China, Weltwirtschaft

Chinas Wirtschaft wächst langsamer als erwartet

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 07:02 Uhr, dpa.de

Die chinesische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 4,3 Prozent gewachsen. Starke Exporte können die Schwäche im Inland nicht ausgleichen.

  • Ein starker Außenhandel gibt der chinesischen Wirtschaft Rückenwind. Jedoch kämpft die zweitgrößte Volkswirtschaft auch mit Problemen. (Archivbild).  - Bild: Fang Dongxu/XinHua/dpa
    Ein starker Außenhandel gibt der chinesischen Wirtschaft Rückenwind. Jedoch kämpft die zweitgrößte Volkswirtschaft auch mit Problemen. (Archivbild). - Bild: Fang Dongxu/XinHua/dpa
  • Chinas Statistiker führen den Wachstumsrückgang im zweiten Quartal auf «äußere Faktoren» zurück.  - Bild: Johannes Neudecker/dpa
    Chinas Statistiker führen den Wachstumsrückgang im zweiten Quartal auf «äußere Faktoren» zurück. - Bild: Johannes Neudecker/dpa
  • Chinas Statistiker rechnen mit einer sich bessernden Wirtschaftslage in der zweiten Hälfte des Jahres.    - Bild: Johannes Neudecker/dpa
    Chinas Statistiker rechnen mit einer sich bessernden Wirtschaftslage in der zweiten Hälfte des Jahres. - Bild: Johannes Neudecker/dpa
Ein starker Außenhandel gibt der chinesischen Wirtschaft Rückenwind. Jedoch kämpft die zweitgrößte Volkswirtschaft auch mit Problemen. (Archivbild).  - Bild: Fang Dongxu/XinHua/dpa Chinas Statistiker führen den Wachstumsrückgang im zweiten Quartal auf «äußere Faktoren» zurück.  - Bild: Johannes Neudecker/dpa Chinas Statistiker rechnen mit einer sich bessernden Wirtschaftslage in der zweiten Hälfte des Jahres.    - Bild: Johannes Neudecker/dpa

Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal langsamer als erwartet gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Wachstum von 4,5 Prozent gerechnet. Es war das schwächste Quartalswachstum seit Ende 2022. Im ersten Quartal hatte das Plus noch 5,0 Prozent betragen. Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im Vorjahresvergleich um 4,7 Prozent.

Die Zahlen zeichnen das Bild einer zunehmend zweigeteilten Wirtschaft. Industrie und Außenhandel entwickeln sich weiterhin vergleichsweise stark. Konsum, Investitionen und Immobilienmarkt bleiben dagegen schwach. Die starke Auslandsnachfrage stützt Chinas Industrie, führt bislang aber nicht zu einer breiten Erholung im Inland.

Chinas Statistiker zeigten sich optimistisch. Der Rückgang des Wachstums im zweiten Quartal sei auf «äußere Faktoren» zurückzuführen, sagte der Vize-Kommissar des Statistikamtes Mao Shengyong. Er nannte etwa die Konfliktlage im Nahen Osten und ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft. In China sei besonders die Petrochemie-Branche betroffen gewesen. Alle anderen Sektoren hätten sich jedoch normal entwickelt, erklärte er. 

Produktion und Exporte bleiben stark

Im gesamten ersten Halbjahr wuchs die Industrieproduktion nach Angaben der Statistikbehörde um 5,4 Prozent. Im Juni legte sie um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Vor allem die internationale Nachfrage nach Halbleitern, Computertechnik und Autos stützt die chinesischen Hersteller.

Das zeigte sich auch in den am Vortag veröffentlichten Handelszahlen. Die Exporte stiegen im Juni in US-Dollar gerechnet um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, die Importe legten um 36 Prozent zu.

Der Exportboom dürfte allerdings die Handelskonflikte weiter verschärfen. In Deutschland und der EU wird darüber diskutiert, wie mit den rasch steigenden Einfuhren chinesischer Produkte und den Überkapazitäten in einzelnen Industriezweigen umgegangen werden soll.

Binnenmarkt und Immobilien unter Druck

Im Inland bleibt die Lage dagegen schwierig. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im gesamten ersten Halbjahr lediglich um 1,3 Prozent. Die gesamten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis Juni um 5,7 Prozent zurück. Auch für deutsche Unternehmen in China ist diese Nachfrageschwäche ein Problem. «Die dringend nötige Ankurbelung des Konsums bleibt ganz klar eine unserer zentralen Forderungen», kommentierte Oliver Oehms, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in Nordchina, die aktuellen Zahlen. 

Noch stärker zeigt sich die Schwäche auf dem Immobilienmarkt. Die Investitionen in den Sektor brachen im ersten Halbjahr um 18 Prozent ein. Der Wert der verkauften Neubauimmobilien sank um 13,6 Prozent. Der Abschwung auf dem Immobilienmarkt gilt als Belastung für das Vertrauen und die Kaufbereitschaft vieler Haushalte. 

Laut Statistiker Mao zeigte eine Umfrage seiner Behörde, dass die Immobilienbranche in diesem Jahr mit stabilen oder sogar steigenden Wohnungspreisen rechne. Erste politische Maßnahmen, um die Nachfrage anzukurbeln und den Wohnungsbestand zu senken, hätten Wirkung gezeigt, sagte er. 

Hoffnung auf Wachstum durch KI

Ministerpräsident Li Qiang hatte am Montag bei einem Treffen mit Experten und Unternehmern eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft und weitere Maßnahmen zur Belebung der Binnennachfrage gefordert. Für das Gesamtjahr strebt die chinesische Regierung ein Wachstum zwischen 4,5 und 5 Prozent an. Das Halbjahreswachstum von 4,7 Prozent entspricht damit der Zielspanne für das Gesamtjahr.

Außerdem fördert China verstärkt Zukunftsbranchen wie die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) und erhofft sich dadurch weiteres Wirtschaftswachstum. Der Antrieb dafür soll nicht nur durch neue Wirtschaftszweige entstehen, sondern auch durch Modernisierung mit KI in traditionellen Branchen. 

Unter den führenden Tech-Konzernen wie Alibaba oder Tencent herrscht schon länger starker Konkurrenzkampf, etwa bei der Integration von KI in ihren Apps. Laut Statistikerin Wang Guanhua trugen IT- und Unternehmensdienstleistungen im ersten Halbjahr etwa ein Viertel zum Gesamtwachstum der Wirtschaft bei. Zudem habe der weltweite technologische Wandel in der KI die Nachfrage nach Computerchips enorm erhöht, erklärte Wang. Im ersten Halbjahr hätten Chinas Industrieunternehmen deshalb 279,8 Milliarden Chips hergestellt, ein Anstieg um 23,1 Prozent.

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