Vorhaben nannte der chinesische MinisterprĂ€sident Li Qiang am Dienstag zum Auftakt des Volkskongresses in Peking in seinem Rechenschaftsbericht. "Es wird nicht einfach sein, die diesjĂ€hrigen Ziele zu erreichen", schwor Li die 2872 Delegierten ein, die bei Schneeregen in die Große Halle des Volkes kamen. Man mĂŒsse "hart arbeiten" und auf allen Seiten an einem Strang ziehen.

Li machte deutlich, dass die Transformation der Wirtschaft weitergehen mĂŒsse. "Wir sollten an den Prinzipien festhalten, Fortschritt zu verfolgen und gleichzeitig StabilitĂ€t zu gewĂ€hrleisten, StabilitĂ€t durch Fortschritt zu fördern und Neues zu schaffen, bevor wir Altes abschaffen", sagte Li. Die Transformation des Wachstumsmodells mĂŒsse vorangetrieben werden. Auch manche Beobachter erachten die Abkehr vom bisherigen System, das China einen rasanten Wirtschaftsaufschwung garantierte, aber fĂŒr kein nachhaltiges Wachstum sorgte, als eine bessere Wahl fĂŒr das Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern.

KrĂ€ftig investieren will Peking erneut ins MilitĂ€r. Das Verteidigungsbudget wurde laut Haushaltsentwurf um 7,2 Prozent auf 1,67 Billionen Yuan (rund 214 Milliarden Euro) erhöht. Die Entscheidung, den Etat erneut deutlich anzuheben, dĂŒrfte auch mit dem angespannten VerhĂ€ltnis zu Taiwan, das China als abtrĂŒnnige Provinz betrachtet, und umstrittenen GebietsansprĂŒchen im SĂŒdchinesischen Meer zusammenhĂ€ngen. Zwar rechnen Experten bislang nicht mit einem Kriegsausbruch in der Meerenge zwischen China und Taiwan. Allerdings strebt Peking eine Wiedervereinigung mit der Inselrepublik an - notfalls auch mit militĂ€rischen Mitteln.

Die Volksrepublik unterhĂ€lt gemessen an den geschĂ€tzt zwei Millionen aktiven Soldaten die grĂ¶ĂŸte Armee der Welt. Chinas Verteidigungshaushalt ist in den vergangenen Jahren immer stĂ€rker als die Gesamtausgaben des Staats gestiegen. Auch lag der Anstieg meist ĂŒber der Wachstumsrate der Wirtschaft. Der offizielle MilitĂ€rhaushalt gibt nach Angaben von Experten allerdings nur einen Teil der tatsĂ€chlichen Ausgaben wieder, da viele Aufwendungen fĂŒr die Volksbefreiungsarmee auch von anderen Etats gedeckt werden.

Bereits im Vorjahr hatte China ein Wachstum von "rund fĂŒnf Prozent" angestrebt, das letztlich leicht ĂŒbertroffen wurde. Nach offiziellen Angaben des Pekinger Statistikamtes wuchs die zweitgrĂ¶ĂŸte Volkswirtschaft schließlich um 5,2 Prozent. Kritiker bezweifeln allerdings grundsĂ€tzlich die Genauigkeit der chinesischen Wirtschaftsdaten. Dennoch gilt die Höhe des Wachstumsziels als wichtiger Gradmesser und Indikator fĂŒr den wirtschaftspolitischen Kurs der Regierung.

Zuletzt hatte die chinesische Wirtschaft vor allem unter der schwachen globalen Nachfrage, dem kriselnden Immobilienmarkt und dem schwachen Binnenkonsum gelitten. Der chinesische Aktienmarkt steht stark unter Druck.

Angesichts der Wirtschaftskrise hatten sich vor allem in- und auslĂ€ndische Unternehmen in diesem Jahr wichtige Signale vom Volkskongress erhofft. Doch die Signale der Regierung waren bestenfalls zwiespĂ€ltig. Zwar bezeichneten Beobachter das Wachstumsziel von rund fĂŒnf Prozent als durchaus ambitioniert. Auch gab es Anzeichen, dass Peking dem krisengeschĂŒttelten Immobilienmarkt stĂ€rker unter die Arme greifen will. So tauchte in den am Dienstag vorgelegten Regierungsberichten erstmals seit Jahren nicht mehr die Formulierung auf, "dass Wohnungen zum Leben und nicht zum Spekulieren da sind".

Insgesamt fehlten aber Impulse, die auf ein großes Konjunkturpaket schließen lassen. Die Botschaft lautet vielmehr: Peking will Kurs halten und das Geld nicht mit der Gießkanne verteilen. Vor allem Zukunftstechnologien sollen gefördert werden. Bei der Neuverschuldung ist dagegen ZurĂŒckhaltung angesagt.

Wie aus dem Haushaltsentwurf hervorging, soll so das Defizit im laufenden Jahr bei drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. FĂŒr 2022 waren ebenfalls drei Prozent vorgesehen, die aber spĂ€ter auf 3,8 Prozent angehoben wurden.

Li kĂŒndigte zudem an, dass in diesem Jahr mehr als zwölf Millionen neue ArbeitsplĂ€tze in den StĂ€dten geschaffen werden sollen. Außerdem strebt die Regierung wie im Vorjahr eine Arbeitslosenquote von rund 5,5 Prozent an. Die Inflation soll bei rund drei Prozent liegen.

Der Nationale Volkskongress ist das nicht frei gewÀhlte Parlament Chinas unter der Alleinherrschaft der Kommunistischen Partei. Bei seiner jÀhrlichen Sitzung segnen die Abgeordneten die PlÀne und Ziele der Regierung von Staats- und Parteichef Xi Jinping und MinisterprÀsident Li ab. Der Volkskongress tagt noch bis zum kommenden Montag.

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