Cybersicherheit: NIS2-Frist verstrichen, nur 18.845 Kliniken registriert
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 06:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kliniken und Praxen stehen vor massiven neuen Schulungsanforderungen â von Cybersicherheit bis Katastrophenpflege.
IT-Sicherheit wird zur Pflicht
Die NIS2-Registrierungsfrist fĂŒr Gesundheitseinrichtungen endete am 31. Juli â mit ernĂŒchterndem Ergebnis. Nur rund 18.845 Institutionen meldeten sich an, erwartet wurden etwa 29.500. Das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verzichtet vorerst auf OrdnungsmaĂnahmen. Das Bundesinnenministerium prĂŒft derweil die Meldezahlen.
Parallel unterstĂŒtzt das BSI Arzt- und Psychotherapiepraxen bei der Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 390 SGB V. FĂŒr Arztpraxen gilt sie seit Oktober 2025, fĂŒr Zahnarztpraxen seit Januar 2026. Quick-Checks und Notfallkarten sollen die WiderstandsfĂ€higkeit gegen Cyberangriffe stĂ€rken. DatendiebstĂ€hle in niedersĂ€chsischen Kliniken im ersten Halbjahr 2026 hatten die Verwundbarkeit des Sektors deutlich gemacht.
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Auch international steigt der Druck. In den Niederlanden tritt am 15. August die Cyberbeveiligingswet (Cbw) in Kraft. VorstĂ€nde von Gesundheitseinrichtungen mĂŒssen dann binnen zwei Jahren eine zweitĂ€gige Pflichtschulung absolvieren. Polen setzt ebenfalls auf groĂflĂ€chige Fortbildungen: Ăber 700 Mitarbeiter eines Krankenhauses in Bytom durchliefen im August Cybersicherheits-Schulungen, finanziert aus dem nationalen Aufbauplan.
Training fĂŒr den Ernstfall
Simulationen sollen medizinisches Personal auf Extremsituationen vorbereiten. In der Steiermark trainierten rund 20 FachkrĂ€fte aus Geburtshilfe, AnĂ€sthesie und Pflege die Behandlung einer Fruchtwasserembolie â einer seltenen, aber lebensbedrohlichen Komplikation. Ziel: interdisziplinĂ€re AblĂ€ufe im KreiĂsaal optimieren.
In Niederösterreich absolvierten Anfang August 80 NotĂ€rzte und SanitĂ€ter ein Training mit ReanimationsĂŒbungen und GroĂschadensszenarien wie GebĂ€udebrĂ€nden. Experten betonen: Theoretische AblĂ€ufe greifen bei IT-AusfĂ€llen oder Katastrophen nur, wenn sie regelmĂ€Ăig unter realistischen Bedingungen geĂŒbt werden.
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Neue Wege in der Pflegeausbildung
Das Deutsche Rote Kreuz startete Anfang August ein bundesweites Qualifizierungsprogramm fĂŒr âDisaster Nursingâ. Die Katastrophenpflege soll fest in der Pflegeausbildung verankert werden. Zudem bildet das DRK LehrkrĂ€fte an Hochschulen und Pflegeschulen weiter.
In Brandenburg wurde eine neue WeiterbildungsstĂ€tte fĂŒr âInterventionelle Kardiologieâ anerkannt. Die dreijĂ€hrige Zusatzqualifikation setzt eine zweijĂ€hrige klinische Erfahrung voraus.
Streit um Personalvorgaben
Die Schulungsoffensive fÀllt in eine Phase grundlegender Reformen. Der Bundestag beschloss am 6. MÀrz das Anpassungsgesetz zur Krankenhausreform, das eine Finanzierung nach Versorgungsstufen vorsieht.
BranchenverbĂ€nde warnen jedoch vor RĂŒckschritten beim Personalschutz. Der Bundesverband Pflegemanagement kritisierte PlĂ€ne, das Pflegebudget zurĂŒck ins Fallpauschalensystem (DRG) zu fĂŒhren. Das wĂŒrde die Personalbemessungsinstrumente wie PPR 2.0 schwĂ€chen. Die WHO sieht sichere Personalbesetzung als Grundlage der PflegequalitĂ€t â daran erinnert der Verband nun eindringlich.
