Cloud Act 3. Juni: EU stellt SouverÀnitÀt-Gesetz vor
02.06.2026 - 23:23:10 | boerse-global.deDie US-Wettbewerbsbehörde FTC weitet ihre Kartelluntersuchung gegen Microsoft massiv aus â und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem auch die EuropĂ€ische Union schĂ€rfere Regeln fĂŒr Cloud-Dienste plant. Der Druck auf den Windows-Konzern wĂ€chst von zwei Seiten gleichzeitig.
FTC stellt Dutzende Fragen an Konkurrenten
Die Behörde, die ihre Ermittlungen bereits im November 2024 aufgenommen hatte, hat nun förmliche Auskunftsersuchen an mehr als sechs Wettbewerber verschickt. Insgesamt 15 detaillierte Fragen drehen sich um Lizenzpraktiken, Software-BĂŒndelung und Preisstrategien. Besonders brisant: Die Ermittler interessieren sich dafĂŒr, wie Microsoft seine Produkte Windows, Office und Sicherheitslösungen mit der Cloud-Plattform Azure verknĂŒpft.
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Im Zentrum steht eine Ănderung der Lizenzbedingungen aus dem Jahr 2019. Konkurrenten beklagen, dass diese es fĂŒr Kunden deutlich teurer machen, Microsoft-Software auf fremden Cloud-Plattformen zu betreiben â etwa bei Amazon Web Services oder der Google Cloud. Google hatte bereits 2023 Alarm geschlagen und Microsoft vorgeworfen, Kunden unfair an das eigene Ăkosystem zu binden.
Die FTC nimmt zudem die Partnerschaft mit OpenAI unter die Lupe. Die Frage: Ist die Investitionsstruktur eine verdeckte Ăbernahme? Und wie beeinflusst sie den Wettbewerb im Bereich der kĂŒnstlichen Intelligenz? Der Zeitpunkt ist heikel: Im FrĂŒhjahr 2026 meldete Microsoft einen Anstieg der KI-bezogenen UmsĂ€tze um 123 Prozent.
EU want AbhÀngigkeit von US-Clouds reduzieren
Parallel dazu bereitet die EuropĂ€ische Kommission das âCloud and AI Development Actâ vor, das am 3. Juni 2026 vorgestellt werden soll. EntwĂŒrfe, die bereits kursieren, deuten auf eine strategische Wende hin: Europa will bei öffentlichen AuftrĂ€gen verstĂ€rkt auf heimische Anbieter setzen.
Konkret sollen in sensiblen Bereichen wie Banken, Energie und Gesundheitswesen nicht mehr nur die Kosten entscheiden. Auch andere Kriterien sollen eine Rolle spielen â ein klarer Versuch, die AbhĂ€ngigkeit von US-Konzernen zu verringern. Aktuelle Daten zeigen: Amerikanische Firmen kontrollieren rund 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes.
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Ein zentrales Argument fĂŒr die neue Gesetzgebung ist der US Cloud Act. Dieses Gesetz erlaubt amerikanischen Behörden, auf Daten zuzugreifen, die US-Firmen weltweit speichern. Die EU will hier mehr digitale SouverĂ€nitĂ€t gewinnen.
Die langfristigen PlĂ€ne sind ambitioniert: Die DatenzentrumskapazitĂ€ten in Europa sollen sich in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. DafĂŒr wird auch eine Ăberarbeitung des EU-Chips-Gesetzes diskutiert. Im Raum stehen Investitionen von 120 Milliarden Euro, darunter 30 Milliarden Euro speziell fĂŒr KI-Halbleiter.
Weltweite Front gegen Microsoft
Der Druck kommt nicht nur aus Washington und BrĂŒssel. Auch in GroĂbritannien und Japan laufen Ă€hnliche ĂberprĂŒfungen. Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hat den 4. Juni 2026 als Frist fĂŒr Stellungnahmen zum Cloud-Markt gesetzt.
Hinzu kommen juristische Probleme: Am 1. Juni 2026 reichten Spieler eine Sammelklage ein. Sie werfen Microsoft und der Spieleplattform Valve Preisabsprachen auf dem PC-Gaming-Markt vor.
Microsoft selbst, mit einer Marktkapitalisierung von rund drei Billionen Dollar, weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck. Das Unternehmen betont, der Cloud-Markt sei hart umkĂ€mpft. Ob das die WettbewerbshĂŒter ĂŒberzeugt, darf bezweifelt werden.
Frankreich setzt auf eigene KI-Infrastruktur
WĂ€hrend die Regulierungsbehörden ihre Netze enger ziehen, handeln einige europĂ€ische LĂ€nder bereits. Am 1. Juni 2026 kĂŒndigte die französische Regierung ein massives Investitionsprogramm fĂŒr KI-Infrastruktur an. Der japanische Mischkonzern SoftBank will bis 2031 rund 45 Milliarden Euro in französische Datenzentren stecken.
Eine am selben Tag veröffentlichte Umfrage zeigt die Dimension der Herausforderung: 69 Prozent der Unternehmen verlassen sich derzeit vor allem auf US-amerikanische Cloud- und KI-Dienste. Die Frage ist, ob die neuen Regeln diesen Trend tatsÀchlich umkehren können.
