Crash, China

Crash! China vs. Nasdaq-Bubble – Ihre Chance (Teil III)

Veröffentlicht: 20.06.2007 um 09:33 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

In unseren Kolumnen der vergangenen beiden Wochen haben wir immer wieder vor Engagements am chinesischen Aktienmarkt gewarnt. Wie haben darauf hingewiesen, dass eine Korrektur dort aus unserer Sicht überfällig ist. Wir haben unseren Lesern zudem wärmstens empfohlen, sich aus diesem Grund das REVERSE BONUS QUANTO ZERTIFIKAT auf den HANG SENG CHINA H-FINANCIAL INDEX (ABN AMRO WKN: AA0H89) ins Depot zu legen. Dieses Papier bildet den Hongkonger Finanzaktien-Index „negativ“ ab und steigt in dem gleichen Maße, wie dieser fällt. Anstatt zu fallen, hat der A-Share Index aber erst einmal die Korrektur von Ende Mai / Anfang Juni ausgebügelt, bei der er innerhalb weniger Tage um immerhin 15 Prozent eingeknickt ist. Um etwa diesen Wert ist der chinesische Inlandsbörsen-Index mittlerweile wieder gestiegen, während das von uns bejubelte Zertifikat Federn lassen musste. Dies ist mehr als ärgerlich. Allerdings kann gerade diese Entwicklung jeden Skeptiker nur bestätigen und bestärken. Man darf bei alledem nicht vergessen, dass der enorme Anstieg der vergangenen Tage wieder einmal ohne jeden ersichtlichen Grund stattgefunden hat. Selbst ausgesprochene China-Optimisten gestehen ein, dass es fast nur noch Liquiditätsüberschüsse und der überbordende Optimismus der dortigen Bevölkerung sind, die diesen Markt in immer luftigere Höhen treiben. Darüber hinaus haben die letzten Korrekturen aus absolut nichtigen Anlässen stattgefunden - und sind außerdem von Mal zu Mal schärfer ausgefallen. Wann der nächste „nichtige Anlass“ kommt, der das Fass zum Überlaufen bringt, ist natürlich schwer zu sagen. Immerhin: Die chinesische Regierung steht schon bereit, um neue Drosselungs-Maßnahmen zu verkünden. Sie schwingt zudem (auch aus anderen Gründen) mit der Keule steigender Leitzinsen. Chinas Politiker schätzen die Situation glasklar ein. Sie können es sich nicht leisten, dass sich die Aktienmarkt-Blase noch weiter aufbläht (lesen Sie dazu auch: „Chinas Regierung muss und wird die Börsen-Rallye stoppen“ auf www.emfis.com). Wer nimmt die chinesische Aktienmarkt-Rallye noch für voll? Wer sucht hier noch ernsthaft nach kaufenswerten Titeln? Wer investiert in Shanghai noch in Unternehmen, die zur gleichen Zeit in Hongkong mit Abschlägen von 30, 40 oder 50 Prozent gehandelt werden? Als die China CITIC Bank am selben Tag in Shanghai und Hongkong an die Börse ging, zogen deren Aktien in Hongkong um 14 Prozent an. Im chinesischen A-Share-Segment haben sie sich knapp verdoppelt. Stellen sich Chinas Investoren tatsächlich noch die Frage nach „angemessenen Bewertungen“ und ähnlich antiquierten Dingen? Oder ist es albern, sich diese Frage zu stellen? Chinas Aktienmarkt befindet sich im Endstadium einer massiven Blasen-Bildung. Dies ist mehr als nur ein Verdacht. Und wie bei allen Blasen hofft jeder darauf, dass andere Zocker den Markt noch weiter nach oben treiben. Vor allem Chinas Kleinanleger tun dies zweifellos voller Begeisterung. Man schätzt, dass die Privatanleger dort zuletzt für 80 Prozent der Umsätze verantwortlich waren. 300.000 Chinesen – vom Hotelbesitzer bis zum Schuhputzer – eröffnen jeden Tag ein Wertpapier-Depot. Insgesamt dürfte es bereits 100 Millionen chinesische Kleinanleger geben. Viele von ihnen kaufen noch nicht einmal aufgrund von Empfehlungen oder Gerüchten, sondern nach „Glückzahlen“ und aufgrund zahlenmystischer Spekulationen. Es kommt noch besser: Immer mehr chinesische Kleinanleger haben sich Hals über Kopf verschuldet, um an der Börse dabei sein zu können. Das Volumen der privaten Kredite mit kurzer Laufzeit ist im vierten Quartal 2006 um 52 Prozent nach oben geschossen, während im Vorjahr nur ein Anstieg um 2 Prozent stattgefunden hat. Im ersten Quartal dieses Jahres schließlich schwoll das Kreditvolumen um 63 Prozent an. Es ist völlig offensichtlich, dass ein Großteil dieser Darlehen direkt in überteuerte chinesische Aktien geflossen ist. Chinas Regierung bemüht sich zwar, solche riskanten Praktiken zu unterbinden; dürfte damit aber auf verlorenem Posten stehen. Es ist ein Gerücht, dass die hohen Kursschwankungen in Shanghai für Chinesen nichts Ungewöhnliches seien. In den Jahren 2001 bis 2005 glich der dortige Aktienmarkt eher einer unbewegten Pfütze als einem stürmischen Ozean. Erst in den vergangenen beiden Jahren hat die Volatilität rapide zugenommen und jetzt neue Höchststände erreicht. Auch riesige Unternehmen wie Air China oder Yanzhou Coal vollziehen inzwischen Schwankungen von teilweise 10 Prozent pro Tag. Von den erfahrenen Marktbeobachtern wird dies nur scheinbar nicht zur Kenntnis genommen. Denn die enorm gestiegene Schwankungsbreite ist das wahrscheinlich klarste Indiz dafür, was dem chinesischen Markt bald bevorsteht: ->Der chinesische A-Share-Index ist seit Ende 2005 um 254 Prozent gestiegen. Indessen hat der Hang Seng Index in Hongkong 2006 nur 66 Prozent und 2007 bisher 1,7 Prozent zugelegt. ->in Taiwan zog der Markt von 1985 bis 1988 wie der heute der chinesische A-Share-Index oder der Shanghai Composite Index kontinuierlich an. 1988 brach er dann unvermittelt ein und gab binnen vier Wochen 48 Prozent seines Wertes ab. ->1996 konnte in Hongkong der „Red Chip Index“ (Hang Seng China-Affiliated Corporations Index) binnen 18 Monaten knapp 400 Prozent hinzugewinnen. Er brach Mitte 1997 dann aber innerhalb eines Jahres um 86 Prozent (!!!) ein – und befindet sich heute erst wieder bei rund 50 Prozent des damaligen Höchststands. Soviel zu den gängigen chinesischen Fallbeispielen. Kehren wir nun aber zu jenem faszinierendem Chart-Bild zurück, mit dem diese Kolumnen-Reihe ihren Anfang nahm: Dem Vergleich zwischen der Kursentwicklung des Nasdaq Composite Index (1998 bis März 2000) mit dem Shanghai Composite Index (2005 bis heute). Wen diese Darstellung nicht beunruhigen kann, dem ist nicht mehr zu helfen. Den übrigen Anlegern raten wir allerdings, aus diesem Szenario entschlossen ihre Konsequenzen zu ziehen.

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