CSRD-Compliance, CFOs

CSRD-Compliance: CFOs haften ab 2026 persönlich bei Verstößen

Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 13:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

SANHA legt ersten CSRD-konformen Nachhaltigkeitsbericht vor. Die EU flexibilisiert Standards, während ab 2026 persönliche Haftungsrisiken für Finanzvorstände drohen.

SANHA veröffentlicht CSRD-Bericht: EU lockert Nachhaltigkeitspflichten
Führungskraft im modernen Büro bei der Analyse von Nachhaltigkeitsdaten zur CSRD-Berichterstattung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die SANHA GmbH & Co. KG hat Mitte August einen positiven Geschäftsverlauf für das erste Halbjahr 2026 bekannt gegeben. Zeitgleich veröffentlichte das Unternehmen seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht, der gemäß den Anforderungen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erstellt wurde.

Die Implementierung dieser neuen Transparenzpflichten erfolgt in einem regulatorischen Umfeld, das zuletzt durch Anpassungen der europäischen Berichtsstandards geprägt war.

Erleichterungen und Anpassungen der EU-Berichtsstandards

Die Rahmenbedingungen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung wurden durch die EU-Standards (ESRS) teilweise flexibilisiert. Unternehmen haben nun die Möglichkeit, die Wesentlichkeit einzelner Berichtspunkte selbst zu bewerten.

Für Betriebe mit weniger als 750 Mitarbeitern wurde zudem die verpflichtende Berichterstattung über indirekte Emissionen, den sogenannten Scope 3, um ein Jahr verschoben. Weitere Berichtsbereiche wie die Biodiversität sowie Angaben zu Mitarbeitern in der Wertschöpfungskette sind für einen Zeitraum von zwei Jahren optional gestellt worden.

Zusätzlich sieht das EU-Omnibus-Paket eine Verschiebung bestimmter CSRD-Pflichten vor. Während die Anforderungen für große Unternehmen vereinfacht wurden, sind kleine Unternehmen gänzlich von der Berichtspflicht ausgenommen. Diese regulatorischen Anpassungen folgen auf eine Phase der Unsicherheit in der Wirtschaft.

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Laut Daten von Morgan Stanley fühlten sich im Jahr 2023 noch 88 % der westeuropäischen Unternehmen nicht ausreichend auf die CSRD vorbereitet, obwohl 94 % der Betriebe das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich als geschäftliche Chance einstuften.

Verschärfte Haftungsrisiken für die Geschäftsführung

Trotz der punktuellen Erleichterungen bei den Inhalten steigen die Anforderungen an die Verantwortlichkeit des Managements. Ab dem Jahr 2026 haften Finanzvorstände (CFOs) persönlich bei Verstößen gegen die CSRD-Vorgaben. Ein entsprechendes internes Kontrollsystem für Umwelt-, Sozial- und Governance-Daten (ESG-IKS) wird für das Geschäftsjahr 2027 als Standard erwartet.

Experten weisen darauf hin, dass klassische D&O-Versicherungen (Directors and Officers) Bußgelder in diesem Bereich üblicherweise nicht abdecken, weshalb eine nachweisbare Sorgfalt bei der Datenerhebung und Berichterstattung zwingend erforderlich ist.

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Technologische Lösungen und internationale Vorreiter

Um den hohen Dokumentationsaufwand der doppelten Wesentlichkeitsanalyse zu bewältigen, setzen Unternehmen vermehrt auf digitale Unterstützung. Im August wurde mit der KI-gestützten Plattform 'Novisto Materiality' eine Lösung vorgestellt, die diese Analysen automatisiert und Bewertungen in Echtzeit ermöglichen soll.

Die Umsetzung der CSRD-Vorgaben wird bereits seit längerer Zeit von Pilotunternehmen vorangetrieben. So veröffentlichte die AKTOR Group bereits im Juni 2025 ihren ersten konformen Nachhaltigkeitsbericht für das Geschäftsjahr 2024. Dieser enthielt bereits eine vollständige Treibhausgas-Bilanz sowie eine Klimaresilienz-Analyse. Das Unternehmen konnte in diesem Zusammenhang ein EcoVadis-Rating erzielen, das es unter die weltweit besten 15 % einstufte.

Auf politischer Ebene gibt es derweil Bestrebungen, die Belastungen für die Wirtschaft weiter zu begrenzen. Bereits im Mai 2025 kündigte Dänemarks Wirtschaftsminister Morten Bødskov weitreichende Änderungen und eine vorübergehende Pause bei der Einführung nationaler Berichtspflichten an, um die Zahl der betroffenen dänischen Unternehmen zu reduzieren.

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