CSRD-Berichterstattung, Analysen

CSRD-Berichterstattung: 120 Analysen zeigen Shift zu strategischer ESG

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 03:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Unternehmen nutzen Nachhaltigkeitsdaten zunehmend strategisch. EFRAG-Entwurf erweitert Berichtspflicht auf große Nicht-EU-Konzerne ab 2029.

CSRD-Berichte 2025: ESG-Daten werden zum strategischen Steuerungsinstrument
Digitale ESG-Datenvisualisierungen und Nachhaltigkeitskennzahlen auf einem modernen Bildschirm in einem BĂŒro. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach der CSRD-Richtlinie erreicht in Europa eine neue Stufe. Eine Analyse von ĂŒber 120 Berichten fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 zeigt: Unternehmen nutzen ESG-Daten zunehmend zur strategischen Steuerung statt nur zur ErfĂŒllung gesetzlicher Vorgaben. Im Fokus stehen nun DatenqualitĂ€t und die Einbindung in die UnternehmensfĂŒhrung.

Öko-Standards: Hohe Quote, unterschiedliche Schwerpunkte

Die Anwendung der europÀischen Berichtsstandards (ESRS) fÀllt je nach Thema unterschiedlich aus. Rund 80 Prozent der untersuchten Unternehmen berichten bereits zum Standard ESRS E5, der Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft abdeckt. Jeweils die HÀlfte der Firmen macht Angaben zu Wasser- und Meeresressourcen (ESRS E3) sowie Umweltverschmutzung (ESRS E2). Deutlich seltener thematisiert wird der Schutz der biologischen Vielfalt (ESRS E4): Nur etwa 40 Prozent adressieren das Thema.

Besonders groß ist die Kluft bei den Emissionszielen. 60 Prozent der Unternehmen nennen Reduktionsziele fĂŒr Scope 1 und 2, also direkte Emissionen und eingekaufte Energie. Konkrete Ziele fĂŒr Scope 3 – die gesamte Wertschöpfungskette – veröffentlichen dagegen nur 23 Prozent. Die DatenqualitĂ€t bleibt ein Stolperstein: 42 Prozent der Gesellschaften stellten bei der Berichterstattung Fehler in den Vergleichsdaten frĂŒherer Perioden fest.

EFRAG öffnet Rahmen fĂŒr Nicht-EU-Konzerne

WĂ€hrend sich die Standards innerhalb der EU etablieren, weitet die Beratergruppe EFRAG den Kreis der Berichtspflichtigen aus. Ein Ende Juli veröffentlichter Entwurf fĂŒr den Standard ESRS-40a richtet sich an Nicht-EU-Unternehmen mit mehr als 450 Millionen Euro Umsatz in der EU. Betroffen sind schĂ€tzungsweise bis zu 800 Konzerne, vornehmlich aus den USA, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und Japan.

Anders als fĂŒr EU-ansĂ€ssige Firmen sieht der Entwurf eine reine Auswirkungsorientierung („Impact-Only“) vor – das Prinzip der doppelten Wesentlichkeit entfĂ€llt. Die Berichtspflicht soll ab 2029 fĂŒr das jeweils vorangegangene GeschĂ€ftsjahr greifen. Die PrĂŒfung erfolgt zunĂ€chst mit begrenzter Sicherheit („Limited Assurance“). Die Konsultationsphase lĂ€uft noch bis zum 31. Oktober 2026.

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Nachhaltigkeit als Karrierefaktor

Über die regulatorische Pflicht hinaus gewinnt Nachhaltigkeit an strategischer Bedeutung – etwa bei der Finanzierung und der Suche nach FachkrĂ€ften. Finanzexperten warnen: Unternehmen ohne valide ESG-Daten riskieren schlechtere Kreditkonditionen oder Auftragsverluste in der Lieferkette. Eine aktuelle Studie zeigt zudem, dass 55 Prozent der europĂ€ischen Arbeitgeber Nachhaltigkeit fest in ihre Personalstrategie integriert haben – in Deutschland sind es 47 Prozent. 58 Prozent der Bewerber suchen gezielt nach nachhaltig agierenden Unternehmen, fĂŒr viele wiegt die Sinnhaftigkeit der TĂ€tigkeit schwerer als das Gehalt.

Auch Organisationen außerhalb der direkten Berichtspflicht ziehen nach. Die UniversitĂ€t Paderborn veröffentlichte Ende Juli ihre erste Nachhaltigkeitsstrategie, die sich an den CSRD-Vorgaben orientiert. Der zustĂ€ndige VizeprĂ€sident Prof. Dr. RenĂ© Fahr betonte, die systematische Erfassung von Auswirkungen, Risiken und Chancen bilde die Grundlage fĂŒr einen partizipativen Entwicklungsprozess.

Industrie kÀmpft mit Umsetzung

Trotz gefestigter Berichtsstrukturen bleibt die operative Umsetzung anspruchsvoll. Heidelberg Materials steigerte im zweiten Quartal 2026 den Umsatz um 6,4 Prozent auf 6 Milliarden Euro – die spezifischen Netto-CO2-Emissionen verharren jedoch bei 510 Kilogramm pro Tonne auf Vorjahresniveau. Nachhaltige Produkte machen derzeit 38 Prozent des Umsatzes aus, bis 2030 sollen es 50 Prozent sein.

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FĂŒr Unternehmen, die ökologische Gegenleistungen im Rahmen von Energiekostenentlastungen nachweisen mĂŒssen, drĂ€ngt die Zeit: Die Frist fĂŒr AntrĂ€ge zur Strompreiskompensation wurde bis zum 17. August 2026 verlĂ€ngert. Die BestĂ€tigung muss elektronisch mit qualifizierter Signatur eingereicht werden.

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