Commerzbank, Unicredit-Übernahme

Commerzbank erzielt 2,7 Milliarden Euro Gewinn trotz Übernahme

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 08:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Commerzbank meldet nach neun Monaten 2026 einen Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro. Parallel bereitet Unicredit die Konsolidierung vor; für Vorstand und Belegschaft stehen weitreichende Veränderungen im Raum.

Commerzbank zwischen Gewinn und Eigentümerwechsel

  • Im dritten Quartal erzielte die Bank 859 Millionen Euro Gewinn, 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Zum 30. September beschäftigte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, davon 25.091 in Deutschland.
  • Die Commerzbank erwartet die noch ausstehenden Freigaben im vierten Quartal oder spätestens Anfang 2027.
  • Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
  • Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa
  • Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa
Gute Geschäfte, aber drohende Übernahme: Der Commerzbank stehen weitere unruhige Wochen bevor. (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa Unicredit-Chef Andrea Orcel hat sich über fast zwei Jahre an die Commerzbank herangepirscht. (Archivbild) - Bild: Roberto Monaldo/LaPresse via ZUMA Press/dpa Das italienische Geldhaus sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. (Archivbild) - Bild: Peter Kneffel/dpa Muss Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp gehen, wenn die Unicredit die Kontrolle übernommen hat? (Archivbild) - Bild: Andreas Arnold/dpa

Commerzbank meldet Rekordgewinn und bereitet Unicredit-Übernahme vor

Die Commerzbank hat in den ersten neun Monaten 2026 rund 2,7 Milliarden Euro Gewinn erzielt und damit ihr Ergebnis aus dem gesamten Vorjahr übertroffen. Gleichzeitig treibt Unicredit die Übernahme des Frankfurter Dax-Konzerns voran und bereitet nach eigenen Angaben bereits die Konsolidierung vor.

Starkes drittes Quartal

Im dritten Quartal erwirtschaftete Deutschlands zweitgrößte börsennotierte Bank unter dem Strich 859 Millionen Euro. Das waren gut 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Für die ersten neun Monate weist der Konzern einen Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro aus, mehr als 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Es ist das beste Ergebnis der Commerzbank für diesen Zeitraum; für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiterhin mindestens 3,4 Milliarden Euro an.

Unicredit sichert sich Zugriff

Unicredit hat sich den Zugriff auf knapp die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert und von der EZB-Bankenaufsicht die Genehmigung zur Kontrollübernahme erhalten. Die italienische Bank erwartet in den kommenden Wochen weitere behördliche Freigaben für ihren Plan.

Unicredit ist in Deutschland bereits mit der Hypovereinsbank vertreten und sieht bei einer Zusammenführung Potenzial für Milliardeneinsparungen. Vorstandschef Andrea Orcel will unter anderem das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Die Commerzbank hatte im Februar 2025 den Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen konzernweit zusätzlich etwa 3.000 Vollzeitstellen wegfallen.

Nach Angaben der Bank haben rund 1.800 Beschäftigte individuelle Vereinbarungen für einen geordneten Übergang getroffen. Für ein freiwilliges Altersteilzeitprogramm entschieden sich demnach mehr als 1.100 Mitarbeitende. Zum 30. September hatte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, davon 25.091 in Deutschland.

Orlopp und Orcel werben um Vertrauen

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erklärte, die starke Geschäftsentwicklung belege das Potenzial des Instituts. Zugleich sagte sie, beide Banken könnten gemeinsam Wert schaffen, indem sie ihre Stärken nutzten.

Der Bund hält gut 13 Prozent und ist damit zweitgrößter Einzelaktionär. Er pocht darauf, dass die Commerzbank auch im Fall einer Übernahme ihre wichtige Rolle bei der Finanzierung des Mittelstands behält.

Führungsspitze vor möglichem Wechsel

Orcel hat angekündigt, die Führungsspitze der Commerzbank neu besetzen zu wollen. Spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027.

Die Commerzbank erwartet, dass die noch ausstehenden Freigaben im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens Anfang 2027 vorliegen. Damit dürften in den kommenden Monaten sowohl die Eigentümerstruktur als auch die Zukunft des Vorstands im Mittelpunkt stehen.

Die Commerzbank steht vor einem ungewöhnlichen Gegensatz: Operativ erzielt sie ihr bislang bestes Ergebnis nach neun Monaten, zugleich verliert sie als eigenständiger Konzern zunehmend Handlungsspielraum. Der Überschuss von rund 2,7 Milliarden Euro stärkt die Position des Frankfurter Instituts, weil er dessen Ertragskraft und damit auch den Wert für Aktionäre sichtbar macht.

Für Unicredit ist die Gewinnentwicklung ein Argument, die geplante Zusammenführung voranzutreiben. Die italienische Bank ist bereits über die Hypovereinsbank im deutschen Markt vertreten und stellt Milliardeneinsparungen in Aussicht. Der angekündigte Abbau von Stellen bei der Commerzbank verschärft deshalb die Frage, ob sich Einsparungen vor allem durch Überschneidungen, das Auslandsnetz oder weitere Effizienzprogramme erzielen lassen.

Folgen für Beschäftigte und Mittelstand

Die Belegschaft steht bereits unter Veränderungsdruck. Zu den bis 2027 geplanten Kürzungen kommen weitere Einsparungen bis 2030; zugleich haben Beschäftigte Übergangs- und Altersteilzeitvereinbarungen geschlossen. Für Kundinnen und Kunden sowie den deutschen Mittelstand ist entscheidend, ob die Commerzbank ihre Rolle als eigenständiger Finanzierungspartner trotz einer möglichen Integration unverändert ausfüllen kann.

In den kommenden Monaten rücken die noch ausstehenden Genehmigungen und die mögliche Neuaufstellung des Vorstands in den Mittelpunkt. Die erwarteten Entscheidungen dürften damit nicht nur die Eigentümerstruktur, sondern auch Strategie, Arbeitsplätze und das deutsche Firmenkundengeschäft prägen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Stern: „Zwischenbilanz: Commerzbank: Rekordergebnis nach neun Monaten“ (05.11.2026)

Der Artikel hebt wie die dpa-Meldung den Gewinn von 859 Millionen Euro im dritten Quartal und das Rekordergebnis nach neun Monaten hervor. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Frage, ob der Mittelstand von der geplanten Übernahme betroffen sein könnte, während die ausstehenden Genehmigungen als nächster Schritt genannt würden.

Die Berichterstattung bestätigt damit die Verbindung von starkem operativem Geschäft und Übernahmeplänen. Offen bleibt insbesondere, wie weit mögliche Einsparungen reichen und welche Folgen sie für die Führung und das deutsche Geschäft hätten.

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