Deutschland, Nordrhein-Westfalen

Marketing-Experte: «Galeria wird nicht mehr gebraucht»

24.04.2026 - 05:01:04 | dpa.de

Das Warenhausunternehmen steckt erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Kann Galeria noch die Wende schaffen? Der Wirtschaftswissenschaftler Martin Fassnacht ist «sehr pessimistisch».

Die Warenhauskette Galeria hat 83 Filialen in rund 70 Städten. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Warenhauskette Galeria hat 83 Filialen in rund 70 Städten. - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Nach Bekanntwerden der angespannten finanziellen Lage der Warenhauskette Galeria zweifelt der Marketing-Experte Martin Fassnacht an deren Zukunft. «Ich bin sehr pessimistisch. Die Frage ist doch: Wer würde Galeria vermissen? Auf Kundenseite fast niemand», sagte der Professor für Strategie und Marketing an der Düsseldorfer Wirtschaftshochschule WHU. «Ich bedaure, das zu sagen, aber Galeria wird nicht mehr gebraucht.»

Fassnacht sprach von einem «Trauerspiel», auch für die 12.000 Beschäftigten. Diese müssten sich nach drei Insolvenzen innerhalb kurzer Zeit erneut Sorgen um ihre Jobs machen und nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten umschauen. Er zeigte sich skeptisch, dass Galeria die Wende gelingt. «Wenn die Sehnsucht so groß wäre, würden doch viel mehr Menschen dort einkaufen. Dann wäre das Unternehmen nicht schon wieder in Schwierigkeiten.» 

Der Experte sieht dafür mehrere Gründe. Die Kette habe kein Konzept. Zudem kauften immer mehr Menschen online ein - vor allem Produkte, die auch bei Galeria angeboten würden, wie etwa Mode. Fassnacht zufolge gibt es im stationären Einzelhandel durchaus erfolgreiche Geschäftsmodelle. Als Beispiele nannte er Action und Müller. Beide hätten ein klares Konzept und einen Wettbewerbsvorteil. Müller sei «eine Drogerie mit Warenhaus-Charakter» und breitem Zusatzsortiment aus Parfümerie, Spielwaren, Schreibwaren und Medien, sagte Fassnacht. Der Discounter Action böte einen Schnäppchen- und Entdeckungsreiz, der Kunden dazu bringe, regelmäßig vorbeizukommen.

Weitere Filialschließungen möglich

Kürzlich war bekanntgeworden, dass Galeria zahlreiche Vermieter um eine Stundung der Mietzahlungen gebeten hat. Das Unternehmen begründete dies mit Schwankungen der Liquidität und bestätigte zudem, von seinem Minderheitsgesellschafter Bain Capital einen neuen Kredit erhalten zu haben. Einige Vermieter beklagten, dass Mietzahlungen zuletzt ausgeblieben waren.

Ein Ersuchen um Stundung sei «keine normale kaufmännische Routine», sagte der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller. Er geht davon aus, dass bei Galeria derzeit der Jahresabschluss erstellt wird. Wirtschaftsprüfer erwarteten einen Nachweis, dass ein Unternehmen auch in den kommenden zwölf Monaten seine fälligen Verbindlichkeiten bezahlen könne.

«Da Vermieter zu den größten Gläubigern eines Warenhauses zählen, kann eine Stundung genügen, um eine sonst möglicherweise bestehende, offene Lücke zu schließen.» Den Kredit bezeichnete er als «Tropfen auf den heißen Stein». Hunkemöller ist Honorarprofessor mit den Fachgebieten Sanierungs- und Insolvenzmanagement an der International School of Management in Dortmund. 

Bereits im März hatte Galeria angekündigt, mittelfristig auslaufende Mietverträge von acht Standorten neu zu verhandeln. Das Unternehmen räumte dabei ein, dass weitere Filialschließungen möglich sind. Derzeit betreibt Galeria 83 Filialen. Anfang 2024 hatte die Kette erneut Insolvenz anmelden müssen. Neun Häuser wurden daraufhin geschlossen.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69240292 |

Weitere Meldungen

In Wenden gefundener Schädel gehört zu getöteter 32-Jähriger. Die Ermittler stehen aber noch vor weiteren Fragen. Nach dem Fund eines menschlichen Schädels im Kreis Olpe steht fest: Er gehört zu einer getöteten 32-Jährigen. (Unterhaltung, 24.04.2026 - 11:38) weiterlesen...

Medien: Ex-BVB-Coach Terzic wird Trainer in Bilbao. Der 43-Jährige soll den Trainerposten beim spanischen Club Athletic Bilbao übernehmen. Edin Terzic kehrt offenbar an die Seitenlinie zurück. (Politik, 23.04.2026 - 18:22) weiterlesen...

Unfallforscher fordern Tempo 30 als Regel innerorts. Die Unfälle passieren häufig, wenn Menschen die Straße überqueren wollen. Warum Experten auf eine reduzierte Geschwindigkeit von Autos setzen. Rund 400 Fußgänger sterben jährlich im Straßenverkehr. (Unterhaltung, 23.04.2026 - 13:42) weiterlesen...

Dominante Bayern auf Kurs: Mit DJ Musiala Richtung Triple. Schnell richtet sich der Blick jedoch auf den nächsten Kracher. Ein Spieler könnte in den kommenden Wochen noch besonders wichtig werden. Ihr Final-Comeback feiern die Bayern mit einer Kabinenparty. (Politik, 23.04.2026 - 11:37) weiterlesen...

Bundesgerichtshof prüft Urheberschutz für USM-Designmöbel. Nach einem Schlenker über den EuGH liegt das Verfahren wieder in Karlsruhe. Dort wird es wohl noch nicht enden. Vor Gericht kämpft USM für einen Urheberschutz für sein bekanntes Möbelsystem. (Wirtschaft, 23.04.2026 - 10:40) weiterlesen...

Klette-Prozess in Verden vor dem Abschluss. Die Frist für mögliche neue Beweise endet schon in der kommenden Woche. Der Prozess wegen Raubüberfällen gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette nähert sich dem Ende. (Politik, 23.04.2026 - 10:05) weiterlesen...