Cyberangriffe, Supermärkte

Cyberangriffe legen Kühlanlagen in deutschen Supermärkten lahm

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 16:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In mehreren Märkten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen verdarben Lebensmittel, nachdem Kühlanlagen aus der Ferne manipuliert worden sein sollen. Ein Betreiber beziffert den Schaden auf mehr als 360.000 Euro; europaweit laufen Ermittlungen und Krisenabstimmungen.

Schäden und Ermittlungen in mehreren Märkten

  • In Lilienthal fielen Bedientheken, Kühlhäuser und Tiefkühltruhen in der Nacht auf Montag aus.
  • Die Anlagen in dem niedersächsischen Supermarkt heizten sich nach Angaben des Inhabers auf 30 Grad auf.
  • In Raesfeld wird noch geprüft, ob der Ausfall der Kühlung auf einen Hackerangriff zurückgeht.
  • Das Ausmaß der Cyberangriffe auf Kühlsysteme ist noch nicht konkret zu erfassen. (Symbolbild) - Bild: Philip Dulian/dpa
  • In einem Supermarkt in Wetter mussten wegen des Hackerangriffs große Mengen gekühlter Lebensmittel entsorgt werden. - Bild: AWO Ennepe-Ruhr/dpa
Das Ausmaß der Cyberangriffe auf Kühlsysteme ist noch nicht konkret zu erfassen. (Symbolbild) - Bild: Philip Dulian/dpa In einem Supermarkt in Wetter mussten wegen des Hackerangriffs große Mengen gekühlter Lebensmittel entsorgt werden.  - Bild: AWO Ennepe-Ruhr/dpa

Hacker legen Kühlungen in deutschen Märkten lahm

Nach einer Serie von Cyberangriffen auf Kühlanlagen in europäischen Supermärkten untersucht die Polizei mehrere Fälle in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sollen Täter Kühlungen aus der Ferne manipuliert und dadurch das Verderben von Lebensmitteln verursacht haben.

Waren im Wert von 360.000 Euro entsorgt

In Lilienthal bei Bremen fiel in der Nacht auf Montag die Kühlung eines Supermarkts aus. Bedientheken, Kühlhäuser und Tiefkühltruhen heizten sich nach Angaben des Inhabers auf 30 Grad auf; Waren im Wert von mehr als 360.000 Euro mussten entsorgt werden.

Mehrere Fälle in Nordrhein-Westfalen

In Wuppertal, Wetter-Volmarstein und Raesfeld im Münsterland wurden ebenfalls Kühlanlagen gestört. In Wuppertal und Wetter seien große Mengen an Lebensmitteln verdorben, in Raesfeld werde noch geprüft, ob ein Hackerangriff die Ursache gewesen sei.

Angriff über Fernwartungsfirma

Beim von der Arbeiterwohlfahrt betriebenen Supermarkt in Wetter-Volmarstein sei die Firma angegriffen worden, die die Kühlanlagen aus der Ferne wartet. Auch beim Markt in Wuppertal gehen die Ermittler davon aus, dass Hacker die Temperatur aus der Ferne hochgestellt haben.

Angriffe in mehreren europäischen Ländern

In den vergangenen Tagen wurden auch aus Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden manipulierte Kühlanlagen gemeldet. Mitte Oktober hatte ein großangelegter Angriff bereits Märkte mehrerer französischer Lebensmittelketten betroffen.

EU koordiniert Reaktion

Die EU-Kommission berief zwei Krisentreffen ein, an denen unter anderem die EU-Cybersicherheitsagentur Enisa und Europol beteiligt waren. Die Ermittlungen laufen bei den nationalen Behörden; wer hinter den Angriffen steckt, ist bislang unklar.

Mehr Schutz für vernetzte Technik gefordert

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger rief zu zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen für digitale Gebäude- und Betriebstechnik auf. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hatte Unternehmen und Verwaltungen bereits zuvor zu mehr Vorsorge aufgefordert.

Die Angriffe treffen eine besonders sensible Schnittstelle moderner Supermärkte: Kühlanlagen werden zunehmend digital überwacht und von externen Dienstleistern gewartet. Dadurch können Störungen nicht nur den Geschäftsbetrieb, sondern unmittelbar die Kühlkette und damit große Warenmengen betreffen.

Der Fall in Lilienthal zeigt die wirtschaftliche Größenordnung eines solchen Eingriffs. Der Betreiber bezifferte den Verlust auf mehr als 360.000 Euro; zusätzlich entstehen Kosten für Entsorgung, Ersatzbeschaffung und die vorübergehende Einschränkung des Verkaufs. Für Verbraucher bedeutet der Vorfall nicht automatisch eine Gefährdung der Lebensmittelversorgung, wohl aber mögliche lokale Ausfälle und leere Kühlregale.

Angriffe über technische Dienstleister

Mehrere der bekannt gewordenen Fälle weisen auf Fernwartungs- oder Steuerungssysteme hin. Das vergrößert die Angriffsfläche, weil nicht nur einzelne Märkte, sondern potenziell mehrere Kunden eines Dienstleisters betroffen sein können. Die zeitliche Nähe zu Vorfällen in anderen europäischen Ländern erhöht den Druck auf Betreiber, Behörden und Hersteller, Zugänge besser abzusichern und Notfallverfahren zu testen.

Für die Ermittlungen ist entscheidend, ob dieselbe technische Infrastruktur, ein gemeinsamer Dienstleister oder lediglich ein ähnliches Vorgehen dahintersteht. Die EU-weiten Krisentreffen sollen den Informationsaustausch zwischen nationalen Behörden verbessern. Unabhängig von der späteren Täterzuordnung dürfte der Schutz vernetzter Betriebs- und Gebäudetechnik damit stärker in den Mittelpunkt der Cybersicherheit rücken.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „EU warnt: Cyberangriff auf Kühlanlagen in neun Ländern zielt auf Lebensmittelkette“ (03.11.2026)

Der Beitrag ordne die Vorfälle als europaweiten Angriff auf die Lebensmittelkette ein und beschreibe Störungen in mindestens neun Ländern. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf die internationale Ausbreitung und mögliche Schwachstellen älterer Fernsteuerungssysteme; die Urheberschaft bleibe offen.

tagesschau.de: „Cyberangriffe auf Kühlanlagen auch in deutschen Supermärkten“ (03.11.2026)

Der Artikel bestätige die Fälle in deutschen Märkten und ergänze einen betroffenen Markt in Reisbach sowie Ermittlungen der Kriminalpolizei in Landshut. Sein Schwerpunkt liege auf den konkreten technischen Folgen und dem strafrechtlichen Verdacht, während die Täterfrage weiterhin offenbleibe.

Beide Beiträge stimmten in der grenzüberschreitenden Dimension und den verdorbenen Waren überein. Unterschiede ergäben sich vor allem beim regionalen Fokus; offen blieben die gemeinsame technische Ursache und die Verantwortlichen.

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